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Auwaldzecke

A

Tierart – Spinnentiere > Sonstige Spinnentiere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Dermacentor reticulatus
  • Ordnung: Zecken (Ixodida)
  • Überordnung: Parasitiformes
  • Familie: Schildzecken (Ixodidae)
  • Gattung: Dermacentor
  • Lebensraum: Auenwälder, Feuchtwiesen, Flussniederungen, Waldränder
  • Größe: 3–5 mm (nüchtern), bis 15 mm (vollgesogen)
  • Gewicht: ca. 2–5 mg (nüchtern), bis 600 mg (vollgesogen)
  • Lebenserwartung: ca. 4–6 Jahre (gesamter Entwicklungszyklus)

Aussehen & Merkmale

Die Auwaldzecke unterscheidet sich optisch deutlich vom weit verbreiteten Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus). Ihr auffälligstes Merkmal ist das marmorierte Rückenschild (Scutum) der Adulttiere, das ein helles, ornamentartiges Muster auf dunklem Grund zeigt. Dieses Muster hat der Art auch den englischen Namen „ornate dog tick" eingebracht. Die Grundfärbung des Körpers variiert zwischen braun und rotbraun.

Wie alle Schildzecken besitzt Dermacentor reticulatus ein chitinöses Rückenschild, das beim Männchen den gesamten Rücken bedeckt, beim Weibchen hingegen nur den vorderen Teil. Dadurch kann das Weibchen seinen Hinterleib beim Saugakt erheblich ausdehnen und erreicht vollgesogen eine Körperlänge von bis zu 15 mm. Das Capitulum (Mundwerkzeugapparat) ist im Vergleich zum Holzbock kürzer und breiter. Die Hypostomzähne, mit denen sich die Zecke in der Wirtshaut verankert, sind kräftig ausgebildet. Adulte Tiere besitzen wie alle Zecken vier Beinpaare, während Larven nur drei Beinpaare aufweisen.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal gegenüber Ixodes ricinus sind die deutlich sichtbaren Augen am Schildrand sowie die sogenannten Festons – lappenförmige Einkerbungen am Hinterrand des Körpers.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Auwaldzecke erstreckt sich von Westeuropa über Mitteleuropa bis nach Zentralasien. In Deutschland war die Art lange Zeit vor allem in südlichen und östlichen Regionen verbreitet, insbesondere in den Flussauen von Rhein, Donau, Elbe und Oder. Seit den 2000er-Jahren breitet sich Dermacentor reticulatus jedoch zunehmend nach Norden und Westen aus. Inzwischen existieren stabile Populationen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und den Niederlanden.

Das bevorzugte Habitat sind feuchte, offene bis halboffene Biotope: Auenwälder, Überschwemmungswiesen, Brachflächen, Flussniederungen und Waldränder. Anders als der Holzbock, der geschlossene Wälder besiedelt, bevorzugt die Auwaldzecke Standorte mit hoher Luftfeuchtigkeit und dichter Krautschicht, aber gleichzeitig ausreichend Sonneneinstrahlung. Auch auf extensiv genutzten Weideflächen und in Stadtrandgebieten, etwa in Parks entlang von Flussläufen, kommt sie vor.

Die Ausbreitung der Art wird mit dem Klimawandel, veränderten Landnutzungsformen und der Zunahme von Wildtierpopulationen – insbesondere von Rehen und Wildschweinen – in Verbindung gebracht.

Ernährung

Die Auwaldzecke ist ein obligater Ektoparasit und ernährt sich ausschließlich von Blut. Sie gehört zu den dreiwirtigen Zecken: Jedes der drei aktiven Entwicklungsstadien – Larve, Nymphe und Adulttier – befällt einen eigenen Wirt, saugt Blut und lässt sich anschließend wieder fallen.

Larven und Nymphen bevorzugen Kleinsäuger wie Wühlmäuse, Feldmäuse und Igel als Wirte. Adulte Auwaldzecken parasitieren dagegen an größeren Säugetieren: Rehe, Wildschweine, Füchse und Hunde zählen zu den häufigsten Wirten. Auch der Mensch kann als Gelegenheitswirt befallen werden, wenngleich dies seltener vorkommt als beim Holzbock. Der Saugvorgang dauert bei erwachsenen Weibchen etwa 7 bis 14 Tage.

Verhalten & Lebensweise

Die Aktivitätsperiode der Auwaldzecke weist ein zweigeteiltes saisonales Muster auf. Adulte Tiere sind vor allem im Spätwinter und Frühjahr (Februar bis Mai) sowie im Herbst (September bis November) aktiv. Damit unterscheidet sich die Art grundlegend vom Holzbock, dessen Aktivitätsmaximum im Sommer liegt. Die Auwaldzecke toleriert deutlich niedrigere Temperaturen und ist bereits ab etwa 4 °C aktiv – selbst an milden Wintertagen können wirtssuchende Individuen angetroffen werden.

Die Wirtsfindung erfolgt über das sogenannte Lauern (Questing): Die Zecke klettert auf niedrige Vegetation und wartet mit ausgestreckten Vorderbeinen auf einen vorbeikommenden Wirt. Dabei reagiert sie auf Körperwärme, CO₂-Konzentrationen und Erschütterungen. Im Gegensatz zu manchen anderen Dermacentor-Arten zeigt D. reticulatus jedoch auch aktive Fortbewegung auf offenen Flächen und kann Wirte über kurze Distanzen gezielt anlaufen – ein Verhalten, das bei Ixodes ricinus nicht beobachtet wird.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarung erfolgt häufig auf dem Wirt. Nach dem vollendeten Saugakt lässt sich das befruchtete Weibchen vom Wirt fallen und sucht am Boden eine geschützte Stelle unter Laub oder Moos auf. Dort legt es innerhalb weniger Wochen ein einzelnes Gelege von 3.000 bis 7.000 Eiern ab, das von einer wachsartigen Schutzschicht (dem Sekret der Gene'schen Organe) umhüllt wird. Nach der Eiablage stirbt das Weibchen.

Aus den Eiern schlüpfen nach vier bis