Grabmilbe
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Sarcoptes scabiei
- Ordnung: Sarcoptiformes (Trombidiformes nach älterer Systematik)
- Familie: Sarcoptidae (Grabmilben)
- Gattung: Sarcoptes
- Lebensraum: Obligat parasitisch in der Haut warmblütiger Wirtstiere und des Menschen
- Größe: 0,2–0,5 mm (Weibchen größer als Männchen)
- Gewicht: Nicht messbar (mikroskopisch klein)
- Lebenserwartung: 4–6 Wochen im Wirt; außerhalb des Wirtes wenige Tage überlebensfähig
Aussehen & Merkmale
Die Grabmilbe gehört zu den Spinnentieren (Arachnida) und besitzt wie alle Milben im adulten Stadium acht Beine. Der Körper ist rundlich-oval, dorsoventral abgeflacht und von weißlicher bis gelblich-transparenter Farbe. Eine Trennung in Kopf, Brust und Hinterleib fehlt – der Körper bildet eine einheitliche, unsegmentierte Masse, das sogenannte Idiosoma. Am vorderen Ende sitzt das Gnathosoma, das die Mundwerkzeuge trägt. Diese bestehen aus kräftigen Cheliceren, die zum Anschneiden und Auflösen von Hautgewebe dienen.
Die Körperoberfläche ist nicht glatt, sondern weist auf der Dorsalseite zahlreiche parallele Rillen, Dornen und schuppenartige Erhebungen auf. Diese Strukturen erleichtern der Milbe das Vorwärtsbewegen in den selbst gegrabenen Tunneln innerhalb der Haut. Die Beine sind kurz und stummelartig. Bei den Weibchen tragen das erste und zweite Beinpaar gestielte Haftscheiben (Ambulakren), während das dritte und vierte Beinpaar in langen Borsten endet. Diese Anordnung unterscheidet sich bei den Männchen geringfügig.
Lebensraum & Verbreitung
Die Grabmilbe Sarcoptes scabiei ist weltweit verbreitet und kommt auf allen Kontinenten vor. Ihr Habitat ist ausschließlich die lebende Haut von Säugetieren. Beim Menschen bevorzugt sie Körperstellen mit dünner Hornschicht und erhöhter Feuchtigkeit: Fingerzwischenräume, Handgelenke, Ellenbogen, Achselhöhlen, Genitalbereich und die Areale um den Bauchnabel. Bei Säuglingen und Kleinkindern können auch Kopfhaut, Gesicht und Fußsohlen befallen sein.
Das Verbreitungsgebiet kennt keine klimatischen Grenzen. Grabmilben treten in tropischen Regionen ebenso auf wie in gemäßigten und kalten Zonen. Allerdings kommt es in Gebieten mit hoher Bevölkerungsdichte, mangelnder Hygiene und eingeschränktem Zugang zu medizinischer Versorgung häufiger zu Massenausbrüchen. Verschiedene Unterarten oder Varianten von Sarcoptes scabiei befallen spezifische Wirtstierarten: S. scabiei var. canis parasitiert Hunde, S. scabiei var. suis Schweine und S. scabiei var. hominis den Menschen. Ein Wirtswechsel ist möglich, führt beim „falschen" Wirt aber meist nur zu kurzfristigen Symptomen, da sich die Milben dort nicht dauerhaft vermehren können.
Ernährung
Grabmilben ernähren sich von Zellflüssigkeit und aufgelöstem Gewebe der Epidermis ihres Wirtes. Die Weibchen bohren mit ihren Cheliceren tunnelförmige Gänge in die Hornschicht (Stratum corneum) der Haut, wobei sie Speichelsekrete abgeben, die das Gewebe vorverdauen. Dieses extraintestinale Verdauungsprinzip – also die Auflösung der Nahrung außerhalb des Darms – ist typisch für viele Milbenarten. Die so verflüssigte Substanz wird dann aufgenommen. Blut gehört nicht zum Nahrungsspektrum der Grabmilbe; sie ist kein Blutsauger im eigentlichen Sinne.
Verhalten & Lebensweise
Die Grabmilbe zeigt ein ausgeprägtes grabend-parasitisches Verhalten. Die Weibchen legen innerhalb der Epidermis gewundene Bohrgänge an, die bis zu mehreren Zentimetern lang werden können. Die Grabaktivität ist überwiegend nachtaktiv, was den typischerweise nachts verstärkten Juckreiz bei befallenen Menschen erklärt. Auf der Hautoberfläche bewegen sich die Milben mit einer Geschwindigkeit von etwa 2,5 Zentimetern pro Minute fort.
Die Übertragung erfolgt fast ausschließlich durch engen, längeren Hautkontakt – typischerweise innerhalb von Familien, Partnerschaften oder Pflegeeinrichtungen. Eine Übertragung über Textilien oder Bettwäsche ist bei der gewöhnlichen Krätze (Scabies) selten, bei der sogenannten Borkenkrätze (Scabies crustosa) mit extrem hoher Milbenzahl jedoch durchaus relevant.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung findet auf der Hautoberfläche statt. Nach der Begattung stirbt das Männchen, während das befruchtete Weibchen in die Hornschicht eindringt und dort seinen Bohrgang anlegt. Pro Tag legt ein Weibchen zwei bis vier Eier in den Tunnel ab, insgesamt bis zu 50 Eier während seiner Lebensspanne von vier bis sechs Wochen. Die Eier sind oval, etwa 0,1 mm groß und durchscheinend.
Nach drei bis vier Tagen schlüpfen sechsbeinige Larven, die an die Hautoberfläche wandern und sich dort in Haarbälgen oder unter Hautschuppen aufhalten. Die Larven durchlaufen über zwei Nymphenstadien (Protonymphe und Tritonymphe) eine Entwicklung zum adulten Tier. Der gesamte Entwicklungszyklus vom Ei bis zur geschlechtsreifen Milbe dauert etwa 10 bis 14 Tage. Unter optimalen Bedingungen kann die Populationsdichte bei einem unbehandelten Befall rasch ansteigen, wobei bei der gewöhnlichen Krätze meist nur 10 bis 20 adulte Weibchen gleichzeitig auf einem Wirt leben.
Bedrohung & Schutzstatus
Als obligater Parasit des Menschen und zahlreicher Säugetierarten ist die Grabmilbe nicht im Sinne