Geißelskorpion
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Ordnung Uropygi (auch Thelyphonida)
- Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
- Ordnung: Geißelskorpione (Uropygi)
- Familie: Thelyphonidae (einzige rezente Familie)
- Verbreitung: Tropische und subtropische Regionen Asiens, Amerikas und Afrikas
- Größe: 2,5–8,5 cm Körperlänge (ohne Geißel), bis etwa 13 cm Gesamtlänge
- Gewicht: Bis ca. 12 g bei großen Arten
- Lebenserwartung: 5–8 Jahre, einzelne Arten bis zu 10 Jahre
Aussehen & Merkmale
Geißelskorpione erinnern auf den ersten Blick an echte Skorpione, unterscheiden sich von diesen jedoch in mehreren wesentlichen Merkmalen. Der Körper gliedert sich in einen vorderen Abschnitt (Prosoma) und einen hinteren Abschnitt (Opisthosoma). Das Prosoma trägt ein hartes Rückenschild, das sogenannte Carapax, unter dem die Augen sitzen – meist ein medianes Augenpaar und mehrere seitliche Einzelaugen. Die Körperoberfläche ist von einem festen Chitinpanzer bedeckt, der je nach Art dunkelbraun bis schwarz gefärbt ist.
Das auffälligste Merkmal ist die namensgebende Geißel (Flagellum) am Hinterleib: ein dünner, peitschenartiger Anhang, der aus zahlreichen feinen Gliedern besteht und als Sinnesorgan dient. Anders als bei Skorpionen fehlt ein Giftstachel. Die Pedipalpen – das vorderste Extremitätenpaar nach den Cheliceren – sind zu kräftigen, mit Dornen besetzten Greifwerkzeugen umgebildet. Sie erinnern an die Scheren von Krebsen und dienen dem Ergreifen und Festhalten von Beutetieren.
Geißelskorpione besitzen wie alle Spinnentiere vier Laufbeinpaare, wobei das erste Beinpaar stark verlängert und dünn ausgeprägt ist. Es wird nicht zum Laufen benutzt, sondern als Tastorgan eingesetzt, ähnlich den Antennen bei Insekten. Die Gattung Mastigoproctus umfasst mit Mastigoproctus giganteus die größte bekannte Art, die in den südlichen USA und Mexiko vorkommt.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Geißelskorpione erstreckt sich über tropische und subtropische Zonen. In Asien reicht es von Indien über Südostasien bis nach Japan und auf die Malaiischen Inseln. In der Neuen Welt finden sich Arten von den Südstaaten der USA über Mittelamerika bis nach Brasilien. Einige wenige Arten leben in Westafrika. In Europa kommen keine Geißelskorpione vor.
Ihr bevorzugtes Habitat sind feuchte, warme Biotope mit lockerem Substrat. Sie besiedeln tropische Regenwälder, Trockenwälder und Savannenränder, gelegentlich auch Höhlen. Die Tiere graben sich tagsüber in Erdspalten, unter Steinen, in Laubstreu oder in selbst angelegte Erdröhren ein. Eine hohe Bodenfeuchtigkeit ist für die meisten Arten essenziell, da ihr Chitinpanzer weniger wirksam gegen Wasserverlust schützt als bei trockenheitsresistenten Spinnentieren.
Ernährung
Geißelskorpione sind ausschließlich carnivor. Ihr Nahrungsspektrum umfasst Insekten wie Grillen, Schaben und Käfer, daneben auch Tausendfüßer, Asseln, Schnecken und kleinere Wirbeltiere wie junge Eidechsen oder Frösche. Die Beute wird mit den kräftigen Pedipalpen ergriffen und zu den Cheliceren geführt, die das Gewebe zerkleinern. Anschließend wird die Nahrung vorverdaut: Die Tiere geben Verdauungssekrete auf die zerdrückte Beute ab und saugen den verflüssigten Nahrungsbrei auf – ein Vorgang, der als extraintestinale Verdauung bezeichnet wird.
Die Jagd erfolgt ausschließlich nachts. Die verlängerten Vorderbeine tasten dabei ständig die Umgebung ab. Erschütterungen des Bodens und chemische Reize über feine Sinneshaare (Trichobothrien) helfen bei der Beutelokalisierung. Geißelskorpione jagen als Einzelgänger und lauern ihrer Beute häufig auf, statt aktiv zu suchen.
Verhalten & Lebensweise
Geißelskorpione sind strikt nachtaktiv und verbringen den Tag verborgen in ihren Unterschlüpfen. Sie zeigen eine ausgeprägt solitäre Lebensweise und verteidigen ihr unmittelbares Umfeld gegen Artgenossen. Bei Begegnungen kann es zu Drohgebärden kommen, bei denen die Pedipalpen aufgerichtet und gespreizt werden.
Das bekannteste Verteidigungsverhalten ist die Abgabe eines stark riechenden Sekrets aus paarigen Drüsen am Hinterleibsende, den sogenannten Pygidialdrüsen. Dieses Sekret besteht hauptsächlich aus Essigsäure (bis zu 84 %) und Caprylsäure. Der intensive Essiggeruch hat der nordamerikanischen Art Mastigoproctus giganteus den englischen Trivialnamen „Vinegaroon" (Essigspinner) eingebracht. Das Sekret reizt Schleimhäute und Augen potenzieller Fressfeinde und ist gegen viele Arthropoden-Angreifer hochwirksam. Für den Menschen ist es ungefährlich, kann aber bei Hautkontakt leichte Reizungen hervorrufen.
Trotz ihres wehrhaften Erscheinungsbilds sind Geißelskorpione für den Menschen harmlos. Sie besitzen keine Giftdrüsen und beißen nur äußerst selten, wenn sie massiv bedrängt werden.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung geht ein aufwändiges Balzverhalten voraus. Das Männchen ergreift die verlängerten Vorderbeine des Weibchens und führt einen sogenannten Paarungstanz durch, bei dem beide Tiere sich über längere Zeit umeinander bewegen. Schließlich setzt das Männchen ein Spermapaket (Spermatophore) auf dem Boden ab und dirigiert das Weibchen darüber, sodass sie es mit ihrer Geschlechtsöffnung aufneh