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Pazifische Auster

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Tierart – Wirbellose > Weichtiere – Muscheln & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Magallana gigas (Syn.: Crassostrea gigas)
  • Ordnung: Ostreida
  • Familie: Ostreidae (Austern)
  • Gattung: Magallana
  • Lebensraum: Küstengewässer, Gezeitenzonen, Flussmündungen, Brackwasserbereiche
  • Größe: 8–20 cm Schalenlänge, Einzelexemplare bis 40 cm
  • Gewicht: 50–200 g (mit Schale), je nach Alter und Standort auch schwerer
  • Lebenserwartung: 20–30 Jahre unter günstigen Bedingungen

Aussehen & Merkmale

Die Pazifische Auster besitzt eine stark unregelmäßig geformte, asymmetrische Schale, die aus zwei Klappen besteht. Die untere, linke Klappe ist tief gewölbt und dient der Anheftung am Untergrund, während die obere, rechte Klappe flacher und deckelartig ausgebildet ist. Die Schalenoberfläche ist rau, blättrig-lamellar strukturiert und oft mit scharfen Kanten versehen. Farblich variiert sie von grauweiß über bläulich-grau bis hin zu violetten Tönungen. Ältere Exemplare weisen häufig einen starken Bewuchs durch Algen, Seepocken oder andere Epibionten auf.

Der Weichkörper im Inneren der Schale besteht aus einem großen Mantel, der die Kiemen umschließt, sowie dem Schließmuskel (Adduktor), der beide Klappen zusammenhalten kann. Die Kiemen sind lamellenförmig aufgebaut und dienen gleichzeitig der Atmung und der Nahrungsaufnahme. Ein reduzierter Fuß ist vorhanden, wird aber im adulten Stadium kaum noch genutzt. Die Innenseite der Schale zeigt eine glatte, perlmuttartige Oberfläche mit einem deutlichen Muskelansatzfleck.

Lebensraum & Verbreitung

Ursprünglich stammt die Pazifische Auster aus dem westlichen Pazifik, wo sie an den Küsten Japans, Koreas, Chinas und Russlands (Sachalin) heimisch ist. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich von subtropischen bis gemäßigten Klimazonen. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die Art gezielt in zahlreiche Regionen weltweit eingeführt – zunächst nach Nordamerika (Westküste der USA und Kanada), später nach Europa, Australien, Neuseeland und Südafrika. In Europa wurde sie ab den 1960er-Jahren als Ersatz für die durch Krankheiten dezimierte Europäische Auster (Ostrea edulis) in der Aquakultur eingesetzt.

Ihr bevorzugtes Habitat sind flache Küstengewässer, Wattflächen, Flussmündungen (Ästuare) und Brackwasserzonen. Sie siedelt auf harten Substraten wie Felsen, Steinen, Muschelschalen und künstlichen Strukturen. Die Art toleriert erhebliche Schwankungen in Salzgehalt (10–35 ‰) und Wassertemperatur (−1,8 bis über 35 °C), was ihre hohe Anpassungsfähigkeit und invasive Ausbreitung erklärt. In der Nordsee, etwa im deutschen und niederländischen Wattenmeer, haben sich mittlerweile ausgedehnte Wildbestände etabliert, die teilweise die nativen Miesmuschelbänke überlagern und eigenständige Riffstrukturen bilden.

Ernährung

Die Pazifische Auster ist ein Filtrierer (Suspensionsfresser). Sie entnimmt dem umgebenden Wasser Nahrungspartikel, indem sie einen kontinuierlichen Wasserstrom durch ihre Kiemen leitet. Pro Stunde kann ein einzelnes Tier bis zu fünf Liter Wasser filtrieren. Die Nahrung besteht vorwiegend aus Phytoplankton (Kieselalgen, Dinoflagellaten), Bakterien, organischem Detritus und feinen Schwebstoffen. Mithilfe von Schleim, der auf der Kiemenoberfläche gebildet wird, werden geeignete Partikel gebunden und über Wimpernbänder zum Mund transportiert. Ungeeignete oder zu große Partikel werden als sogenannte Pseudofaeces wieder ausgestoßen, ohne den Verdauungstrakt zu passieren.

Verhalten & Lebensweise

Adulte Pazifische Austern sind sessil, das heißt, sie leben ortsfest am Substrat angeheftet. Eine aktive Fortbewegung findet nicht statt. Die Tiere können ihre Schalen bei Trockenfallen während der Ebbe fest verschließen und so mehrere Stunden bis Tage außerhalb des Wassers überleben. Diese Fähigkeit prädestiniert sie für das Leben in der Gezeitenzone (Eulitoral).

Die Filtrationsaktivität folgt einem Rhythmus, der von Gezeiten, Wassertemperatur und Nahrungsangebot beeinflusst wird. Bei niedrigen Temperaturen unter etwa 3 °C stellen die Tiere die Filtration weitgehend ein und befinden sich in einer Art Ruhephase. Pazifische Austern bilden häufig dichte Aggregate und Riffe, die als Hartsubstrat für zahlreiche andere Organismen dienen – darunter Algen, Seepocken, Polychaeten und kleine Krebstiere. Diese biogenen Riffe fungieren als eigenständige Biotope und steigern die lokale Biodiversität erheblich.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Pazifische Auster ist ein protandrischer Hermaphrodit: Die meisten Individuen entwickeln sich zunächst als Männchen und wechseln im Laufe ihres Lebens – häufig ab dem zweiten oder dritten Lebensjahr – zum weiblichen Geschlecht. Ein Rückwechsel ist möglich und wird durch Umweltfaktoren wie Nahrungsangebot und Temperatur gesteuert.

Die Fortpflanzung erfolgt durch externe Befruchtung. Ab einer Wassertemperatur von etwa 18–20 °C geben die Tiere ihre Geschlechtsprodukte (Eier und Spermien) ins freie Wasser ab. Ein einzelnes Weibchen kann pro Laichsaison 50 bis über 100 Millionen Eier produzieren. Aus den befruchteten Eiern schlüpfen frei schwimmende Larven (Veliger-Larven), die über einen Zeitraum von zwei bis vier Wochen im Plankton treiben. Während dieser Phase durchlaufen sie mehrere Entwicklungsstadien und bilden eine erste Kalkschale aus. Am Ende der Larvalphase sucht die sogenannte Pediveliger-Larve mithilfe eines kleinen