Grüne Meeresschildkröte
GTierart – Reptilien > Schildkröten – Meer
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Chelonia mydas
- Ordnung: Schildkröten (Testudines)
- Unterordnung: Halsberger-Schildkröten (Cryptodira)
- Familie: Meeresschildkröten (Cheloniidae)
- Gattung: Chelonia
- Lebensraum: Tropische und subtropische Meere weltweit; Seegraswiesen, Korallenriffe, Küstengewässer
- Größe: Carapaxlänge 80–120 cm, in Ausnahmefällen bis 150 cm
- Gewicht: 110–190 kg, maximal über 300 kg
- Lebenserwartung: 60–80 Jahre, vermutlich auch über 100 Jahre möglich
Aussehen & Merkmale
Die Grüne Meeresschildkröte zählt zu den größten Vertretern der Familie Cheloniidae. Ihr Name bezieht sich nicht auf die Färbung des Panzers, sondern auf das grünlich gefärbte Fettgewebe unter dem Carapax, das seine Farbe durch die pflanzliche Nahrung erhält. Der Rückenpanzer (Carapax) ist oval, relativ flach und mit glatten, nicht überlappenden Hornschilden (Scuta) bedeckt. Die Färbung des Carapax variiert von olivgrün über dunkelbraun bis fast schwarz, häufig mit einem unregelmäßigen Strahlenmuster. Der Bauchpanzer (Plastron) ist gelblich bis cremefarben.
Der Kopf ist im Verhältnis zum Körper klein und rundlich. Die Kiefer sind mit scharfkantigen Hornleisten ausgestattet, die das Abreißen von Pflanzenteilen ermöglichen. Charakteristisch ist das einzelne Paar Präfrontalschuppen zwischen den Augen – ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zur Echten Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata), die zwei Paare besitzt. Die Vorderextremitäten sind zu langen, paddelförmigen Flossen umgebildet, die der Fortbewegung im Wasser dienen. Die Hinterflossen sind kürzer und fungieren als Steuerruder.
Jungtiere unterscheiden sich deutlich von adulten Exemplaren: Ihr Carapax ist dunkler, oft nahezu schwarz, und sie weisen helle Ränder an Panzer und Flossen auf.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Chelonia mydas erstreckt sich über alle tropischen und subtropischen Ozeane zwischen etwa 30° nördlicher und 30° südlicher Breite. Bedeutende Populationen finden sich im westlichen Atlantik (Karibik, Brasilien), im Indischen Ozean (Mosambik, Oman, Seychellen), im westlichen Pazifik (Australien, Südostasien) sowie im östlichen Pazifik (Galapagos-Inseln, Hawaii).
Als Habitat bevorzugt die Art flache Küstengewässer mit ausgedehnten Seegraswiesen und Algenvorkommen. Korallenriffe, Lagunen und geschützte Buchten dienen als Weide- und Ruheplätze. Jungtiere verbringen ihre ersten Lebensjahre dagegen pelagisch im offenen Ozean, häufig in Konvergenzzonen, wo Strömungen Nahrung konzentrieren. Erst ab einer Carapaxlänge von etwa 25–35 cm wechseln sie in die neritischen Küstenhabitate.
Zur Eiablage suchen die Weibchen sandige Niststrände auf, die teilweise Tausende Kilometer von den Weidegebieten entfernt liegen. Einzelne Nistpopulationen nutzen seit Generationen dieselben Strände – etwa Tortuguero in Costa Rica, Raine Island in Australien oder Ascension Island im Südatlantik.
Ernährung
Die Grüne Meeresschildkröte ist die einzige weitgehend herbivore Art unter den Meeresschildkröten. Adulte Tiere ernähren sich überwiegend von Seegräsern der Gattungen Thalassia, Halodule und Cymodocea sowie von verschiedenen Meeresalgen. Durch das regelmäßige Abweiden halten sie Seegraswiesen kurz und fördern deren Produktivität – ein Effekt, der in der Ökologie als „Kultivierungsweidewirtschaft" (cultivation grazing) bezeichnet wird.
Jungtiere sind hingegen omnivor und fressen neben Algen auch Quallen, Krebstiere, Fischlaich und andere wirbellose Tiere. Der Übergang zur pflanzlichen Ernährung erfolgt graduell mit zunehmender Körpergröße und dem Wechsel vom pelagischen ins neritische Habitat.
Verhalten & Lebensweise
Grüne Meeresschildkröten sind tagaktive Tiere, die den Großteil ihrer Zeit mit Fressen und Ruhen verbringen. Nachts suchen sie häufig geschützte Stellen unter Felsvorsprüngen oder in Riffstrukturen auf, wo sie regungslos verharren. Sie sind keine Einzelgänger im strengen Sinne, bilden jedoch auch keine sozialen Gruppen. An ergiebigen Weideplätzen können sich dennoch zahlreiche Individuen gleichzeitig aufhalten.
Eines der auffälligsten Verhaltensmuster sind die langen Wanderungen zwischen Weide- und Nistgebieten. GPS-Telemetriestudien haben Wanderstrecken von über 2.600 Kilometern dokumentiert. Die Navigation erfolgt vermutlich über das Erdmagnetfeld, möglicherweise in Kombination mit chemischen und visuellen Orientierungshilfen. Adulte Weibchen kehren zur Eiablage an den Strand zurück, an dem sie selbst geschlüpft sind – ein Verhalten, das als Natalphilotrie bezeichnet wird.
Im Wasser erreichen Grüne Meeresschildkröten Geschwindigkeiten von etwa 2,5–3 km/h bei der normalen Fortbewegung und bis zu 35 km/h bei Fluchtbewegungen. Tauchgänge dauern gewöhnlich 5–20 Minuten, bei Ruhephasen kann die Art jedoch mehrere Stunden unter Wasser verbleiben.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Geschlechtsreife tritt erst spät ein – je nach Population im Alter von 20 bis 50 Jahren. Die Paarung findet im Wasser statt, meist in der Nähe der Niststrände. Während der Balz umkreisen die Männchen die Weibchen und beißen sanft in deren Flossen und Nacken. Ein Weibchen kann sich mit mehreren Männ