Habu
HTierart – Reptilien > Schlangen – Giftschlangen
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Protobothrops flavoviridis
- Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
- Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
- Familie: Vipern (Viperidae)
- Unterfamilie: Grubenottern (Crotalinae)
- Gattung: Protobothrops
- Lebensraum: Subtropische Wälder, Kulturland und Siedlungsränder auf den Ryūkyū-Inseln (Japan)
- Größe: 100–150 cm, maximal bis etwa 240 cm
- Gewicht: 0,5–2,5 kg (abhängig von Alter und Geschlecht)
- Lebenserwartung: Schätzungsweise 15–25 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis über 20 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Habu ist eine kräftig gebaute Grubenotter mit einem relativ schlanken, aber muskulösen Körper. Der Kopf ist deutlich vom Hals abgesetzt, dreieckig und breit – ein typisches Merkmal der Vipern. Zwischen Auge und Nasenloch befindet sich auf jeder Kopfseite das namensgebende Grubenorgan, ein hochsensibles Infrarot-Sinnesorgan, mit dem die Schlange warmblütige Beutetiere auch in völliger Dunkelheit orten kann.
Die Grundfärbung der Schuppen variiert von hellbraun über olivgrün bis gelblich. Über den gesamten Rücken zieht sich ein Muster aus dunkelbraunen bis schwarzen, wellenförmig verlaufenden Querbändern oder Flecken, die an den Rändern heller eingefasst sein können. Die Bauchseite ist heller, meist cremefarben bis gelblich-weiß, gelegentlich mit dunklen Sprenkeln. Die gekielten Rückenschuppen verleihen der Oberfläche ein raues Erscheinungsbild. Die Augen besitzen eine vertikal geschlitzte Pupille – charakteristisch für nachtaktive Schlangenarten.
Die Giftzähne sind als lange, bewegliche Röhrenzähne (solenoglyphe Bezahnung) ausgebildet und können beim Biss nach vorne geklappt werden. Sie erreichen eine Länge von bis zu 1,5 cm.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Habu beschränkt sich auf die Ryūkyū-Inseln im südlichen Japan, insbesondere auf Okinawa, Amami-Ōshima und einige benachbarte Eilande. Auf dem japanischen Hauptarchipel kommt sie nicht vor. Ihr Habitat umfasst subtropische Lorbeerwälder, Sekundärwälder, landwirtschaftlich genutzte Flächen, steinige Hänge und Buschland. Die Schlange dringt regelmäßig in menschliche Siedlungen ein, wo sie in Gärten, Steinmauern, unter Gebäuden und in Lagerhäusern angetroffen wird. Bevorzugte Biotope bieten ausreichend Deckung in Form von Felsspalten, dichter Vegetation oder Totholz sowie eine hohe Beutetierdichte.
Es existieren mehrere verwandte Arten innerhalb der Gattung Protobothrops, darunter die Tokara-Habu (Protobothrops tokarensis) auf den Tokara-Inseln und die Okinawa-Habu (Protobothrops elegans). Diese Arten werden gelegentlich unter dem Sammelbegriff „Habu-Schlangen" zusammengefasst, unterscheiden sich jedoch in Größe, Färbung und Verbreitungsgebiet.
Ernährung
Die Habu ist ein opportunistischer Lauerjäger. Ihr Beutespektrum umfasst vor allem kleine Säugetiere wie Ratten und Mäuse, daneben Vögel, Eidechsen und Frösche. Jüngere Tiere ernähren sich verstärkt von Eidechsen und kleinen Fröschen, während ausgewachsene Exemplare bevorzugt Nagetiere erbeuten. Die Jagd erfolgt überwiegend in den Abend- und Nachtstunden. Die Schlange lauert dabei reglos an Wildwechseln oder in der Nähe von Nagetierbauten und schlägt blitzschnell zu, sobald ein Beutetier in Reichweite kommt. Nach dem Biss wird die Beute losgelassen und nach dem Einsetzen der Giftwirkung mithilfe des Geruchssinns und des Grubenorgans verfolgt und anschließend im Ganzen verschlungen.
Verhalten & Lebensweise
Die Habu ist überwiegend nachtaktiv und verbringt den Tag in Verstecken wie Felsspalten, Höhlen, unter Baumwurzeln oder in verlassenen Nagerbauten. In den kühleren Monaten kann sie gelegentlich auch tagsüber aktiv sein, um sich zu sonnen. Die Art lebt solitär und verteidigt kein festes Revier, zeigt aber eine gewisse Ortstreue zu bewährten Ruheplätzen und Jagdgebieten.
Gegenüber dem Menschen zeigt sich die Habu bei Störung oft defensiv-aggressiv. Sie nimmt eine charakteristische S-förmige Drohstellung ein und kann aus dieser Position heraus mit hoher Geschwindigkeit zubeißen. Die Reichweite des Vorstoßes kann bis zu zwei Drittel der Körperlänge betragen. Auf den dicht besiedelten Ryūkyū-Inseln kommt es jährlich zu mehreren Hundert dokumentierten Bissunfällen. Das Gift ist hämotoxisch und zytotoxisch, zerstört Gewebe und kann unbehandelt zu schweren Nekrosen, Nierenversagen und in seltenen Fällen zum Tod führen. Seit der Einführung eines wirksamen Antivenins ist die Sterblichkeitsrate allerdings stark gesunken.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit fällt in die Monate März bis Mai. Männchen suchen aktiv nach paarungsbereiten Weibchen und legen dabei teils erhebliche Strecken zurück. Kommt es zu Rivalitäten zwischen Männchen, werden ritualisierte Kommentkämpfe ausgetragen, bei denen sich die Kontrahenten umeinander winden und versuchen, den Gegner zu Boden zu drücken – gebissen wird dabei nicht.
Die Habu ist ovipar, legt also Eier. Nach einer Tragzeit von etwa vier bis fünf Wochen setzt das Weibchen zwischen 3 und 18 Eier ab, die es in feuchten, geschützten Verstecken wie