Miesmuschel
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Mytilus edulis
- Ordnung: Mytilida
- Familie: Mytilidae (Miesmuscheln)
- Gattung: Mytilus
- Lebensraum: Küstengewässer, Gezeitenzonen, Felsen, Hafenmauern, Muschelbänke
- Größe: 5–10 cm Schalenlänge, selten bis 15 cm
- Gewicht: 10–30 g (mit Schale)
- Lebenserwartung: 10–18 Jahre, unter günstigen Bedingungen bis 24 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Miesmuschel besitzt eine zweiklappige, gleichseitige Schale von länglich-dreieckiger bis tropfenförmiger Gestalt. Die Schalenoberfläche zeigt eine blau-schwarze bis dunkelbraune Färbung, wobei jüngere Exemplare häufig eine hellere, teils violett schimmernde Tönung aufweisen. Die Innenseite der Klappen ist mit einer Perlmuttschicht (Hypostracum) ausgekleidet, die bläulich-weiß glänzt. Die äußere Schalenschicht (Periostracum) besteht aus einer dünnen organischen Hornschicht, unter der sich die prismatische Kalkschicht (Ostracum) befindet.
Der Weichkörper der Muschel ist orange bis gelblich gefärbt und umfasst den Mantel, der die Innenseite beider Klappen auskleidet, sowie die großen Kiemen, die gleichzeitig als Atmungs- und Filtrationsorgane dienen. Ein deutlich ausgeprägter Fuß an der Unterseite des Tieres dient der Fortbewegung und der Produktion der sogenannten Byssusfäden – extrem reißfester Proteinfäden, mit denen sich die Muschel an Felsen, Holz oder anderen Substraten verankert. Zwei kräftige Schließmuskeln (Adduktoren) halten die Schale bei Gefahr fest verschlossen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Mytilus edulis erstreckt sich über weite Teile des Nordatlantiks. Die Art besiedelt die Küsten Europas von der Barentssee bis zur Iberischen Halbinsel, einschließlich der Nord- und Ostsee sowie des Mittelmeers. An der nordamerikanischen Atlantikküste reicht das Habitat von Labrador bis North Carolina. Durch Schiffsverkehr und Aquakultur wurde die Art zudem in andere Regionen verschleppt.
Das bevorzugte Biotop der Miesmuschel liegt in der Gezeitenzone (Eulitoral) und der oberen Sublitoralzone. Die Tiere besiedeln Hartsubstrate wie Felsküsten, Molen, Buhnen, Bojen und Schiffsrümpfe. Auf Weichböden im Wattenmeer bilden sie ausgedehnte Muschelbänke, die als eigenständige Biotoptypen mit hoher ökologischer Bedeutung gelten. Diese Bänke bieten zahlreichen anderen Organismen – darunter Seepocken, Algen, Würmern und Krebstieren – Lebensraum und Schutz. Miesmuscheln tolerieren Salzgehalte von etwa 4 bis 35 Promille und sind damit euryhalin. Sie ertragen zudem kurzzeitiges Trockenfallen, Temperaturen zwischen –2 und 29 °C sowie moderate Verschmutzungen.
Ernährung
Miesmuscheln sind sessile Filtrierer (Suspensionsfresser). Sie erzeugen durch den Schlag ihrer Kiemencilien einen kontinuierlichen Wasserstrom, der durch die Einströmöffnung (inhalante Siphonöffnung) in den Mantelraum gelangt. Dabei filtern sie Phytoplankton, Bakterien, Detritus und organische Schwebstoffe aus dem Wasser. Ein einzelnes Tier kann pro Stunde bis zu 1,5 Liter Wasser filtrieren. Unverdauliche Partikel werden als Pseudofäzes abgesondert, bevor sie den Verdauungstrakt erreichen, während verwertbare Nahrung über die Mundlappen zum Mund geleitet wird. Durch diese enorme Filtrationsleistung tragen dichte Muschelpopulationen erheblich zur Klärung und Nährstoffregulation des Wassers in Küstenökosystemen bei.
Verhalten & Lebensweise
Miesmuscheln leben gesellig in dichten Aggregationen. Einen Tag-Nacht-Rhythmus im engeren Sinne zeigen sie nicht, ihre Filtriertätigkeit orientiert sich jedoch am Gezeitenrhythmus: Bei Niedrigwasser schließen die Tiere ihre Schalen und reduzieren den Stoffwechsel. Sobald sie wieder von Wasser umspült werden, öffnen sie die Klappen und nehmen die Nahrungsaufnahme auf.
Obwohl Miesmuscheln als sessil gelten, sind sie nicht völlig ortsgebunden. Mithilfe ihres Fußes können sie sich langsam über das Substrat bewegen und ihre Position innerhalb der Muschelbank verändern. Durch gezieltes Lösen und Neuanheften der Byssusfäden passen sie ihren Standort an veränderte Umweltbedingungen an. Bei Bedrohung durch Fressfeinde – darunter Seesterne, Strandkrabben, Austernfischer und Eiderenten – schließen die Muscheln ihre Schalen. Seesterne überwinden diesen Schutz, indem sie mit ihren Armen einen dauerhaften Zug auf die Klappen ausüben, bis der Schließmuskel erschlafft.
Fortpflanzung & Aufzucht
Miesmuscheln sind getrenntgeschlechtlich, wobei das Geschlecht äußerlich nicht erkennbar ist. Die Geschlechtsreife tritt im Alter von ein bis zwei Jahren ein. Die Fortpflanzung erfolgt durch Abgabe von Ei- und Samenzellen ins freie Wasser (Freilaicher). In der Nordsee liegt die Laichzeit hauptsächlich zwischen April und Juni, kann sich aber je nach Region und Wassertemperatur verschieben. Ein einzelnes Weibchen setzt pro Saison zwischen fünf und zwölf Millionen Eier frei.
Die Befruchtung findet im offenen Wasser statt. Aus den befruchteten Eiern entwickeln sich zunächst frei schwimmende Trochophora-Larven, die sich innerhalb weniger Tage zu Veliger-Larven (auch Segellarvenstadium genannt) weiterentwickeln. Diese planktonisch lebenden Larvenstadien treiben drei bis fünf Wochen im Wasser, bevor sie als sogenannte Pediveliger das Bodenstadium erreichen. Die Jungmuscheln heften sich