Bast
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Definition und Überblick
Als Bast bezeichnet die Jägersprache die weiche, stark durchblutete Hautschicht, die das wachsende Geweih von Hirschartigen (Cerviden) während der Wachstumsphase vollständig überzieht. Diese nährstoffreiche Haut versorgt den darunterliegenden Knochen mit Blut, Sauerstoff und Mineralstoffen und ermöglicht so das außergewöhnlich schnelle Geweihwachstum. Der Bast wird in der Weidmannssprache auch als Basthaut bezeichnet. Er besteht aus einer dünnen, behaarten Haut mit einem dichten Netz feiner Blutgefäße und Nerven, die das Geweih während seiner Bildungsphase empfindlich und berührungssensibel machen.
Der Begriff findet sich in zahlreichen jagdlichen Wendungen wieder. So spricht der Jäger davon, dass ein Hirsch, Rehbock oder Damhirsch sein Geweih bzw. Gehörn „im Bast" trägt, solange die Wachstumsphase andauert. Das Abstreifen des Bastes nach Abschluss des Wachstums wird als Fegen bezeichnet.
Aufbau und Funktion der Basthaut
Die Basthaut ist ein hochspezialisiertes Gewebe, das in seiner Struktur der normalen Körperhaut ähnelt, jedoch wesentlich stärker durchblutet ist. Sie besteht aus mehreren Schichten:
- Epidermis: Die äußere Hautschicht ist mit feinen, samtartigen Haaren bedeckt, die dem Geweih im Bast sein charakteristisches, weiches Erscheinungsbild verleihen. Diese kurzen Härchen werden in der Jägersprache gelegentlich als Basthaare bezeichnet.
- Dermis (Lederhaut): In dieser Schicht verläuft das dichte Geflecht aus Blutgefäßen und Nerven. Die Arterien und Venen transportieren die für den Knochenaufbau notwendigen Nährstoffe zum wachsenden Geweih.
- Periost (Knochenhaut): Direkt auf dem Geweihknochen liegt die Knochenhaut, von der aus die eigentliche Knochenbildung gesteuert wird. Hier findet die Mineralisierung statt, die dem Geweih seine spätere Härte verleiht.
Das Geweih von Cerviden gehört zu den am schnellsten wachsenden Knochenstrukturen im gesamten Tierreich. Beim Rothirsch kann das tägliche Längenwachstum der Geweihstangen bis zu zwei Zentimeter betragen. Diese enorme Wachstumsgeschwindigkeit wird ausschließlich über die Nährstoffversorgung durch den Bast ermöglicht.
Wachstumsphase und Fegezeit
Der zeitliche Ablauf der Bastphase unterscheidet sich je nach Wildart erheblich:
- Rehbock: Das Gehörn wird ab Dezember geschoben. Die Fegezeit, also das Abreiben des Bastes, fällt in den Zeitraum von März bis April. In der Jägersprache heißt es, der Bock verfegt sein Gehörn.
- Rothirsch: Das Geweih wird ab Februar oder März geschoben. Der Bast wird je nach Alter und Konstitution des Hirsches zwischen Juni und August gefegt.
- Damhirsch: Die Wachstumsphase erstreckt sich vom Frühjahr bis in den Sommer. Das Fegen erfolgt meist im August.
Das Ende der Bastphase wird hormonell gesteuert. Steigende Testosteronspiegel bewirken, dass die Durchblutung des Bastes zurückgeht. Die Basthaut stirbt ab, trocknet ein und beginnt sich vom fertigen, nun vollständig mineralisierten Geweih zu lösen. Der Hirsch oder Bock schlägt und reibt sein Geweih dann intensiv an Büschen, Bäumen und Sträuchern, um die abgestorbenen Hautreste zu entfernen. Dieses Fegen hinterlässt sichtbare Spuren an der Vegetation – sogenannte Fegestellen oder Fegebäume –, die dem Jäger als Hinweis auf das Vorkommen und die Aktivität männlichen Schalenwildes dienen.
Während des Fegevorgangs hängen zunächst blutige Bastfetzen am Geweih. Diese werden teilweise vom Wild selbst abgeäst. Nach dem vollständigen Fegen zeigt das Geweih seine endgültige Färbung, die durch Pflanzensäfte und Gerbstoffe der benutzten Bäume entsteht und je nach Region und Vegetation von hellem Gelb bis zu dunklem Braun reichen kann.
Bedeutung des Bastes für die jagdliche Praxis
Für den Jäger ist der Zustand des Bastes ein wesentliches Kriterium bei der Wildbeurteilung und der Jagdausübung. Ein Stück Schalenwild, das sein Geweih noch im Bast trägt, lässt sich schwieriger in Bezug auf Geweihqualität und Altersklasse ansprechen, da die endgültige Form und Ausprägung der Stangen, Enden und Sprossen unter der Basthaut nicht vollständig erkennbar sind.
In vielen Jagdrevieren gilt die ungeschriebene Regel, dass Geweihträger während der Bastphase nach Möglichkeit nicht erlegt werden sollten, da eine zuverlässige Beurteilung erschwert ist. Zudem ist in Deutschland die Jagdzeit auf Schalenwild durch das Jagdrecht und die jeweiligen Landesjagdverordnungen geregelt, sodass die Bastzeit bei vielen Wildarten ohnehin in die Schonzeit fällt.
Ein verzögertes Fegen oder das unvollständige Abstreifen des Bastes kann auf gesundheitliche Probleme des Tieres hinweisen. Hormonelle Störungen, etwa durch Verletzungen der Hoden (Kryptorchismus oder traumatische Kastration), können dazu führen, dass das Geweih dauerhaft im Bast verbleibt. Solche Stücke werden in der Jägersprache als Perückenträger bezeichnet, wenn das Geweih infolge der Hormonstörung unkontrolliert weiterwächst und eine knollige, wuchernde Form annimmt.
Bast in der Weidmannssprache – verwandte Begriffe
Rund um den Bast hat sich in der Jägersprache ein differenziertes Vokabular entwickelt:
- Kolben: Bezeichnung für das Geweih im