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Herzmuschel

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Tierart – Wirbellose > Weichtiere – Muscheln & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Cerastoderma edule (Gemeine Herzmuschel)
  • Ordnung: Veneroida (Venusmuschelartige)
  • Familie: Cardiidae (Herzmuscheln)
  • Gattung: Cerastoderma
  • Lebensraum: Sandige und schlickige Gezeitenzonen, Flussmündungen, Lagunen
  • Größe: 3–5 cm Schalenlänge, selten bis 6 cm
  • Gewicht: 10–30 g (mit Schale)
  • Lebenserwartung: 5–10 Jahre, unter günstigen Bedingungen bis zu 15 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Name Herzmuschel leitet sich von der charakteristischen Schalenform ab: Betrachtet man die beiden geschlossenen Klappen von der Seite, ergibt sich ein deutlich herzförmiger Umriss. Die Schale ist kräftig gewölbt, annähernd gleichklappig und trägt 22 bis 28 ausgeprägte radiale Rippen, die von der Wirbelregion (Umbo) zum Schalenrand verlaufen. Diese Rippen verleihen der Oberfläche eine geriffelte Struktur und dienen zugleich der Stabilität.

Die Schalenfarbe variiert von gelblich-weiß über bräunlich bis grau. Ältere Exemplare weisen häufig konzentrische Wachstumsringe auf, anhand derer sich das ungefähre Alter bestimmen lässt. Die Innenseite der Schale ist glatt und weißlich, am Rand oft leicht gezähnt. Wie alle Muscheln (Bivalvia) besitzt die Herzmuschel kein Gehäuse im eigentlichen Sinne, sondern zwei durch ein elastisches Schlossband (Ligament) verbundene Kalkklappen. Zwei kräftige Schließmuskeln (Adduktoren) halten die Schale geschlossen.

Der Weichkörper umfasst einen muskulösen Fuß, zwei Paar Kiemen (Ctenidien), die gleichzeitig der Atmung und der Nahrungsaufnahme dienen, sowie zwei kurze Siphonen – eine Einström- und eine Ausströmröhre. Im Unterschied zu vielen anderen grabenden Muscheln sind die Siphonen der Herzmuschel auffallend kurz, weshalb das Tier nur knapp unter der Sedimentoberfläche lebt.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Gemeinen Herzmuschel erstreckt sich entlang der europäischen Atlantikküste von Norwegen bis nach Westafrika. Auch in der Nordsee, der westlichen Ostsee, im Mittelmeer und im Schwarzen Meer kommt sie vor. Im Wattenmeer der Nordsee zählt sie zu den häufigsten und ökologisch bedeutsamsten Muschelarten.

Das bevorzugte Habitat sind sandige bis schlickig-sandige Böden in der Gezeitenzone (Eulitoral) sowie im flachen Sublitoral bis in etwa 10 Meter Wassertiefe. Herzmuscheln tolerieren Schwankungen im Salzgehalt gut und besiedeln daher auch Brackwasserbereiche wie Ästuare und Lagunen. In besonders günstigen Biotopen – etwa auf den Wattflächen vor der Nordseeküste – können sie Siedlungsdichten von mehreren tausend Individuen pro Quadratmeter erreichen.

Neben der Gemeinen Herzmuschel (Cerastoderma edule) existieren weltweit über 200 weitere Arten innerhalb der Familie Cardiidae. Eine verwandte Art in europäischen Gewässern ist die Brackwasser-Herzmuschel (Cerastoderma glaucum), die stärker an niedrige Salzgehalte angepasst ist und vor allem in abgeschlossenen Küstengewässern vorkommt.

Ernährung

Herzmuscheln sind Filtrierer (Suspensionsfresser). Sie strudeln über ihre Einstromöffnung Wasser in den Mantelraum, wo die Kiemen als Filterapparat fungieren. Mikroskopisch kleine Nahrungspartikel – vor allem Phytoplankton, Bakterien und Detritus – werden an einem Schleimfilm aufgefangen und über Wimpernbänder (Cilien) zur Mundöffnung transportiert. Unverwertbare Partikel werden als Pseudofäzes wieder ausgestoßen.

Ein einzelnes Tier kann mehrere Liter Wasser pro Stunde filtrieren. Durch diese Filterleistung spielen Herzmuschelpopulationen eine erhebliche Rolle im Nährstoffkreislauf und in der Wasserqualität ihres Lebensraums. In dicht besiedelten Wattflächen tragen sie maßgeblich zur Klärung des Wassers bei.

Verhalten & Lebensweise

Herzmuscheln leben eingegraben im Sediment, meist nur wenige Zentimeter unter der Oberfläche. Die kurzen Siphonen ragen gerade eben an die Sedimentoberfläche, um Wasser ein- und auszuleiten. Bei Bedrohung – etwa durch grabende Fressfeinde – können Herzmuscheln mit ihrem kräftigen Fuß ruckartige Sprungbewegungen ausführen, um sich umzulagern oder Räubern zu entkommen. Dieses Verhalten unterscheidet sie von vielen anderen sedentären Muschelarten.

Die Aktivität der Herzmuschel ist stark von den Gezeiten abhängig. Bei Überflutung öffnet sie ihre Klappen und filtriert; bei Trockenfallen schließt sie die Schale fest und kann mehrere Stunden ohne Wasserbedeckung überdauern. Auch Temperaturschwankungen und kurzzeitiges Einfrieren im Winter überstehen die Tiere dank ihrer robusten Physiologie.

Zu den wichtigsten Fressfeinden gehören Austernfischer, Eiderenten, Silbermöwen, Strandkrabben, Seesterne und verschiedene Plattfischarten. Im Wattenmeer bildet die Herzmuschel eine zentrale Nahrungsressource für zahlreiche Vogelarten, insbesondere während der Zugzeiten.

Fortpflanzung & Aufzucht

Herzmuscheln sind getrenntgeschlechtlich. Die Fortpflanzung erfolgt durch äußere Befruchtung: Zwischen Frühsommer und Spätsommer geben die Tiere Eizellen und Spermien ins freie Wasser ab. Ein einziges Weibchen kann dabei mehrere hunderttausend Eier produzieren. Die Befruchtung ist stark von der Populationsdichte abhängig, da Ei- und Samenzellen im offenen Wasser aufeinandertreffen müssen.

Aus den befruchteten Eiern entwickeln sich zunächst frei schwimmende Larven