Bache
BJäger- & Weidmannssprache > Jäger- & Weidmannssprache
Definition und Bedeutung
Der Begriff Bache bezeichnet in der Jäger- und Weidmannssprache ein weibliches Wildschwein (Sus scrofa), das die Geschlechtsreife erreicht hat. Die Bezeichnung gehört zum festen Vokabular der jagdlichen Fachsprache und wird in der Praxis klar von anderen Alters- und Geschlechtsbezeichnungen des Schwarzwildes abgegrenzt. Während das männliche Gegenstück als Keiler bezeichnet wird, heißen die Jungtiere Frischlinge und die noch nicht geschlechtsreifen weiblichen Stücke im zweiten Lebensjahr Überläuferbachen. Als vollwertige Bache gilt ein weibliches Stück Schwarzwild in der Regel ab dem zweiten oder dritten Lebensjahr, sobald es erstmals an der Fortpflanzung teilnimmt.
Herkunft des Begriffs
Das Wort „Bache" hat seine Wurzeln im Mittelhochdeutschen und leitet sich vermutlich vom althochdeutschen bahho ab, was so viel wie „Schinken" oder „Speckseite" bedeutet. Diese Herleitung verweist auf den kräftigen Körperbau des weiblichen Wildschweins. In der historischen Jagdliteratur taucht der Begriff bereits seit dem Mittelalter auf und gehört damit zu den ältesten noch gebräuchlichen Ausdrücken der deutschen Weidmannssprache. Regional existieren vereinzelt Varianten und Nebenformen, doch hat sich Bache als standardsprachlicher jagdlicher Fachausdruck durchgesetzt.
Körperbau und Erscheinung
Die Bache ist in der Regel deutlich leichter und kleiner als der ausgewachsene Keiler. Während ein starker Keiler ein Gewicht von über 100 Kilogramm auf die Waage bringen kann, wiegen Bachen in Mitteleuropa durchschnittlich zwischen 50 und 80 Kilogramm – abhängig von Nahrungsangebot, Region und Jahreszeit. Der Kopf der Bache wirkt schmaler und gestreckter als der des Keilers, dem sein massiver Schädel und die ausgeprägten Gewaff genannten Eckzähne ein breiteres Erscheinungsbild verleihen. Die Bache verfügt zwar ebenfalls über Eckzähne, diese sind jedoch wesentlich kürzer und weniger auffällig.
Das Schwarte genannte Fell der Bache zeigt die typische dunkelbraune bis schwarzgraue Färbung des Schwarzwildes. Im Winter bildet sich ein dichter Unterwolle-Bestand, der durch längere Borsten ergänzt wird. Im Vergleich zum Keiler fehlt der Bache der ausgeprägte Schild – eine durch Harz und Erdverkrustungen verstärkte Hautschicht an Schultern und Flanken, die dem Keiler bei Rivalenkämpfen als natürlicher Schutz dient.
Sozialverhalten und Rottenstruktur
Die Bache nimmt innerhalb der sozialen Organisation des Schwarzwildes eine zentrale Stellung ein. Wildschweine leben in Rotten, die aus mehreren Bachen mit ihren Frischlingen und Überläufern bestehen. Die erfahrenste und älteste Bache übernimmt dabei die Führungsrolle und wird als Leitbache bezeichnet. Sie bestimmt die Wanderrouten, die Zeiten der Nahrungssuche sowie die Aufbruchszeiten aus dem Kessel – dem Tageseinstand, in dem die Rotte ruht.
Die Leitbache hat darüber hinaus erheblichen Einfluss auf das Fortpflanzungsgeschehen innerhalb der Rotte. Durch ihre Dominanz synchronisiert sie den Rauschzyklus der anderen Bachen, sodass die Frischlinge annähernd zeitgleich geboren werden. Dieses koordinierte Fortpflanzungsverhalten erhöht die Überlebenschancen des Nachwuchses erheblich. Fällt die Leitbache durch Bejagung oder natürliche Ursachen aus, kann die Sozialstruktur der Rotte empfindlich gestört werden. In der Folge kommt es häufig zu asynchronem Frischen, vermehrter Reproduktion jüngerer Bachen und einer Aufsplitterung der Rotte – ein Umstand, der in der modernen Wildbiologie und Jagdplanung intensiv diskutiert wird.
Fortpflanzung und Aufzucht
Die Paarungszeit des Schwarzwildes wird als Rauschzeit bezeichnet und findet in Mitteleuropa überwiegend zwischen November und Januar statt. Die Bache ist während dieser Phase empfänglich und wird vom Keiler aufgesucht, der die Rotte in der Rauschzeit begleitet. Nach einer Tragzeit von etwa 114 bis 118 Tagen – oft vereinfacht als „drei Monate, drei Wochen und drei Tage" angegeben – bringt die Bache ihren Nachwuchs zur Welt. Diesen Vorgang nennt die Weidmannssprache Frischen.
Die Wurfgröße liegt durchschnittlich bei vier bis acht Frischlingen, kann aber je nach Kondition und Ernährungslage der Bache variieren. Vor dem Frischen richtet die Bache einen Wurfkessel her – eine muldenartige Vertiefung im Boden, die mit Gras, Laub und Moos ausgepolstert wird. Die Frischlinge tragen in den ersten Lebensmonaten das charakteristische längsgestreifte Fell, das ihnen als Tarnung dient. Die Bache säugt und führt ihre Frischlinge über mehrere Monate und verteidigt sie entschlossen gegen Fressfeinde. Auch andere Bachen innerhalb der Rotte beteiligen sich gelegentlich an der Betreuung fremder Frischlinge, was als kooperative Jungenaufzucht gilt.
Jagdliche Bedeutung und Hege
In der jagdlichen Praxis kommt der Bache eine besondere Rolle zu. Die Bejagung des Schwarzwildes unterliegt in Deutschland dem Bundesjagdgesetz sowie den jeweiligen Landesjagdgesetzen. Für die Bache gelten spezifische Regelungen, die regional unterschiedlich ausfallen können. Ein zentraler Grundsatz lautet: Führende Bachen genießen besonderen Schutz. Das Erlegen einer Bache, die erkennbar Frischlinge führt, ist in den meisten Bundesländern untersagt oder an strenge Auflagen gebunden, da der Verlust der Mutter den Tod der noch unselbstständigen Frischlinge nach sich zieht.
Die gezielte Schonung der Leitbache wird von Wildbiologinnen und Wildbiologen seit Jahren gefordert, da ihr Verlust nachweislich destabilisierende