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Balg

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Definition und Überblick

Der Begriff Balg bezeichnet in der Jäger- und Weidmannssprache die abgezogene Haut eines Haarraubwildes oder bestimmter anderer Wildarten mitsamt dem daran befindlichen Haarkleid. Im Gegensatz zur alltagssprachlichen Verwendung, in der „Balg" mitunter abwertend für ein unartiges Kind gebraucht wird, handelt es sich in der Jagdterminologie um einen klar definierten Fachausdruck mit langer Tradition. Der Balg umfasst die gesamte Körperhaut des erlegten Tieres, nachdem sie vom Wildkörper gelöst – also abgebalgt – wurde. Er bildet das Ausgangsmaterial für die weitere Verarbeitung zu Pelzen, Fellen oder Leder.

Abgrenzung zu verwandten Begriffen

In der Weidmannssprache wird streng zwischen verschiedenen Bezeichnungen für die Tierhaut unterschieden, je nachdem, um welche Wildart es sich handelt. Diese Differenzierung gehört zum festen Bestandteil der jagdlichen Fachsprache:

  • Balg – verwendet für Haarraubwild wie Fuchs, Marder, Dachs, Iltis, Wiesel, Hermelin und Waschbär, außerdem für Wildkaninchen und Murmeltier
  • Decke – die Haut von Schalenwild (Reh, Hirsch, Wildschwein, Gams)
  • Schwarte – speziell die dicke Haut des Schwarzwildes (Wildschwein), gelegentlich auch des Dachses
  • Fell – eher ein allgemeinsprachlicher Ausdruck, in der Jägersprache nicht üblich für Wild

Diese Unterscheidungen mögen für Außenstehende pedantisch wirken, gehören aber zum korrekten weidmännischen Sprachgebrauch und spiegeln die enge Verbindung zwischen Jagdpraxis und Naturkenntnis wider.

Das Abbalgen – Vorgehensweise und Technik

Das Lösen des Balges vom Wildkörper wird als Abbalgen bezeichnet. Dieser Arbeitsschritt erfordert Sorgfalt, Übung und ein scharfes Messer – in der Regel ein spezielles Abbalgmesser mit kurzer, leicht gebogener Klinge, das ein versehentliches Durchstechen der Haut vermeiden hilft.

Beim Abbalgen unterscheidet man grundsätzlich zwei Methoden:

  • Offener Schnitt (Aufschneiden): Der Balg wird entlang der Bauchmitte aufgeschnitten und flach vom Körper gelöst. Diese Methode kommt häufig bei größeren Raubwildarten wie dem Dachs zum Einsatz.
  • Schlauchbalg (Röhrenbalg): Der Balg wird ohne Bauchschnitt über den Körper abgestreift, sodass er röhrenförmig erhalten bleibt. Diese Technik wird bevorzugt bei Fuchs, Marder und anderen kleineren Raubwildarten angewandt, da sie den Pelz in einem Stück erhält und seine Qualität besser bewahrt.

Unmittelbar nach dem Abbalgen muss der Balg von anhaftenden Fleisch- und Fettresten befreit werden. Diesen Vorgang nennt man Entfleischen. Geschieht dies nicht zeitnah, setzt Fäulnis ein, und das Haarkleid löst sich von der Lederhaut – der Balg wird unbrauchbar.

Konservierung und Weiterverarbeitung

Nach dem Entfleischen muss der Balg konserviert werden, um den Verwesungsprozess zu stoppen. Gängige Methoden sind:

  • Trocknen: Der Balg wird auf einem Spanner (einem brett- oder keilförmigen Holzgestell) aufgezogen und an einem luftigen, kühlen Ort getrocknet. Bei Schlauchbälgen wird der Spanner in den röhrenförmigen Balg geschoben, wobei die Lederseite nach außen zeigt.
  • Salzen: Die Lederseite wird großzügig mit Kochsalz eingerieben, das dem Gewebe Feuchtigkeit entzieht und so konservierend wirkt.
  • Einfrieren: In der modernen Praxis werden Bälge häufig tiefgefroren, bis sie an eine Gerberei oder einen Fellhändler weitergegeben werden.

Die endgültige Verarbeitung des rohen Balges zu einem haltbaren Pelz erfolgt durch das Gerben. Dabei wird die Lederhaut chemisch oder pflanzlich behandelt, sodass sie geschmeidig bleibt und nicht verrottet. Der gegerbte Balg kann anschließend zu Pelzbekleidung, Accessoires oder Dekorationsgegenständen weiterverarbeitet werden.

Bedeutung des Balges in der Jagdgeschichte

Historisch war der Balg einer der wesentlichen wirtschaftlichen Gründe für die Jagd auf Raubwild. Insbesondere die Bälge von Fuchs, Marder, Hermelin und Zobel galten über Jahrhunderte als wertvolle Handelsware. Der Pelzhandel prägte ganze Wirtschaftsregionen – man denke an den nordamerikanischen Pelzhandel oder die Bedeutung russischer Zobelbälge im europäischen Fernhandel des Mittelalters.

In Mitteleuropa war die Balggewinnung bis weit ins 20. Jahrhundert ein relevanter Nebenerwerb für Jäger und Förster. Die Qualität eines Balges hing dabei von mehreren Faktoren ab: der Jahreszeit des Erlegens (Winterbälge sind dichter und wertvoller als Sommerbälge), dem Zustand des Haarkleides, der Sorgfalt beim Abbalgen und der Konservierung. Bälge wurden auf Pelzmärkten oder direkt an Kürschner verkauft, wobei Preise je nach Art, Größe und Qualität stark schwankten.

Heutige Bedeutung

Mit dem Rückgang der Pelznachfrage in Europa seit den 1980er-Jahren hat die wirtschaftliche Bedeutung des Balges stark abgenommen. Viele Jäger entsorgen die Bälge erlegter Füchse oder Marder inzwischen, ohne sie zu verwerten – ein Umstand, der aus Sicht einer nachhaltigen Jagdethik zunehmend kritisch diskutiert wird. Initiativen wie regionale Fellsammelstellen oder Projekte zur Wiederbelebung der heimischen Pelznutzung versuchen gegenzust