Wallriffschildkröte
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Natator depressus (Garman, 1880)
- Ordnung: Schildkröten (Testudines)
- Unterordnung: Halsberger-Schildkröten (Cryptodira)
- Familie: Meeresschildkröten (Cheloniidae)
- Gattung: Natator (monotypisch)
- Lebensraum: Küstennahe tropische Gewässer, Korallenriffe und Weichbodenhabitate Australiens
- Größe: Carapaxlänge 90–100 cm (gelegentlich bis 130 cm)
- Gewicht: 70–90 kg, Maximalgewichte um 150 kg
- Lebenserwartung: Geschätzt 50–100 Jahre (gesicherte Langzeitdaten fehlen)
Aussehen & Merkmale
Die Wallriffschildkröte – im englischen Sprachraum als „Flatback Sea Turtle" bekannt – verdankt diesen Namen der auffällig flachen, teils leicht nach oben gewölbten Form ihres Rückenpanzers (Carapax). Im Vergleich zu anderen Meeresschildkröten wie der Unechten Karettschildkröte (Caretta caretta) oder der Grünen Meeresschildkröte (Chelonia mydas) wirkt der Panzer deutlich abgeflacht, mit nach oben gebogenen Rändern. Die Oberfläche der Hornschuppen (Scuta) ist glatt und von einer dünnen, wachsartigen Schicht überzogen, die sich bei Berührung leicht ablösen kann.
Die Grundfärbung des Carapax reicht von olivgrau bis graugrün, der Bauchpanzer (Plastron) ist deutlich heller, meist cremefarben bis blassgelb. Der Kopf ist vergleichsweise groß und breit, mit einem einzelnen Paar Präfrontalschuppen zwischen den Augen – ein diagnostisches Merkmal, das Natator depressus von der ähnlich großen Suppenschildkröte unterscheidet. Die Vorderextremitäten sind zu paddelförmigen Flossen umgebildet und tragen jeweils eine einzelne Klaue.
Im Vergleich zu den meisten verwandten Arten besitzt die Wallriffschildkröte die geringste Anzahl an Marginalscuta (Randschuppen): nur vier Paar costale und fünf vertebrale Schilde zieren den Carapax. Die Schuppen sind dünn und empfindlicher als bei anderen Cheloniiden, was die Tiere anfällig für Verletzungen macht.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Wallriffschildkröte beschränkt sich auf den Kontinentalschelf Australiens und die Küstengewässer Papuas und Indonesiens. Damit ist sie die einzige Meeresschildkrötenart mit einem derart begrenzten Areal. Ihr bevorzugtes Habitat sind flache, trübe Küstengewässer über Weichböden, Seegraswiesen und die Lagunen des australischen Barriereriffs. Anders als pelagisch lebende Arten wie die Lederschildkröte (Dermochelys coriacea) meidet Natator depressus offene Ozeane weitgehend.
Wichtige Niststrände finden sich an der Küste von Queensland, im Northern Territory, in Western Australia sowie auf vorgelagerten Inseln wie Crab Island, Mon Repos und Peak Island. Die Tiere halten sich ganzjährig in Gewässern des tropischen und subtropischen Nordaustraliens auf. Saisonale Wanderungen zwischen Nahrungsgründen und Niststränden werden regelmäßig per Satellitentelemetrie dokumentiert, die zurückgelegten Distanzen sind mit wenigen hundert Kilometern allerdings vergleichsweise kurz.
Ernährung
Die Wallriffschildkröte ernährt sich omnivor mit einem Schwerpunkt auf wirbellosen Meerestieren. Zu den Hauptnahrungsquellen zählen Seegurken (Holothuroidea), Weichkorallen, Garnelen, Quallen, Seefedern und Kopffüßer. Auch Seetang und Seegras werden gelegentlich aufgenommen, spielen aber im Nahrungsspektrum eine untergeordnete Rolle. Die Nahrungssuche findet vorwiegend in Flachwasserzonen über Sand- und Schlickböden statt, wo die Tiere mit ihren kräftigen Kiefern bodenlebende Invertebraten aufnehmen. Magenanalysen zeigen ein breites Beutespektrum, was auf eine opportunistische Ernährungsstrategie hindeutet.
Verhalten & Lebensweise
Natator depressus führt ein überwiegend solitäres Leben. Außerhalb der Fortpflanzungszeit halten sich die Tiere einzeln oder in lockeren Aggregationen in ihren Nahrungsgebieten auf. Die Art ist vorwiegend tagaktiv, wobei die Nahrungsaufnahme in den Morgen- und Abendstunden konzentriert stattfindet. Tauchgänge reichen selten tiefer als 20–30 Meter, da das bevorzugte Biotop über dem flachen Kontinentalschelf liegt. Zwischen den Tauchgängen ruhen die Tiere häufig an der Wasseroberfläche.
Im Gegensatz zu vielen anderen Meeresschildkröten unternimmt die Wallriffschildkröte keine transozeanischen Wanderungen. Die Standorttreue zu bestimmten Nahrungsgründen und Niststränden ist ausgeprägt. Natürliche Fressfeinde adulter Tiere sind Haie und Salzwasserkrokodile (Crocodylus porosus), die in denselben Küstenhabitaten vorkommen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzungssaison erstreckt sich von Oktober bis Februar. Die Balz und Paarung finden in küstennahen Gewässern in unmittelbarer Nähe der Niststrände statt. Weibchen nisten alle zwei bis drei Jahre und legen pro Saison ein bis vier Gelege ab, typischerweise im Abstand von etwa 14 Tagen.
Ein einzelnes Gelege umfasst durchschnittlich 50 Eier – weniger als bei den meisten anderen Meeresschildkröten, dafür sind die Eier mit einem Durchmesser von rund 50–55 mm vergleichsweise groß. Die Inkubationszeit beträgt etwa 55 Tage. Wie bei allen Meeresschildkröten wird das Geschlecht der Embryonen temperaturabhängig bestimmt: Höhere Sandtemperat