Aspisviper
ATierart – Reptilien > Schlangen – Giftschlangen
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Vipera aspis
- Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
- Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
- Familie: Vipern (Viperidae)
- Unterfamilie: Echte Vipern (Viperinae)
- Gattung: Echte Ottern (Vipera)
- Lebensraum: Trockene, sonnige Hänge, Geröllhalden, lichte Wälder, Trockenmauern in Südwesteuropa
- Größe: 60–80 cm, selten bis 90 cm
- Gewicht: 50–150 g
- Lebenserwartung: 15–20 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Die Aspisviper ist eine mittelgroße, gedrungen gebaute Giftschlange mit einem deutlich vom Körper abgesetzten, dreieckigen Kopf. Dieses Merkmal teilt sie mit den meisten anderen Vertretern der Familie der Vipern und unterscheidet sie auf den ersten Blick von den ungiftigen Nattern Europas. Die Schnauze ist leicht nach oben gebogen und wirkt dadurch aufgestülpt – ein diagnostisches Unterscheidungsmerkmal zur nah verwandten Kreuzotter (Vipera berus), deren Schnauzenspitze abgerundet ist.
Die Grundfärbung der Schuppen variiert je nach Unterart und Population erheblich: von Grautönen über Braun und Gelblich bis hin zu Kupferrot. Entlang des Rückens zieht sich ein dunkles Zickzack- oder Wellenband, das bei manchen Individuen zu einzelnen Querbalken aufgelöst sein kann. Melanistische (komplett schwarze) Exemplare kommen vor, sind aber seltener als bei der Kreuzotter. Die Bauchseite ist grau bis schwärzlich, oft mit hellen Flecken durchsetzt. Die Pupillen sind vertikal geschlitzt – ein typisches Kennzeichen der Viperinae. Über den Augen liegen kräftige Supraokularschilder, die dem Kopf eine kantige, fast grimmig wirkende Erscheinung verleihen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Aspisviper erstreckt sich über weite Teile Südwesteuropas. Die Art kommt in Frankreich, der Schweiz, Italien, dem äußersten Südwesten Deutschlands (Südschwarzwald – hier extrem selten und möglicherweise erloschen), Andorra sowie im nordöstlichen Spanien vor. In den Pyrenäen und den Alpen steigt sie bis auf etwa 2.500 bis 3.000 Meter Höhe auf.
Als Habitat bevorzugt Vipera aspis trockenwarme, strukturreiche Biotope. Typische Lebensräume sind südexponierte Geröllhalden, Trockenmauern, Felsfluren, verbuschte Magerrasen, lichte Eichen- und Kastanienwälder sowie die Ränder von Weinbergen. Entscheidend ist das Vorhandensein von Sonnenplätzen und zugleich Versteckmöglichkeiten in Form von Felsspalten, Totholz oder dichter Bodenvegetation. In den Alpen besiedelt die Aspisviper bevorzugt südseitige Hänge, die im Frühling rasch schneefrei werden.
Derzeit werden vier bis fünf Unterarten anerkannt, darunter die Nominatform Vipera aspis aspis in Frankreich, Vipera aspis atra in den Westalpen, Vipera aspis francisciredi in Italien und die auf Sizilien endemische Vipera aspis hugyi.
Ernährung
Die Aspisviper ernährt sich überwiegend von Kleinsäugern, vor allem von Wühlmäusen, Spitzmäusen und jungen Ratten. Ergänzend stehen Eidechsen, bodenbrütende Vögel und deren Nestlinge sowie gelegentlich größere Insekten auf dem Speiseplan. Jungtiere fressen vorwiegend kleine Eidechsen und Heuschrecken.
Die Jagdstrategie folgt dem für Vipern typischen Lauerjäger-Prinzip: Die Schlange verharrt reglos an einem Wechsel oder Laufweg ihrer Beute, schlägt blitzschnell zu, injiziert ihr Gift und lässt das Beutetier wieder los. Anschließend verfolgt sie die Geruchsspur des verendenden Tieres mit züngelnder Zunge und dem Jacobson-Organ. Die Beute wird im Ganzen verschlungen, Kopf voran.
Verhalten & Lebensweise
Vipera aspis ist eine tagaktive Schlange, die jedoch bei sommerlicher Hitze ihre Aktivitätsphase in die Morgen- und Abendstunden verlagern kann und dann dämmerungsaktiv wird. Sie verbringt einen großen Teil des Tages mit Thermoregulation: Durch gezieltes Aufsuchen von Sonnenplätzen und Schattenrückzugsorten hält sie ihre Körpertemperatur auf einem Optimum zwischen 30 und 33 °C.
Die Art ist standorttreu und nutzt ein vergleichsweise kleines Revier von wenigen hundert Quadratmetern, das sie über Jahre beibehält. Die Winterruhe dauert je nach Höhenlage von Oktober bis März oder April. Die Schlangen überwintern einzeln oder in kleinen Gruppen in frostfreien Felsspalten oder Erdlöchern. Nach der Winterruhe sonnen sich die Tiere zunächst mehrere Tage in der Nähe ihres Winterquartiers, bevor sie in ihr Sommerhabitat abwandern.
Gegenüber dem Menschen verhält sich die Aspisviper in der Regel defensiv. Sie flieht bei Erschütterungen oder rollt sich zusammen und zischt laut. Bisse erfolgen fast ausschließlich bei versehentlichem Drauftreten oder gezieltem Anfassen. Das Gift ist ein hämotoxisch-zytotoxisches Gemisch, das Gewebeschäden verursacht und in seltenen Fällen ohne medizinische Behandlung lebensbedrohlich sein kann. Todesfälle sind bei gesunden Erwachsenen jedoch äußerst selten.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit fällt in den April und Mai, kurz nach der Winterruhe. Männchen suchen aktiv nach paarungsbereiten Weibchen und liefern sich untereinander rituelle Kommentkämpfe: Dabei winden sich zwei Rivalen umeinander und versuchen, den Gegner zu Boden zu drücken – gebissen wird dabei nicht.
Die Aspisviper ist ovovivipar, das heiß