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Auster

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Tierart – Wirbellose > Weichtiere – Muscheln & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Ostreidae (Familie); bekannteste Art: Ostrea edulis (Europäische Auster)
  • Ordnung: Ostreida
  • Familie: Ostreidae (Austern im engeren Sinne) sowie Crassostreidae (u. a. Pazifische Felsenauster, Magallana gigas)
  • Lebensraum: Küstennahe Meeresgebiete, Flussmündungen, Gezeitenzonen; auf Hartsubstraten wie Felsen, Muschelschalen und künstlichen Strukturen
  • Größe: 5–20 cm Schalenlänge je nach Art; Einzelexemplare der Pazifischen Felsenauster bis über 30 cm
  • Gewicht: 50–250 g (inkl. Schale), artabhängig
  • Lebenserwartung: 6–20 Jahre; Ostrea edulis kann unter günstigen Bedingungen über 20 Jahre alt werden

Aussehen & Merkmale

Austern besitzen eine zweiteilige Kalkschale, die im Vergleich zu vielen anderen Muschelarten auffallend unregelmäßig geformt ist. Die untere (linke) Schalenklappe ist gewölbt und dient der Anheftung am Substrat, während die obere (rechte) Klappe flacher ausgebildet ist und als Deckel fungiert. Die Schalenoberfläche ist rau, häufig blättrig geschichtet und von grauweißer bis bräunlicher Färbung. Konzentrische Wachstumslinien zeichnen das Alter und die Umweltbedingungen nach.

Im Inneren der Schale liegt der Weichkörper, der aus Mantel, Kiemen, Verdauungstrakt und einem kräftigen Schließmuskel (Adduktor) besteht. Einen Fuß, wie ihn viele andere Muscheln zur Fortbewegung nutzen, besitzen adulte Austern nicht – sie leben sessil. Die Kiemen sind groß und lamellenförmig aufgebaut. Sie erfüllen eine Doppelfunktion: Gasaustausch und Nahrungsaufnahme durch Filtration. Die Innenseite der Schale ist glatt und perlmuttartig glänzend, besonders bei der Gattung Ostrea.

Lebensraum & Verbreitung

Austern der Familie Ostreidae kommen weltweit in temperierten und tropischen Küstengewässern vor. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über den Atlantik, den Pazifik, den Indischen Ozean sowie Teile des Mittelmeeres und der Nordsee. Die Europäische Auster (Ostrea edulis) war ursprünglich von Norwegen bis Marokko sowie im gesamten Mittelmeerraum heimisch. Heute ist ihr natürliches Vorkommen stark geschrumpft.

Das bevorzugte Habitat sind flache Küstenzonen mit einer Tiefe von wenigen Metern bis etwa 80 Metern. Austern besiedeln feste Untergründe – Felsbänke, Geröll, Totholz oder die Schalen anderer Muscheln. In dichten Populationen bilden sie sogenannte Austernbänke oder Austernriffe, die als eigenständiges Biotop fungieren. Diese Riffstrukturen bieten zahlreichen anderen Organismen Lebensraum, darunter Würmern, Krebstieren, kleinen Fischen und Algen. Austernriffe gelten daher als ökologische Schlüsselstrukturen im Küstenökosystem.

Estuare und Brackwasserbereiche werden ebenfalls besiedelt. Austern tolerieren einen relativ weiten Salinitätsbereich (etwa 15–35 PSU) und können kurzzeitige Aussüßung überstehen, indem sie ihre Schalen fest verschließen.

Ernährung

Austern sind Filtrierer (Suspensionsfresser). Sie erzeugen durch den Wimpernschlag der Kiemenlamellen einen kontinuierlichen Wasserstrom, der Nahrungspartikel heranführt. Aus dem einströmenden Wasser filtern sie Phytoplankton, Bakterien, Detritus und gelöste organische Stoffe. Ungeeignete Partikel werden als Pseudofäzes in Schleim gebunden ausgestoßen.

Eine einzelne Auster kann pro Tag bis zu 240 Liter Wasser filtrieren. Diese enorme Filtrationsleistung trägt erheblich zur Wasserklärung und Nährstoffregulation in Küstengewässern bei. Dichte Austernpopulationen verbessern die Wasserqualität messbar, indem sie Schwebstoffe und überschüssige Algenbiomasse reduzieren.

Verhalten & Lebensweise

Adulte Austern sind sessil – sie verbringen ihr gesamtes Leben fest an ein Substrat zementiert. Nach der Larvalphase heftet sich die junge Auster mit ihrer linken Schalenklappe dauerhaft an und gibt jede aktive Fortbewegung auf. Die einzige mechanische Aktivität besteht im Öffnen und Schließen der Schale mithilfe des Adduktormuskels.

Austern öffnen ihre Schale bei Wasserbedeckung, um zu filtrieren und zu atmen. Bei Trockenfall in der Gezeitenzone, bei Störung durch Fressfeinde oder bei ungünstigen Umweltbedingungen schließen sie die Klappen fest. In dieser geschlossenen Position können sie mehrere Tage überleben. Einen Tag-Nacht-Rhythmus im Sinne nachtaktiven oder tagaktiven Verhaltens zeigen Austern nicht; ihre Aktivität richtet sich primär nach den Gezeiten und der Wasserbedeckung.

Zu den natürlichen Fressfeinden zählen Seesterne (insbesondere Asterias rubens), Bohrschnecken, Krabben und verschiedene Seevögel wie der Austernfischer (Haematopus ostralegus).

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzungsbiologie der Austern variiert zwischen den Gattungen. Die Europäische Auster (Ostrea edulis) ist ein protandrischer Hermaphrodit – Individuen funktionieren zunächst als Männchen und wechseln im Laufe ihres Lebens mehrfach das Geschlecht, oft in Abhängigkeit von Temperatur und Ernährungszustand. Die Pazifische Felsenauster (Magallana gigas) ist ebenfalls ein wechselnder Hermaphrodit, gibt Eier und Spermien jedoch frei ins Wasser ab (externe Befruchtung).

Bei Ostrea edulis findet die Befruchtung dagegen