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Flussperlmuschel

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Tierart – Wirbellose > Weichtiere – Muscheln & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Margaritifera margaritifera
  • Ordnung: Unionida (Flussmuscheln)
  • Familie: Margaritiferidae (Flussperlmuscheln)
  • Gattung: Margaritifera
  • Lebensraum: Klare, sauerstoffreiche, kalkarme Fließgewässer der Holarktis
  • Größe: 10–15 cm Schalenlänge, selten bis 16 cm
  • Gewicht: 50–80 g (ausgewachsene Exemplare)
  • Lebenserwartung: Bis über 100 Jahre, in Einzelfällen bis 280 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Flussperlmuschel besitzt eine länglich-nierenförmige Schale, die bei adulten Tieren dunkelbraun bis schwarz gefärbt ist. Junge Exemplare zeigen dagegen eine hellere, gelbbraune Färbung. Die Schalenoberfläche ist von konzentrischen Zuwachsstreifen geprägt, die bei älteren Tieren stark erodiert sein können – insbesondere im Bereich des Wirbels (Umbo). Die Innenseite der Schale ist mit einer dicken Perlmuttschicht ausgekleidet, die je nach Gewässerchemie weiß, bläulich oder leicht rosafarben schimmert.

Im Vergleich zu anderen heimischen Großmuscheln wie der Gemeinen Teichmuschel (Anodonta anatina) oder der Malermuschel (Unio pictorum) ist die Schale der Flussperlmuschel deutlich dicker und schwerer. Das Schloss weist ein bis zwei stummelförmige Pseudokardinalzähne auf, jedoch keine ausgeprägten Seitenzähne – ein Unterscheidungsmerkmal zur Familie der Unionidae. Der Weichkörper besteht aus Fuß, Mantel, Kiemen und Eingeweidesack. Die beiden paarigen Kiemenblätter dienen gleichzeitig der Atmung, der Nahrungsaufnahme und – bei Weibchen – als Brutraum (Marsupium) für die Larven.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Flussperlmuschel erstreckt sich über die gesamte Holarktis. In Europa reicht es von Nordspanien über Frankreich, die Britischen Inseln, Skandinavien und das Baltikum bis nach Nordwestrussland. In Mitteleuropa kommt die Art vor allem in den Mittelgebirgen Bayerns, Sachsens, Tschechiens und Österreichs vor. In Nordamerika besiedelt sie Gewässer im Nordosten der USA und in Kanada.

Das bevorzugte Habitat sind oligotrophe bis mesotrophe Fließgewässer mit sandig-kiesigem Substrat. Die Muscheln graben sich mit dem muskulösen Fuß in den Gewässergrund ein, sodass nur das hintere Schalenende mit den Ein- und Ausströmöffnungen (Siphonen) aus dem Sediment ragt. Entscheidend für das Vorkommen sind eine geringe Nährstoffbelastung, ein niedriger Kalkgehalt, ausreichende Sauerstoffsättigung und ein stabiles, durchlässiges Lückensystem im Bachbett (hyporheisches Interstitial). Genau dieses Biotop ist in Mitteleuropa durch Gewässerverbau, Eutrophierung und Feinsedimenteintrag selten geworden.

Ernährung

Flussperlmuscheln sind Filtrierer. Sie erzeugen mit den Wimpern (Cilien) auf ihren Kiemen einen kontinuierlichen Wasserstrom und filtern dabei organische Schwebstoffe, Algen, Bakterien und feine Detritus-Partikel aus dem Wasser. Ein einzelnes adultes Tier kann pro Tag etwa 40 bis 50 Liter Wasser filtrieren. Durch diese Filtrationsleistung tragen dichte Muschelbestände erheblich zur Wasserreinigung und zur Nährstoffdynamik ihres Gewässers bei. Juvenile Muscheln, die tief im Interstitial des Bachbetts leben, ernähren sich überwiegend von Biofilmen und feinstem organischem Material im Sediment.

Verhalten & Lebensweise

Die Flussperlmuschel ist ein ausgesprochen ortstreues Tier. Adulte Exemplare verbleiben oft jahrzehntelang an derselben Stelle im Gewässergrund. Aktive Fortbewegung mittels des Fußes ist möglich, findet aber nur selten und über kurze Distanzen statt – etwa als Reaktion auf veränderte Strömungsverhältnisse oder sinkende Wasserstände. Einen Tag-Nacht-Rhythmus im eigentlichen Sinne zeigt die Art nicht; die Filtration erfolgt weitgehend kontinuierlich. Bei Störungen – etwa durch Erschütterungen oder plötzliche Veränderungen der Wasserqualität – schließen die Tiere reflexartig ihre Schalen.

Flussperlmuscheln leben häufig in lockeren Aggregationen, sogenannten Muschelbänken. Solche Kolonien können historisch Tausende von Individuen umfasst haben. Die Muscheln bilden keine sozialen Strukturen im engeren Sinne, profitieren aber von der gemeinsamen Substratfestigung und der lokal erhöhten Larvendichte, die den Fortpflanzungserfolg steigert.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Geschlechtsreife tritt je nach Wachstumsbedingungen erst im Alter von 12 bis 20 Jahren ein. Die Art ist in der Regel getrenntgeschlechtlich, wobei die Geschlechter äußerlich kaum unterscheidbar sind. Die Fortpflanzungsperiode beginnt im Hochsommer. Männchen geben ihre Spermien ins freie Wasser ab, wo sie von den Weibchen über den Atemwasserstrom aufgenommen werden. Die befruchteten Eier entwickeln sich in den Kiemen des Weibchens zu Larven, den sogenannten Glochidien.

Im Spätsommer bis Frühherbst werden die Glochidien – bis zu mehrere Millionen pro Weibchen – ins Wasser abgegeben. Diese nur etwa 0,05 mm großen Larven sind obligate Parasiten: Sie müssen sich an den Kiemen eines geeigneten Wirtsfisches festsetzen, um ihre Metamorphose zur Jungmuschel zu vollziehen. Der primäre Wirtsfisch in Europa ist die Bachforelle (Salmo trutta), in einigen Regionen auch der Atlantische Lachs (Salmo salar). Die Glochidien werden vom Kiemengewebe des Fisches umschlossen und ernähren sich dort über mehrere Monate. Im folgenden Frühjahr lösen sich die etwa 0,5 mm großen Jungmuscheln vom Wirt und lassen sich ins Substrat des Bachbetts fallen. In den