Ameisenlöwe
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Myrmeleontidae (Familie); bekannteste mitteleuropäische Art: Euroleon nostras
- Ordnung: Netzflügler (Neuroptera)
- Familie: Ameisenjungfern (Myrmeleontidae)
- Lebensraum: Trockene, sandige Böden; regengeschützte Stellen wie Felsüberhänge, Hauswände, Dünen
- Größe Larve: bis 17 mm Körperlänge
- Größe Imago (Ameisenjungfer): Flügelspannweite 50–80 mm je nach Art
- Gewicht: wenige hundert Milligramm (Larve); bis ca. 1 g (Imago)
- Lebenserwartung: 2–3 Jahre (Larvalentwicklung); wenige Wochen als Imago
Aussehen & Merkmale
Der Begriff „Ameisenlöwe" bezeichnet ausschließlich das Larvenstadium der Ameisenjungfern. Die Larve besitzt einen gedrungenen, abgeflachten Körper mit einem breiten Hinterleib, der mit kurzen Borsten und Haaren besetzt ist. Auffälligstes Merkmal sind die kräftigen, sichelförmig gebogenen Mandibeln (Oberkiefer), die zusammen mit den Unterkiefern zangenartige Saugzangen bilden. Diese hohlen Mundwerkzeuge dienen sowohl dem Ergreifen der Beute als auch dem Aussaugen der Körperflüssigkeiten. Die Larve hat sechs Beine, die vergleichsweise kurz und kräftig gebaut sind. Die Körperfarbe variiert zwischen sandbraun und graubraun – eine wirksame Tarnung auf dem Substrat, in dem sie lebt.
Die aus der Larve hervorgehende Imago, die Ameisenjungfer, erinnert auf den ersten Blick an eine Libelle, unterscheidet sich jedoch deutlich: Die Fühler sind keulenförmig verdickt, der Flugstil ist flatternd und eher schwach, und die vier durchsichtigen, netzartig geäderten Flügel werden in Ruhe dachartig über dem schlanken Hinterleib zusammengelegt. Die Facettenaugen sind groß, der Kopf breit.
Lebensraum & Verbreitung
Ameisenlöwen sind weltweit verbreitet, mit Schwerpunkt in tropischen und subtropischen Regionen. Die Familie Myrmeleontidae umfasst über 2.000 beschriebene Arten in rund 190 Gattungen. In Mitteleuropa kommen etwa 20 Arten vor, darunter Euroleon nostras (Gefleckte Ameisenjungfer) und Myrmeleon formicarius (Gewöhnliche Ameisenjungfer).
Das bevorzugte Habitat der Larven sind feinkörnige, trockene Sandböden. Entscheidend ist, dass das Substrat locker genug ist, um darin Trichter anzulegen, und gleichzeitig vor Regen geschützt bleibt. Typische Biotope sind sandige Kiefernwälder, Binnendünen, Trockenrasen, Felsüberhänge, Höhleneingänge sowie anthropogene Strukturen wie überdachte Mauerfüße und Kellerfenster-Nischen. Die Larven sind standorttreu und bewegen sich kaum von ihrer Trichterstelle weg. Das Verbreitungsgebiet der einzelnen Arten richtet sich stark nach dem Vorhandensein geeigneter Sandböden und dem regionalen Klima.
Ernährung
Ameisenlöwen sind räuberische Lauerjäger. Die Larve ernährt sich ausschließlich von kleinen Arthropoden, die in ihren Trichter geraten. Ameisen stellen trotz des Namens nur einen Teil der Beute dar; auch Asseln, Spinnen, kleine Käfer und andere bodenlebende Gliederfüßer werden erbeutet. Sobald ein Beutetier über den Trichterrand rutscht, bewirft die Larve es gezielt mit Sandkörnern, um ein Entkommen zu verhindern. Hat die Beute den Trichterboden erreicht, packt die Larve sie mit ihren Saugzangen, injiziert ein Verdauungssekret und saugt die vorverdauten Körperflüssigkeiten auf. Diese extraintestinale Verdauung – also die Verdauung außerhalb des eigenen Darms – ist typisch für viele Netzflügler-Larven. Unverdauliche Reste werden aus dem Trichter geschleudert.
Die adulte Ameisenjungfer nimmt je nach Art entweder gar keine Nahrung auf oder ernährt sich von Pollen und kleinen Insekten.
Verhalten & Lebensweise
Die Larve des Ameisenlöwen ist überwiegend nachtaktiv, wobei sie auch tagsüber Beute fängt, wenn Beutetiere in den Trichter fallen. Der Trichterbau selbst folgt einem stereotypen Muster: Die Larve gräbt sich rückwärts spiralförmig in den Sand ein und schleudert dabei Material mit ruckartigen Kopfbewegungen nach oben. Der fertige Trichter erreicht je nach Larvengröße einen Durchmesser von 2–5 cm und eine Tiefe von 1–3 cm. Die Neigung der Trichterwände entspricht dem Schüttwinkel des Sandes – jede Erschütterung durch ein Beutetier löst kleine Lawinen aus, die das Opfer zum Trichtergrund befördern.
Ameisenlöwen können außerordentlich lange hungern. In Laborversuchen wurden Überlebenszeiten von mehreren Monaten ohne jede Nahrungsaufnahme dokumentiert. Diese Anpassung erklärt sich durch die Unwägbarkeit des Beutefangs: An manchen Standorten kann es Wochen dauern, bis ein Beutetier in den Trichter fällt. Der Stoffwechsel der Larve ist auf minimalen Energieverbrauch eingestellt. Zudem scheidet die Larve während des gesamten Larvenstadiums keinen Kot aus; der Mitteldarm ist blind geschlossen, und Stoffwechselabfälle werden erst bei der Verpuppung abgegeben.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung der Ameisenjungfern findet in den Sommermonaten statt. Die adulten Tiere sind dämmerungs- und nachtaktiv und werden häufig von künstlichen Lichtquellen angelockt. Eine ausgeprägte Balz findet nicht statt. Das Weibchen legt die Eier einzeln in lockeren Sand ab, oft in der Nähe geeigneter Trichterstandorte.
Die Larval