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Jakobsmuschel

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Tierart – Wirbellose > Weichtiere – Muscheln & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Pecten maximus (Große Pilgermuschel)
  • Ordnung: Pectinida
  • Familie: Pectinidae (Kammmuscheln)
  • Gattung: Pecten
  • Lebensraum: Sandige und kiesige Meeresböden des Nordostatlantiks und des Mittelmeers
  • Größe: Bis zu 15 cm Schalendurchmesser, selten bis 17 cm
  • Gewicht: 100–200 g (Gesamtgewicht mit Schale)
  • Lebenserwartung: Bis zu 20 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Jakobsmuschel besitzt eine auffällig asymmetrische Doppelschale. Die untere (rechte) Schalenklappe ist gewölbt und hell bis weißlich gefärbt, während die obere (linke) Klappe flach bis leicht konkav ausfällt und eine rötlich-braune bis violette Färbung zeigt. Beide Klappen tragen 15 bis 17 kräftige, radial verlaufende Rippen, die der Schale ihre charakteristische, fächerartige Struktur verleihen. Am Schalenrand befinden sich beidseitig dreieckige, flügelartige Fortsätze – die sogenannten Ohren –, die ein Erkennungsmerkmal aller Kammmuscheln darstellen.

Der Weichkörper im Inneren besteht aus dem großen, zylindrischen Schließmuskel (Adduktor), dem orangefarbenen bis korallenroten Rogen (Gonade) und dem umgebenden Mantelgewebe. Der Mantelrand ist mit zahlreichen kurzen Tentakeln besetzt, zwischen denen sich bis zu 100 einfache Punktaugen befinden. Diese Augen besitzen einen konkaven Spiegel aus Guaninkristallen, der Licht auf die Netzhaut reflektiert – ein im Tierreich einzigartiges optisches Prinzip, das an ein Spiegelteleskop erinnert.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Pecten maximus erstreckt sich entlang der europäischen Atlantikküste von Nordnorwegen bis zur Iberischen Halbinsel und umfasst Teile des westlichen Mittelmeers. Besonders hohe Populationsdichten finden sich vor der Küste der Bretagne, um die Britischen Inseln, vor Schottland und entlang der norwegischen Küste.

Als Habitat bevorzugt die Jakobsmuschel sandige, kiesige oder leicht schlammige Böden in Tiefen zwischen 10 und 200 Metern. Jungmuscheln siedeln häufig in flacheren Zonen auf Seegraswiesen oder zwischen Algenbeständen, wo sie Schutz vor Fressfeinden finden. Adulte Tiere leben halbvergraben im Sediment, wobei die flache obere Schalenklappe nach oben weist und oft mit Aufwuchs aus Algen, Seepocken oder Moostierchen bedeckt ist – eine passive Tarnung, die das Biotop des umliegenden Meeresbodens imitiert.

Neben der Großen Pilgermuschel kommen in europäischen Gewässern weitere verwandte Arten vor, darunter die Mittelmeer-Pilgermuschel (Pecten jacobaeus), die Bunte Kammmuschel (Chlamys varia) und die Islandmuschel (Chlamys islandica). In Nordamerika wird die atlantische Tiefseekammmuschel (Placopecten magellanicus) wirtschaftlich genutzt.

Ernährung

Jakobsmuscheln sind Filtrierer. Sie erzeugen durch rhythmisches Schlagen der Kiemencilien einen Wasserstrom, der durch die leicht geöffneten Schalenklappen geleitet wird. Die Kiemen fungieren dabei gleichzeitig als Atmungs- und Nahrungsaufnahmeorgan. Mikroskopische Nahrungspartikel – vor allem Phytoplankton wie Kieselalgen (Diatomeen), Dinoflagellaten und organischer Detritus – werden an Schleimfäden gebunden und über Wimpernbänder zur Mundöffnung transportiert. Ungeeignete Partikel werden als Pseudofäzes abgestoßen. Eine ausgewachsene Jakobsmuschel kann pro Stunde mehrere Liter Wasser filtrieren und trägt damit zur Klärung des Wassers in ihrem Lebensraum bei.

Verhalten & Lebensweise

Im Unterschied zu den meisten anderen Muschelarten sind Jakobsmuscheln nicht sessil, sondern zu aktiver Fortbewegung fähig. Bei Bedrohung – etwa durch Annäherung eines Seesterns der Gattung Asterias – klappen die Tiere ihre Schalen ruckartig zusammen und stoßen dabei Wasserstrahlen aus. Dieser Rückstoß ermöglicht eine schwimmende Fluchtbewegung in zickzackförmigen Bahnen über mehrere Meter. Die Auslösung dieser Fluchtreaktion erfolgt über chemische Reize, die von den Tentakeln des Mantelrands wahrgenommen werden, sowie über visuelle Signale der zahlreichen Augen.

Jakobsmuscheln zeigen keine ausgeprägten Tag-Nacht-Rhythmen, sind jedoch bei der Nahrungsaufnahme von Licht und Strömungsverhältnissen abhängig. Sie leben solitär und bilden keine Kolonien, können aber in günstigen Habitaten in hohen Dichten auftreten – sogenannte Muschelbänke oder Scallop Beds. Ein Revierverhalten existiert nicht.

Fortpflanzung & Aufzucht

Jakobsmuscheln sind funktionelle Zwitter (simultane Hermaphroditen). Jedes Tier bildet sowohl Eizellen als auch Spermien, wobei die Geschlechtsprodukte in einer zweigeteilten Gonade reifen: Der weiße Bereich produziert Spermien, der orange-rote Abschnitt enthält die Eizellen. Die Laichzeit fällt in europäischen Gewässern je nach Region in die Monate April bis September.

Die Befruchtung erfolgt extern. Ausgelöst durch Temperaturanstieg und Planktonblüten geben die Tiere Eier und Spermien ins freie Wasser ab. Ein einzelnes Individuum kann pro Laichsaison mehrere Millionen Eizellen freisetzen. Aus den befruchteten Eiern entwickeln sich zunächst frei schwimmende Trochophora-Larven, die sich innerhalb weniger Tage zu Veliger-Larven mit einer ersten Kalkschale weiterentwickeln. Nach zwei bis vier Wochen im Plankton setzt sich die Larve auf einem geeigneten Substrat fest (Settlement) und durchläuft die Metamorphose zur