Gemeiner Holzbock
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Ixodes ricinus
- Ordnung: Zecken (Ixodida)
- Überordnung: Parasitiformes
- Familie: Schildzecken (Ixodidae)
- Gattung: Ixodes
- Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
- Lebensraum: Laubwälder, Mischwälder, Waldränder, Wiesen, Parks und Gärten
- Größe: Nüchtern 2,5–4,5 mm (Weibchen), vollgesogen bis 11 mm; Männchen ca. 2,5 mm
- Gewicht: Nüchtern ca. 1–2 mg, vollgesogen bis zu 200 mg
- Lebenserwartung: 2–6 Jahre (gesamter Entwicklungszyklus)
Aussehen & Merkmale
Der Gemeine Holzbock ist ein Ektoparasit aus der Klasse der Spinnentiere und gehört damit nicht zu den Insekten, obwohl er umgangssprachlich oft mit diesen verwechselt wird. Wie alle Spinnentiere besitzt er im adulten Stadium acht Beine – ein Unterscheidungsmerkmal gegenüber Insekten, die nur sechs Beine haben. Die Larven verfügen allerdings zunächst nur über sechs Beine und erhalten das vierte Beinpaar erst nach der Häutung zur Nymphe.
Der Körper von Ixodes ricinus gliedert sich in zwei Abschnitte: das Gnathosoma (Mundwerkzeuge) und das Idiosoma (Rumpf). Am Gnathosoma befinden sich die Cheliceren, mit denen die Zecke die Haut ihres Wirts aufritzt, sowie das Hypostom – ein mit Widerhaken besetztes Stechorgan, das als Verankerung im Wirtsgewebe dient. Entgegen der landläufigen Meinung beißt eine Zecke also nicht, sondern sticht.
Das Weibchen trägt auf der Oberseite des Rumpfes ein kleines, dunkelbraunes bis schwarzes Rückenschild (Scutum), das nur etwa ein Drittel des Idiosomas bedeckt. Dadurch kann sich der hintere Körperabschnitt beim Saugvorgang erheblich ausdehnen und nimmt eine grau-bläuliche Färbung an. Beim Männchen bedeckt das Scutum dagegen fast den gesamten Rücken, weshalb es sich deutlich weniger vollsaugen kann. Nüchterne Tiere sind flach und tropfenförmig.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Gemeinen Holzbocks erstreckt sich über weite Teile Europas, von Portugal und den Britischen Inseln im Westen bis nach Russland und in den Kaukasus im Osten. In Nordafrika kommt er ebenfalls vor. In Mitteleuropa ist er die mit Abstand häufigste Zeckenart und besiedelt Habitate von der Meeresküste bis in Höhenlagen von etwa 1.500 Metern.
Bevorzugte Biotope sind Laub- und Mischwälder mit dichtem Unterholz und einer ausgeprägten Krautschicht. Ebenso besiedelt der Holzbock Waldränder, Heckenstreifen, verwilderte Gärten, Stadtparks und feuchte Wiesen. Entscheidend für das Vorkommen ist eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit am Boden, da die Tiere stark austrocknungsgefährdet sind. Trockene, offene Standorte werden gemieden. Durch den Klimawandel verschiebt sich das Verbreitungsgebiet zunehmend nach Norden und in höhere Lagen.
Ernährung
Der Gemeine Holzbock ist ein obligater Blutparasit. In jedem seiner drei aktiven Entwicklungsstadien – Larve, Nymphe und Adulttier – benötigt er genau eine Blutmahlzeit, um sich weiterentwickeln beziehungsweise fortpflanzen zu können. Die Wirtsspektren unterscheiden sich je nach Stadium: Larven saugen bevorzugt an kleinen Säugetieren wie Mäusen, Igeln und Spitzmäusen sowie an bodenbrütenden Vögeln. Nymphen nutzen ein breiteres Spektrum mittlerer Wirte, darunter Eichhörnchen, Hasen, Igel und Vögel. Adulte Weibchen befallen vorwiegend größere Säugetiere wie Rehe, Wildschweine, Füchse, Hunde und auch den Menschen.
Ein Saugvorgang dauert je nach Stadium zwischen drei und zehn Tagen. Während dieser Zeit gibt die Zecke Speichel in die Wunde ab, der gerinnungshemmende, entzündungshemmende und schmerzstillende Substanzen enthält. Dadurch bleibt der Stich vom Wirt häufig unbemerkt. Männchen saugen nur kurz oder gar nicht.
Verhalten & Lebensweise
Der Gemeine Holzbock ist weder nachtaktiv noch tagaktiv im engeren Sinne, sondern sucht seinen Wirt abhängig von Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Aktiv wird er ab Bodentemperaturen von etwa 5–7 °C, weshalb die Hauptsaison in Mitteleuropa von März bis Oktober reicht. In milden Wintern können einzelne Tiere jedoch ganzjährig aktiv sein.
Zur Wirtssuche klettert der Holzbock an Gräsern, Kräutern und niedrigem Gebüsch empor – selten höher als 1,5 Meter – und nimmt dort eine charakteristische Lauerstellung ein. Dabei streckt er die Vorderbeine nach vorne ab und wartet auf vorbeistreifende Wirte. Diese erkennt er über das Hallersche Organ an den Vorderbeinen, das Körperwärme, CO₂, Ammoniak, Buttersäure und andere chemische Reize registriert. Entgegen einem weit verbreiteten Irrtum lassen sich Zecken nicht von Bäumen fallen.
Zwischen den Blutmahlzeiten halten sich die Tiere in der feuchten Bodenstreu auf und sind dort weitgehend inaktiv. Bei zu großer Trockenheit ziehen sie sich in tiefere Streuschichten zurück, um Wasser über spezielle hygroskopische Strukturen aus der Umgebungsluft aufzunehmen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung findet in der Regel auf dem Wirt statt. Das Männchen sucht ein bereits saugendes oder gerade vollgesogenes Weibchen auf und überträgt eine Spermatophore in dessen Geschlechts