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Angora

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Rassen > Kaninchenrassen

Steckbrief

  • Herkunft: Türkei (Region Ankara), weiterentwickelt in Frankreich und England
  • Rassestandard: Anerkannt durch den Zentralverband Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter (ZDRK), Bewertung nach dem Standard des Bundes Deutscher Kaninchenzüchter (BDK)
  • Größe: Mittelgroß, gedrungener Körperbau
  • Gewicht: 3,5 bis 5,0 kg (Idealgewicht ca. 3,5–4,5 kg je nach Zuchtrichtung)
  • Lebenserwartung: 7 bis 12 Jahre bei artgerechter Haltung
  • Fell/Farben: Langes, seidiges Wollhaar von mindestens 6 cm Länge; anerkannte Farben sind Weiß (Albino mit roten Augen), aber auch farbige Schläge wie Schwarz, Blau, Havanna, Chinchilla und weitere

Herkunft & Geschichte

Die Abstammung des Angorakaninchens führt in die Türkei, genauer in die Region um Ankara – dieselbe Gegend, der auch die Angoraziege und die Angorakatze ihren Namen verdanken. Bereits im 18. Jahrhundert gelangten langhaarige Kaninchen über Seehandelsrouten nach Frankreich und England, wo sie zunächst als exotische Kuriositäten am Hof gehalten wurden. Französische Züchter erkannten früh den wirtschaftlichen Nutzen der feinen Wollhaare und begannen mit einer gezielten Selektion auf Wolllänge, Wolldichte und Wollqualität.

In Deutschland setzte die systematische Angorazucht Mitte des 19. Jahrhunderts ein. Während der beiden Weltkriege erlebte die Rasse einen regelrechten Boom, da Angorawolle als strategisch wichtiger Rohstoff für wärmende Textilien galt. Nach 1945 ging die Bedeutung der Wollproduktion zurück, doch die Rasse blieb in der organisierten Rassekaninchenzucht fest verankert. Der Zentralverband Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter führt das Angorakaninchen als eigenständige Rasse mit klar definiertem Rassestandard. International existieren verschiedene Zuchtrichtungen: Das Deutsche Angora ist stärker auf Wollertrag selektiert, während das Englische Angora durch seine extreme Kopf- und Ohrbehaarung auffällt und das Französische Angora eine etwas freiere Gesichtsbehaarung zeigt.

Aussehen & Rassemerkmale

Das Angorakaninchen ist auf den ersten Blick kaum mit einem gewöhnlichen Kaninchen zu verwechseln. Der gesamte Körper ist von einem dichten, seidigen Wollkleid umhüllt, das bei ausgewachsenen Tieren eine Länge von 6 bis über 10 Zentimetern erreicht. Die Wolle besitzt eine feine, leicht gewellte Struktur mit wenig Grannenhaaren, was ihr die typische Weichheit verleiht. An Stirn, Ohren und Läufen tragen die Tiere je nach Zuchtrichtung ebenfalls dichte Wollbüschel, sogenannte Pompons.

Der Körperbau ist walzenförmig und gedrungen mit einer breiten Brust und einem kräftigen Becken. Die Ohren sind mittellang, aufrecht getragen und idealerweise an den Spitzen mit Haarbüscheln versehen. Die Augen wirken durch das umgebende Fell oft etwas verborgen, sind aber groß und klar. Beim weißen Schlag sind die Augen rot (Albino), bei farbigen Schlägen dunkelbraun.

Ein wichtiges Bewertungskriterium im Rassestandard ist die Gleichmäßigkeit der Wolle: Sie soll den gesamten Körper lückenlos bedecken, darf nicht verfilzt sein und muss eine einheitliche Länge aufweisen. Tiere mit zu viel Grannenhaar oder ungleichmäßiger Wolldichte werden im Zuchtverband bei Ausstellungen entsprechend zurückgestuft.

Charakter & Wesen

Angorakaninchen gelten als ausgesprochen ruhige und sanftmütige Tiere. Sie sind weniger schreckhaft als viele Kurzhaarrassen und zeigen sich gegenüber ihrem Halter oft zutraulich und anhänglich. Diese Gelassenheit ist kein Zufall, sondern Ergebnis einer langen Zuchtgeschichte: Da die Tiere regelmäßig geschoren oder gekämmt werden müssen, wurden über Generationen bevorzugt umgängliche und geduldige Kaninchen zur Zucht ausgewählt.

Trotz ihres ruhigen Wesens sind Angorakaninchen keineswegs lethargisch. Sie sind neugierig, nehmen ihre Umgebung aufmerksam wahr und schätzen abwechslungsreiche Beschäftigung. In der Gruppe zeigen sie ein friedliches Sozialverhalten. Einzelhaltung ist – wie bei allen Kaninchenrassen – abzulehnen, da sie dem ausgeprägten Geselligkeitsbedürfnis nicht gerecht wird.

Haltung & Pflege

Die Haltung eines Angorakaninchens ist deutlich aufwendiger als die vieler Kurzhaarrassen. Der zentrale Punkt ist die Fellpflege: Das Wollhaar muss mindestens zwei- bis dreimal pro Woche gründlich durchgekämmt werden, um Verfilzungen zu verhindern. Alle 8 bis 12 Wochen steht eine Schur an, bei der die Wolle mit einer Spezialschere oder einer leisen Schermaschine gekürzt wird. Erfahrene Züchter zupfen die reife Wolle auch von Hand, was bei korrekter Technik schmerz- und stressfrei für das Tier ist.

Der Stall muss besonders sauber gehalten werden. Feuchte oder verschmutzte Einstreu verklebt die Wolle schnell und bildet einen Nährboden für Hautpilze und Parasitenbefall. Drahtgitterböden sind ungeeignet, da sie die empfindlichen Pfoten schädigen. Empfehlenswert ist eine großzügige Bodenhaltung mit trockenem Stroh oder Hanfstreu.

Ausreichend Auslauf ist unerlässlich. Ein gesicherter Freilauf im Garten oder ein großzügiges Innengehege mit mindestens 2 bis 3 Quadratmetern pro Tier sorgt für die nötige Bewegung. Tunnels, Häuschen und Nagematerial bieten Beschäftigung und beugen Langeweile vor.

Ernährung

Die Ernährung des Angorakaninchens unterscheidet sich grundsätzlich nicht von der anderer Kaninchenrassen, weist aber eine Besonderheit auf