Angorakaninchen
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Steckbrief
- Herkunft: Türkei (Region Ankara), weiterentwickelt in Frankreich und England
- Rassestandard: ZDRK (Zentralverband Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter), BDK (Bund Deutscher Kaninchenzüchter)
- Größe: Mittelgroß
- Gewicht: 3,5–5,0 kg (je nach Farbschlag und Zuchtlinie)
- Lebenserwartung: 7–12 Jahre
- Fell: Langes, seidiges Wollhaar mit einer Länge von mindestens 6 cm (häufig 10–15 cm); dichte Unterwolle
- Farben: Weiß (Albino mit roten Augen) als Hauptfarbschlag; daneben weitere Farbschläge wie Schwarz, Blau, Havanna, Chinchilla und Wildfarbig
Herkunft & Geschichte
Die Abstammung des Angorakaninchens wird auf langhaarige Kaninchen aus der Region um Ankara in der heutigen Türkei zurückgeführt. Bereits im 18. Jahrhundert gelangten die ersten Tiere über Handelsrouten nach Frankreich und England, wo sie rasch die Aufmerksamkeit von Adligen und wohlhabenden Bürgern erregten. Die üppige Wolle wurde damals als luxuriöses Textilmaterial geschätzt und machte die Tiere zu einem begehrten Wirtschaftsfaktor.
In Frankreich begann die systematische Zucht, die auf eine möglichst hohe Wollproduktion abzielte. Im 19. Jahrhundert verbreitete sich das Angorakaninchen auch im deutschsprachigen Raum, wo es sowohl als Nutztier für die Wollgewinnung als auch zunehmend als Ausstellungstier gehalten wurde. Der Zuchtverband ZDRK führt die Rasse heute unter den Langhaarrassen und definiert im Rassestandard exakte Vorgaben zu Körperbau, Wolldichte und Farbschlägen. International unterscheidet man verschiedene Zuchttypen: den Englischen Angora, den Französischen Angora, den Riesenangora und den Satinangora – wobei in Deutschland vorwiegend der klassische Typ gezüchtet wird.
Aussehen & Rassemerkmale
Das markanteste Merkmal des Angorakaninchens ist sein außergewöhnlich langes, seidiges Wollhaar, das den gesamten Körper bedeckt. Im Idealzustand wirkt das Tier wie eine weiche, fließende Wollkugel. Die Wolle besteht aus feinem Grannenhaar und dichter Unterwolle, wobei die Haarstruktur an hochwertige Merinowolle erinnert. Der Rassestandard fordert eine Wolllänge von mindestens sechs Zentimetern, viele Zuchttiere erreichen jedoch deutlich mehr.
Der Körperbau ist gedrungen, walzenförmig und kräftig, was unter der voluminösen Wolle oft kaum zu erkennen ist. Die Ohren sind aufrecht stehend, mittellang und tragen ebenfalls Wollbüschel an den Spitzen – die sogenannten Ohrbüschel oder „Pinsel". Auch an Stirn, Wangen und Läufen zeigt sich üppiger Wollbesatz. Die Augen sind je nach Farbschlag rot (beim Albino) oder dunkelbraun bis blaugrau.
Bei Ausstellungen wird besonderer Wert auf die Gleichmäßigkeit der Wolldichte, die Textur und den Glanz des Fells gelegt. Filzige, verklumpte oder zu kurze Wolle führt zu Punktabzügen.
Charakter & Wesen
Angorakaninchen gelten als ausgesprochen ruhig und gutmütig. Im Vergleich zu vielen anderen Kaninchenrassen zeigen sie ein eher gelassenes Temperament, was sie besonders umgänglich im täglichen Umgang macht. Sie sind zutraulich, lassen sich geduldig bürsten und entwickeln bei regelmäßigem Kontakt eine enge Bindung zu ihren Bezugspersonen.
Trotz ihres sanften Wesens sind Angorakaninchen keineswegs träge. Sie sind neugierig und verspielt, wenn man ihnen ausreichend Beschäftigung und Auslauf bietet. Gegenüber Artgenossen verhalten sie sich in der Regel sozial und verträglich, weshalb eine Haltung in Gruppen oder zumindest paarweise empfohlen wird. Einzelhaltung widerspricht den natürlichen Bedürfnissen dieser geselligen Tiere.
Haltung & Pflege
Die Haltung von Angorakaninchen stellt besondere Anforderungen, die vor der Anschaffung gründlich bedacht werden sollten. Der zentrale Punkt ist die aufwendige Fellpflege: Die lange Wolle muss mindestens zwei- bis dreimal pro Woche sorgfältig gebürstet und gekämmt werden, um Verfilzungen zu verhindern. Etwa alle drei Monate steht eine Schur an, bei der die Wolle gleichmäßig auf eine Länge von wenigen Zentimetern gekürzt wird. Alternativ kann die reife Wolle bei manchen Zuchtlinien auch durch vorsichtiges Zupfen geerntet werden.
Verfilzungen sind mehr als ein kosmetisches Problem: Sie ziehen die Haut zusammen, verursachen Schmerzen, schränken die Bewegungsfreiheit ein und schaffen ein feuchtes Milieu, in dem sich Hautpilze und Parasiten ansiedeln können.
Der Auslauf sollte großzügig bemessen sein – ein geräumiges Gehege mit mindestens sechs Quadratmetern Grundfläche für zwei Tiere plus täglichem Freilauf ist das Minimum. Dabei ist darauf zu achten, dass die Einstreu stets trocken und sauber bleibt, da feuchtes Substrat die Wolle schnell verschmutzt und verfilzt. Beschäftigung durch Tunnel, Plattformen und Nagematerial hält die Tiere geistig und körperlich fit.
Ernährung
Die Ernährung des Angorakaninchens unterscheidet sich grundsätzlich nicht von der anderer Kaninchenrassen, erfordert aber besondere Aufmerksamkeit hinsichtlich der Wollproduktion. Hochwertiges Heu bildet die Basis und sollte rund um die Uhr verfügbar sein. Es fördert die Verdauung und den notwendigen Zahnabrieb.
Ergänzend werden frisches Grünfutter wie Löwenzahn, Petersilie, Möhrengrün, Fenchel und verschiedene Gräser angeboten. Gemüse wie Möhren, Brokkoli, Fenchel und Sellerie ergänzen den Speiseplan. Obst darf nur in kleinen Mengen