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Lederschildkröte

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Tierart – Reptilien > Schildkröten – Meer

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Dermochelys coriacea
  • Ordnung: Schildkröten (Testudines)
  • Familie: Lederschildkröten (Dermochelyidae)
  • Gattung: Dermochelys
  • Lebensraum: Offene Ozeane, tropische bis gemäßigte Meeresgebiete weltweit
  • Größe: Panzerlänge bis 180 cm, Gesamtlänge bis 250 cm
  • Gewicht: 250–700 kg, Einzelexemplare über 900 kg
  • Lebenserwartung: Geschätzt 45–60 Jahre, möglicherweise länger

Aussehen & Merkmale

Die Lederschildkröte ist die größte lebende Schildkrötenart und zugleich eines der schwersten Reptilien der Erde. Ihr auffälligstes Merkmal ist das Fehlen eines festen Knochenpanzers, wie er bei allen anderen Meeresschildkröten vorkommt. Statt Hornschuppen (Scuta) bedeckt eine derbe, lederartige Haut den Rücken – daher der deutsche Name. Der Carapax besteht aus einem Mosaik kleiner Knochenplättchen (Osteoderme), die in eine dicke, ölhaltige Bindegewebsschicht eingebettet sind. Diese Konstruktion verleiht dem Panzer eine gewisse Flexibilität, die bei Tauchgängen in große Tiefen von Vorteil ist.

Sieben deutliche Längsleisten (Kiele) ziehen sich über den tropfenförmigen Rückenpanzer und verleihen der Lederschildkröte eine hydrodynamisch günstige Silhouette. Die Grundfärbung ist dunkelblau bis schwarz, durchsetzt mit hellen, oft rosafarbenen oder weißen Flecken, deren Muster individuell verschieden ist. Die Vorderflossen sind im Verhältnis zum Körper außergewöhnlich lang – sie können eine Spannweite von nahezu drei Metern erreichen – und besitzen keine Krallen. Die Hinterflossen sind breiter und dienen als Steuerruder. Der Kopf ist relativ klein, das Maul trägt am Oberkiefer zwei hakenförmige Zacken, die beim Ergreifen glitschiger Beute helfen.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Lederschildkröte erstreckt sich über alle großen Ozeane, von tropischen bis in subarktische Gewässer. Sie besitzt unter den Reptilien das größte geographische Verbreitungsareal. Nachweise gibt es aus dem Atlantik, Pazifik und Indischen Ozean sowie vereinzelt aus der Nordsee und dem westlichen Mittelmeer. Anders als die meisten Reptilien kann Dermochelys coriacea ihre Körpertemperatur teilweise unabhängig von der Umgebungstemperatur regulieren (Gigantothermie). Diese Fähigkeit, kombiniert mit einer isolierenden Fettschicht und einem Gegenstrom-Wärmetauschsystem in den Flossen, ermöglicht es ihr, in Gewässern mit Temperaturen um 5 °C zu jagen.

Ihr Habitat ist vorwiegend das offene Meer (pelagische Zone). Lederschildkröten verbringen den Großteil ihres Lebens weit entfernt von Küsten und nähern sich dem Land nur zur Eiablage. Die wichtigsten Niststrände liegen in der Karibik (Trinidad, Surinam, Französisch-Guayana), an der Westküste Afrikas (Gabun), in Südostasien (Malaysia, Indonesien) sowie im östlichen Pazifik (Costa Rica, Mexiko). Das Biotop der Niststrände zeichnet sich durch feinen, tiefen Sand und einen möglichst ungestörten Zugang zum Meer aus.

Ernährung

Die Lederschildkröte ernährt sich fast ausschließlich von Quallen und anderen gelatinösen Organismen wie Rippenquallen (Ctenophora), Salpen und Feuerwalzen (Pyrosomen). Ihr Schlund ist mit langen, nach hinten gerichteten Papillen ausgekleidet, die verhindern, dass die glitschige Nahrung wieder herausgleitet. Da Quallen zu über 95 % aus Wasser bestehen und einen geringen Nährwert haben, muss eine ausgewachsene Lederschildkröte täglich enorme Mengen fressen – Schätzungen gehen von bis zu 200 kg pro Tag aus. Sie folgt dabei den saisonalen Wanderungen großer Quallenschwärme und legt auf diese Weise jährlich Strecken von über 10.000 Kilometern zurück.

Gelegentlich werden auch Tintenfische, kleine Fische und Krebstiere aufgenommen, doch diese Nahrung spielt eine untergeordnete Rolle. Die Spezialisierung auf Quallen macht die Art besonders anfällig gegenüber Plastikmüll im Meer, da treibende Plastiktüten Quallen optisch ähneln und nach Verschlucken zu Darmverschlüssen führen können.

Verhalten & Lebensweise

Lederschildkröten sind Einzelgänger ohne festes Revier. Sie unternehmen ausgedehnte Wanderungen zwischen Nahrungsgründen und Nistgebieten, die ganze Ozeanbecken überbrücken können. Satellitentelemetrie hat gezeigt, dass einzelne Weibchen vom karibischen Niststrand bis in die Gewässer vor Norwegen und zurück schwimmen. Die Tiere sind sowohl tag- als auch nachtaktiv und regulieren ihre Aktivitätsmuster vermutlich nach dem Vorkommen ihrer Beute, da viele Quallenarten vertikale Wanderungen im Tagesrhythmus durchführen.

Dermochelys coriacea ist die am tiefsten tauchende Schildkrötenart. Dokumentierte Tauchtiefen reichen bis über 1.200 Meter. Typische Tauchgänge zur Nahrungssuche führen in 200–400 Meter Tiefe und dauern zwischen 10 und 30 Minuten. Der flexible Panzer und kollabierbare Lungen sind Anpassungen an den enormen Wasserdruck in diesen Tiefen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Weibchen erreichen die Geschlechtsreife mit etwa 15–25 Jahren. Die Paarung findet im offenen Meer statt, wobei Männchen die Weibchen an den Flossen festhalten. Ein Weibchen kehrt in der Regel alle zwei bis drei Jahre an denselben Niststrand zurück – häufig an den Strand, an dem es selbst geschlüpft ist (Nistplatztreue). Die Eiablage erfolgt nachts. Das Weibchen kriecht an Land, gräbt mit den Hinterflossen eine 70–80 cm tiefe Nistkammer und legt darin durchschnittlich