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Bastardschildkröte

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Tierart – Reptilien > Schildkröten – Meer

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Lepidochelys kempii
  • Ordnung: Schildkröten (Testudines)
  • Familie: Meeresschildkröten (Cheloniidae)
  • Gattung: Bastardschildkröten (Lepidochelys)
  • Lebensraum: Küstennahe Gewässer, vor allem im Golf von Mexiko und im westlichen Atlantik
  • Größe: Carapaxlänge 60–70 cm
  • Gewicht: 30–50 kg
  • Lebenserwartung: Geschätzt 30–50 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Bastardschildkröte, auch als Kemps Ridley-Schildkröte oder Atlantik-Bastardschildkröte bezeichnet, ist die kleinste aller Meeresschildkrötenarten. Ihr Rückenpanzer (Carapax) ist nahezu kreisrund und erreicht bei ausgewachsenen Tieren eine Länge von etwa 60 bis 70 Zentimetern. Die Färbung des Carapax variiert von olivgrün bis graugrün, während der Bauchpanzer (Plastron) eine gelblich-weiße Tönung aufweist. Jungtiere sind nach dem Schlupf fast vollständig dunkelgrau bis schwarz gefärbt und hellen erst mit zunehmendem Alter auf.

Der Kopf ist relativ groß und breit, mit einem leicht gebogenen Oberkiefer, der an einen Papageienschnabel erinnert. Die Extremitäten sind zu paddelartigen Flossen umgebildet, wobei jede Vorderflosse eine einzelne Kralle trägt. Die Hornschuppen (Scuta) des Carapax sind in fünf Paar Costalschilden angeordnet – ein Merkmal, das Lepidochelys kempii von vielen anderen Meeresschildkröten unterscheidet. Gelegentlich treten auch sechs oder sieben Costalschilde auf, was die Art früher fälschlicherweise als Hybridform oder „Bastard" erscheinen ließ und ihr den deutschen Namen einbrachte.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Bastardschildkröte konzentriert sich auf den westlichen Atlantik. Der Golf von Mexiko stellt das Kernhabitat dar, insbesondere die flachen Küstengewässer vor Texas und der mexikanischen Bundesstaaten Tamaulipas und Veracruz. Juvenile Tiere werden gelegentlich auch an den Küsten Europas angetroffen – etwa vor Großbritannien, Irland und den Azoren –, wobei es sich meist um verdriftete Jungtiere handelt, die von Meeresströmungen wie dem Golfstrom mitgerissen wurden.

Als Biotop bevorzugt Lepidochelys kempii flache, sandige bis schlammige Küstenzonen mit Wassertiefen unter 50 Metern. Seegraswiesen, Riffstrukturen und Flussmündungen dienen als Nahrungsgründe. Die Niststrände liegen fast ausschließlich an der mexikanischen Golfküste, wobei der Strand von Rancho Nuevo im Bundesstaat Tamaulipas als wichtigster Eiablageplatz weltweit gilt.

Ernährung

Die Bastardschildkröte ist überwiegend carnivor. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Krebstieren – vor allem Schwimmkrabben der Gattung Callinectes –, Muscheln, Schnecken, Seeigeln und gelegentlich Fisch. Auch Quallen und Algen werden aufgenommen, machen aber nur einen geringen Teil des Nahrungsspektrums aus. Der kräftige Kiefer ermöglicht es der Art, die harten Panzer von Krabben und Muschelschalen zu knacken. Jungtiere ernähren sich in ihren ersten Lebensjahren verstärkt von Plankton und pelagischen Organismen, bevor sie mit zunehmender Größe auf benthische Beutetiere umsteigen.

Verhalten & Lebensweise

Im Gegensatz zu den meisten anderen Meeresschildkröten ist die Bastardschildkröte vorwiegend tagaktiv. Sie verbringt einen Großteil ihres Lebens in relativ küstennahen Gewässern und unternimmt keine vergleichbar ausgedehnten ozeanischen Wanderungen wie etwa die Lederschildkröte (Dermochelys coriacea). Zwischen den Fortpflanzungsperioden halten sich die Tiere in ihren Nahrungsgebieten auf und zeigen eine gewisse Standorttreue.

Ein herausragendes Verhaltensmerkmal ist die sogenannte „Arribada" (spanisch für „Ankunft"), bei der Tausende Weibchen innerhalb weniger Tage synchronisiert an denselben Strandabschnitten zur Eiablage erscheinen. Dieses Phänomen der Massennistung teilt Lepidochelys kempii mit ihrer Schwesterart, der Oliv-Bastardschildkröte (Lepidochelys olivacea). Die Synchronisation wird vermutlich durch hormonelle Signale, Windverhältnisse und Mondphasen ausgelöst, wobei die genauen Mechanismen noch nicht vollständig geklärt sind.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Geschlechtsreife wird bei Lepidochelys kempii im Alter von etwa 10 bis 15 Jahren erreicht. Die Paarung findet in den Küstengewässern nahe der Niststrände statt. Die Weibchen kommen – anders als die meisten Meeresschildkrötenarten – bevorzugt tagsüber an Land, um ihre Eier abzulegen. Ein Gelege umfasst durchschnittlich 100 Eier, die in eine etwa 40 bis 50 Zentimeter tiefe Grube im Sand eingebettet werden. Pro Saison kann ein Weibchen zwei bis drei Gelege produzieren, jeweils im Abstand von etwa zwei bis drei Wochen.

Die Inkubationszeit beträgt rund 45 bis 70 Tage, abhängig von der Temperatur im Nest. Wie bei allen Meeresschildkröten bestimmt die Bruttemperatur das Geschlecht der Schlüpflinge: Bei Temperaturen über 29 °C entwickeln sich überwiegend Weibchen, bei niedrigeren Temperaturen Männchen. Die frisch geschlüpften Jungtiere sind etwa 4 bis 5 Zentimeter lang und suchen unmittelbar nach dem Schlupf das offene Meer auf. Die ersten Lebensjahre verbringen sie vermutlich in Treibgut-Ansammlungen auf dem offenen Ozean – eine Phase, die in der For