Apportierhund
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Definition und Überblick
Als Apportierhund wird in der Jäger- und Weidmannssprache ein Jagdhund bezeichnet, der darauf spezialisiert ist, erlegtes oder geschossenes Wild aufzufinden und seinem Führer zuzutragen. Das Wort „apportieren" stammt vom französischen apporter (herbeibringen, zurückbringen) und beschreibt die Kernaufgabe dieser Hunde: das zuverlässige Bringen von Wild, ohne es dabei zu beschädigen. In der kynologischen Fachsprache wird der Apportierhund auch als Retriever (vom englischen to retrieve – zurückholen) bezeichnet. Die Fédération Cynologique Internationale (FCI) führt die Apportierhunde in der Gruppe 8, Sektion 1 ihrer Rassensystematik.
Geschichtliche Entwicklung
Die gezielte Zucht von Hunden, die auf das Bringen von Wild spezialisiert sind, geht auf das 18. und 19. Jahrhundert zurück und hat ihren Ursprung vor allem in Großbritannien und Kanada. Mit der Verbreitung von Schusswaffen veränderte sich die Jagdpraxis grundlegend: Wild wurde nun auf größere Distanz erlegt und musste häufig aus unwegsamem Gelände, dichtem Unterholz oder aus dem Wasser geborgen werden. Für diese Aufgabe brauchte man Hunde mit ausgeprägtem Finderwillen, weichem Maul und einer starken Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit dem Jäger.
Aus Kreuzungen zwischen dem inzwischen ausgestorbenen St. John's Water Dog aus Neufundland und britischen Jagdhunderassen entstanden die heute bekannten Retriever-Rassen. Besonders auf den britischen Inseln wurde das sogenannte Driven Game Shooting – die Treibjagd auf Flugwild – zur bevorzugten Jagdform des Adels, bei der Apportierhunde eine unverzichtbare Rolle spielten.
Anerkannte Rassen
Die FCI erkennt sechs Hunderassen als Apportierhunde an:
- Labrador Retriever – Die weltweit verbreitetste Retriever-Rasse, ursprünglich von der Küste Neufundlands stammend, bekannt für Wasserfreude und Arbeitseifer.
- Golden Retriever – Im 19. Jahrhundert in Schottland gezüchtet, geschätzt für sein ausgeglichenes Wesen und seine Führigkeit.
- Flat-Coated Retriever – Eine elegante Rasse mit glattem, anliegendem Fell, die im viktorianischen England als bevorzugter Jagdhund galt.
- Chesapeake Bay Retriever – Eine robuste, amerikanische Rasse, die für die Wasserarbeit unter rauen Bedingungen in der Chesapeake Bay entwickelt wurde.
- Curly-Coated Retriever – Die älteste der Retriever-Rassen mit charakteristischem Lockenfell, das als natürlicher Wetterschutz dient.
- Nova Scotia Duck Tolling Retriever – Die kleinste Retriever-Rasse, die zusätzlich zum Apportieren auch das sogenannte „Tolling" beherrscht, ein spielerisches Verhalten am Ufer, das Enten anlockt.
Jagdliche Aufgaben und Arbeitsweise
Die zentrale Aufgabe des Apportierhundes liegt im Bringen von erlegtem Wild nach dem Schuss. Dies unterscheidet ihn von Vorstehhunden, Stöberhunden oder Bracken, die vorrangig dem Auffinden und Hochmachen von Wild dienen. Der Apportierhund arbeitet typischerweise in drei Disziplinen:
- Markieren (Marking) – Der Hund beobachtet den Fall des beschossenen Wildes und merkt sich die Stelle. Auf Kommando läuft er die Fallstelle an und bringt das Wild zurück.
- Einweisen (Blind Retrieve) – Der Hund hat den Fall nicht selbst gesehen und wird vom Führer per Handzeichen und Pfeifensignal zur Fallstelle dirigiert. Diese Arbeit erfordert eine hohe Lenkbarkeit und gegenseitiges Vertrauen.
- Freiverlorensuche (Hunting) – Der Hund durchsucht ein zugewiesenes Geländestück systematisch nach Wild, das er selbstständig auffindet und bringt.
Ein gut ausgebildeter Apportierhund zeichnet sich durch sein weiches Maul (soft mouth) aus – er trägt das Wild so schonend, dass es nicht durch Zahnabdrücke oder Quetschungen beschädigt wird. Dieses Merkmal wurde über Generationen hinweg züchterisch gefestigt. Ebenso entscheidend ist die sogenannte Steadiness: Der Hund bleibt trotz fallenden Wildes und Schussgeräuschen ruhig auf seinem Platz und arbeitet erst auf ausdrückliches Kommando seines Führers.
Ausbildung und Prüfungswesen
Die jagdliche Ausbildung eines Apportierhundes beginnt im Welpenalter mit dem spielerischen Aufbau der Apportierfreude und des Grundgehorsams. Im weiteren Verlauf werden Markierungsübungen, Einweisearbeit und Freiverlorensuche systematisch aufgebaut. In der deutschsprachigen Jägerschaft wird die Ausbildung häufig durch das Dummy-Training ergänzt – dabei dienen mit Sand oder Granulat gefüllte Leinensäckchen als Wildersatz.
In Deutschland können Apportierhunde verschiedene Jagdeignungsprüfungen ablegen, darunter die Brauchbarkeitsprüfung, die je nach Bundesland Voraussetzung für den jagdlichen Einsatz ist. Darüber hinaus gibt es spezielle Retriever-Arbeitsprüfungen und Field Trials (Feldprüfungen), bei denen die Hunde unter jagdnahen Bedingungen getestet werden. Workingtests stellen eine weitere Prüfungsform dar, bei der verschiedene Apportieraufgaben in einem Parcours abgearbeitet werden.
Eignung und Verwendung außerhalb der Jagd
Aufgrund ihrer Menschenbezogenheit, Lernfreude und ihres ausgeglichenen Temperaments haben Apportierhunde – allen voran Labrador und Golden Retriever – weit über die Jagd hinaus Verbreitung gefunden. Sie werden als Blindenführhunde, Rettungshunde, Spürhunde bei Polizei und