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Geißelspinne

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Tierart – Spinnentiere > Sonstige Spinnentiere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Amblypygi (Ordnung)
  • Ordnung: Geißelspinnen (Amblypygi)
  • Familien: 5 rezente Familien, u. a. Phrynidae, Charinidae, Phrynichidae
  • Anzahl bekannter Arten: ca. 220
  • Lebensraum: Tropische und subtropische Wälder, Höhlen, Felsregionen
  • Größe: Körperlänge 4–45 mm, Beinspannweite bis über 25 cm
  • Gewicht: je nach Art wenige Gramm
  • Lebenserwartung: bis zu 10 Jahre in Gefangenschaft, in freier Wildbahn kürzer

Aussehen & Merkmale

Geißelspinnen gehören zur Klasse der Spinnentiere (Arachnida), sind aber keine echten Spinnen (Araneae). Ihr Körper gliedert sich – wie bei allen Spinnentieren – in einen Vorderleib (Prosoma) und einen Hinterleib (Opisthosoma). Der Vorderleib ist stark abgeflacht und breit, was den Tieren ermöglicht, sich in enge Spalten zwischen Gestein oder unter Baumrinde zu zwängen. Der Hinterleib ist ebenfalls flach und segmentiert, trägt jedoch weder Spinnwarzen noch einen Giftstachel.

Das auffälligste Merkmal der Geißelspinnen sind die zu langen, peitschenartigen Tastorganen umgewandelten ersten Beinpaare – die namensgebenden „Geißeln". Diese Fühlergeißeln können bei großen Arten wie Damon medius oder Damon diadema eine Länge von über 25 cm erreichen und dienen ausschließlich der Orientierung, nicht der Fortbewegung. Die Tiere laufen daher funktionell auf sechs Beinen. Die kräftigen Pedipalpen sind zu großen, bedornten Fangwerkzeugen umgebildet und erinnern entfernt an die Fangbeine von Gottesanbeterinnen. Sie dienen dem Ergreifen und Festhalten von Beutetieren.

Die Körperfarbe variiert von hellbraun über rotbraun bis dunkelbraun oder schwarz. Viele Arten weisen eine unauffällige Färbung auf, die der Tarnung auf Baumrinde, Felsen oder Höhlenwänden dient. Geißelspinnen besitzen – anders als viele andere Spinnentiere – keine Giftdrüsen und sind für den Menschen völlig harmlos.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Amblypygi umfasst tropische und subtropische Regionen weltweit. Sie kommen in Mittel- und Südamerika, Afrika, Südasien, Südostasien und Nordaustralien vor. Einzelne Populationen besiedeln auch mediterrane Randgebiete. Die größte Artenvielfalt findet sich in den Regenwäldern Mittel- und Südamerikas sowie in Ost- und Westafrika.

Typische Habitate sind feuchte tropische Wälder, Höhlen (Kavernen), Felsspalten, Mauern und die Unterseite großer Baumstämme. Geißelspinnen bevorzugen Biotope mit hoher Luftfeuchtigkeit und stabilen Temperaturen. Einige Arten wie Charinus jibaossu leben ausschließlich in Höhlensystemen und gelten als Höhlenspezialisten (Troglobionten), die sekundär ihre Augen reduziert haben. Andere Arten wie Phrynus marginemaculatus besiedeln auch menschliche Siedlungsräume und finden sich in Kellern, Brunnen und an Hauswänden.

Ernährung

Geißelspinnen sind ausschließlich räuberisch. Ihr Nahrungsspektrum umfasst Insekten wie Grillen, Schaben, Käfer und Motten sowie andere Gliederfüßer, darunter kleinere Spinnen und Asseln. Gelegentlich werden auch kleine Wirbeltiere wie junge Geckos erbeutet.

Die Jagd erfolgt als Lauerjagd. Das Tier verharrt regungslos an einer vertikalen Oberfläche – etwa einer Höhlenwand oder einem Baumstamm – und tastet die Umgebung mit den extrem langen Fühlerbeinen ab. Wird ein Beutetier geortet, schnellen die bedornten Pedipalpen blitzschnell vor und pressen die Beute gegen den Körper. Die Nahrung wird anschließend mithilfe der Cheliceren zerkleinert und durch extraorale Verdauung verflüssigt aufgenommen.

Verhalten & Lebensweise

Geißelspinnen sind streng nachtaktiv. Tagsüber verbergen sie sich in Spalten, unter Rinde oder in Höhlen und verlassen ihre Ruheplätze erst nach Einbruch der Dunkelheit. Die Tiere sind standorttreu und kehren regelmäßig zu denselben Tagesverstecken zurück. Studien an Phrynus marginemaculatus haben gezeigt, dass Geißelspinnen über ein räumliches Orientierungsvermögen verfügen und nach experimenteller Verfrachtung zu ihrem Stammplatz zurückfinden.

Die Fortbewegung erfolgt seitwärts in einer krabbenartigen Gangart. Dabei werden die Fühlergeißeln ständig tastend über die Oberfläche geführt. Geißelspinnen sind Einzelgänger. Bei Begegnungen zwischen Artgenossen kommt es zu ritualisierten Auseinandersetzungen, bei denen die Kontrahenten ihre Pedipalpen spreizen und die Fühlergeißeln gegeneinander peitschen. Ernsthafte Verletzungen sind dabei selten.

Trotz ihres einzelgängerischen Verhaltens zeigen einige Arten ein ungewöhnliches Sozialverhalten: Weibchen der Gattung Phrynus dulden ihre Jungtiere über Wochen in unmittelbarer Nähe. Beobachtungen deuten darauf hin, dass sich die Jungtiere gegenseitig und die Mutter mit den Fühlerbeinen berühren – ein bei Spinnentieren seltenes Verhalten, das als taktile Kommunikation gedeutet wird.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarung der Geißelspinnen folgt einem komplexen Balzritual. Das Männchen nähert sich dem Weibchen vorsichtig, wobei es die Fühlergeißeln vibrierend einsetzt. Ist das Weibchen paarungsbereit, setzt das Männchen eine Spermatophore (ein S