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Ansitzjagd

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Definition und Überblick

Die Ansitzjagd ist eine der ältesten und am weitesten verbreiteten Jagdmethoden in Mitteleuropa. Bei dieser Form der Jagd begibt sich der Jäger an einen festen Standort, wartet dort ruhig und weitgehend bewegungslos, bis sich Wild in Schussentfernung zeigt, und erlegt es dann gezielt. Im Gegensatz zur Pirschjagd, bei der sich der Jäger aktiv an das Wild heranarbeitet, oder zur Drückjagd, bei der Wild durch Treiber in Bewegung gebracht wird, setzt die Ansitzjagd auf Geduld, Ruhe und eine genaue Kenntnis der Gewohnheiten des Wildes.

In der Jägersprache wird die Ansitzjagd häufig schlicht als Ansitz bezeichnet. Der Jäger „sitzt an" – ein Ausdruck, der sowohl die Tätigkeit als auch die Jagdart beschreibt. Die Methode gilt als besonders waidgerecht, da sie dem Jäger ausreichend Zeit gibt, das Wild genau anzusprechen, also Art, Geschlecht, Alter und Gesundheitszustand zu bestimmen, bevor er einen Schuss abgibt.

Jagdeinrichtungen und Standortwahl

Für die Ansitzjagd nutzt der Jäger verschiedene Jagdeinrichtungen, die ihm Deckung bieten und gleichzeitig eine gute Übersicht über das Gelände ermöglichen. Zu den wichtigsten zählen:

  • Hochsitz (Kanzel): Eine geschlossene oder offene, erhöhte Sitzgelegenheit auf einem Gestell aus Holz oder Metall. Geschlossene Kanzeln bieten Schutz vor Witterung und verhindern, dass der menschliche Geruch (Witterung) vom Wild wahrgenommen wird. Sie stehen oft an Waldrändern, Schneisen oder Lichtungen.
  • Leiter: Eine einfache, offene Sitzvorrichtung an einem Baum oder freistehend. Sie ist weniger komfortabel als eine Kanzel, lässt sich aber schnell aufstellen und eignet sich für wechselnde Jagdsituationen.
  • Drückjagdbock: Ein mobiler, meist klappbarer Hochsitz, der bei Gesellschaftsjagden eingesetzt wird, aber auch beim Einzelansitz Verwendung findet.
  • Erdsitz (Schirm): Ein ebenerdiger Ansitz, oft hinter einer natürlichen oder künstlichen Deckung wie Reisighaufen, Schilfwänden oder Tarnnetzen. Erdsitze kommen besonders bei der Jagd auf Raubwild, Fuchs oder Niederwild zum Einsatz.

Die Wahl des Standorts richtet sich nach den Wechseln – also den regelmäßig genutzten Pfaden des Wildes –, nach Äsungsflächen, Wasserstellen und den vorherrschenden Windverhältnissen. Der Jäger muss darauf achten, dass der Wind nicht vom Ansitz in Richtung des erwarteten Wildwechsels bläst, da Schalenwild einen außerordentlich feinen Geruchssinn besitzt und die menschliche Witterung auf große Distanz wahrnimmt.

Zeitpunkt und Ablauf

Die günstigsten Zeiten für die Ansitzjagd sind die Dämmerungsstunden – also die frühen Morgen- und die späten Abendstunden. In der Jägersprache spricht man vom Morgenansitz und vom Abendansitz. In diesen Zeitfenstern verlässt das Wild seine Einstände (Ruheplätze) und zieht zur Äsung auf Wiesen, Felder oder Lichtungen.

Der Jäger bezieht seinen Ansitz rechtzeitig vor dem erwarteten Wildaustritt, in der Regel mindestens 30 bis 60 Minuten vorher. Dabei bewegt er sich möglichst leise und vermeidet es, Spuren auf den Wildwechseln zu hinterlassen. Einmal auf dem Hochsitz angekommen, verhält er sich ruhig und schränkt seine Bewegungen auf das Nötigste ein. Ein Fernglas dient dazu, das Wild frühzeitig zu entdecken und korrekt anzusprechen. Erst wenn das Stück als jagdbar erkannt und ein sicherer Schuss möglich ist, wird die Büchse angelegt.

Die Ansitzjagd kann auch während der Nacht ausgeübt werden, etwa bei der Jagd auf Schwarzwild (Wildschweine) an Kirrungen – also Lockfütterungen mit geringen Mengen an Mais oder anderen Ködern. Die Verwendung von Nachtzielgeräten unterliegt je nach Landesjagdgesetz strengen Regelungen.

Bejagbare Wildarten

Die Ansitzjagd eignet sich grundsätzlich für nahezu alle heimischen Wildarten. Besonders häufig wird sie auf folgende Arten angewandt:

  • Rehwild: Die mit Abstand häufigste Ansitzjagd in Deutschland. Böcke werden vor allem während der Blattzeit (Brunft) im Juli und August bejagt, Ricken und Kitze im Herbst und Winter.
  • Rotwild: Ansitz an Wildwiesen, Brunftplätzen oder Wechseln, oft in Kombination mit der Pirsch.
  • Schwarzwild: Ansitz an Kirrungen, Suhlen oder auf Feldern mit Wildschäden, häufig in der Nacht.
  • Raubwild: Fuchs, Marder und Waschbär werden vom Erdsitz oder Hochsitz aus bejagt, teils unter Zuhilfenahme von Lockjagd-Techniken wie dem Hasenklage-Locker.
  • Flugwild: Tauben oder Krähen werden gelegentlich vom getarnten Erdsitz mit der Flinte bejagt, oft mit Lockvögeln (Attrappen).

Vorteile und jagdethische Bedeutung

Die Ansitzjagd gilt als besonders selektive Jagdmethode, da der Jäger das Wild in Ruhe beobachten und beurteilen kann. Fehlabschüsse – etwa das Erlegen eines Muttertieres mit abhängigen Jungtieren – lassen sich bei sorgfältigem Ansprechen weitgehend vermeiden. Auch die Störung des Lebensraumes ist minimal, da der Jäger sich ruhig verhält und keine großflächige Beunruhigung des Reviers stattfindet.

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