Karettschildkröte
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Eretmochelys imbricata
- Ordnung: Schildkröten (Testudines)
- Familie: Meeresschildkröten (Cheloniidae)
- Gattung: Eretmochelys
- Lebensraum: Tropische und subtropische Meeresgebiete, vor allem Korallenriffe
- Größe: 60–90 cm Panzerlänge
- Gewicht: 40–80 kg, selten bis 130 kg
- Lebenserwartung: Geschätzt 30–50 Jahre, möglicherweise länger
Aussehen & Merkmale
Die Echte Karettschildkröte besitzt einen ovalen, seitlich leicht abgeflachten Rückenpanzer (Carapax), der im hinteren Bereich deutlich gezahnt ist. Namensgebend sind die dachziegelartig überlappenden Hornschilde (Scuta), die den Panzer bedecken – ein Merkmal, das diese Art von allen anderen Meeresschildkröten unterscheidet. Die Färbung des Carapax variiert von bernsteingelb über rotbraun bis dunkelbraun, wobei die einzelnen Schilde häufig ein marmoriertes oder flammenartiges Muster aufweisen. Genau diese Zeichnung machte das sogenannte Schildpatt jahrhundertelang zu einem begehrten Werkstoff für Schmuck, Kämme und Brillengestelle.
Besonders auffällig ist der schmale, spitz zulaufende Kopf mit einem hakenförmig nach unten gebogenen Oberkiefer, der an einen Raubvogelschnabel erinnert. Dieser „Schnabel" ist funktional an die Nahrungsaufnahme in engen Riff-Spalten angepasst. Die Vorderflossen sind mit je zwei Krallen versehen, was die Karettschildkröte von der eng verwandten Unechten Karettschildkröte (Caretta caretta) unterscheidet, die an jeder Vorderflosse nur eine Kralle trägt. Die Haut ist an Kopf und Flossen mit feinen Schuppen bedeckt, der Bauchpanzer (Plastron) ist gelblich-weiß.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Karettschildkröte erstreckt sich über die tropischen und subtropischen Zonen des Atlantiks, des Pazifiks und des Indischen Ozeans, grob zwischen dem 30. nördlichen und dem 30. südlichen Breitengrad. Als Habitat bevorzugt sie flache Küstengewässer mit ausgedehnten Korallenriffen, Felsriffen und Mangrovenbuchten. Im Gegensatz zur Lederschildkröte (Dermochelys coriacea), die regelmäßig in kühle Hochseeregionen vordringt, ist die Karettschildkröte weitgehend an warme, riffnahe Biotope gebunden.
Wichtige Nistgebiete befinden sich in der Karibik, an der Küste Mittelamerikas, auf den Seychellen, in Teilen Indonesiens, Nordaustraliens und auf Inseln im westlichen Pazifik. Auch im Roten Meer und an der ostafrikanischen Küste kommen stabile Populationen vor. Während der Nahrungssuche halten sich die Tiere bevorzugt in Lagunen und an Außenriffen auf, wo sie Tiefen von bis zu 20 Metern nutzen. Gelegentlich werden sie jedoch auch in deutlich größerer Tiefe gesichtet.
Ernährung
Die Karettschildkröte ernährt sich überwiegend von Schwämmen (Porifera), die in tropischen Korallenriffen in großer Artenvielfalt vorkommen. Damit nimmt sie unter den Meeresschildkröten eine Sonderstellung ein, da Schwämme für die meisten anderen marinen Wirbeltiere aufgrund ihres hohen Gehalts an Silikatnadeln und bioaktiven Sekundärstoffen ungenießbar sind. Der spezielle Verdauungstrakt der Karettschildkröte ist offenbar in der Lage, diese Substanzen zu tolerieren.
Neben Schwämmen stehen Nesseltiere wie Seeanemonen und Quallen, Weichkorallen, Manteltiere (Tunicata), Krebstiere und Algen auf dem Speiseplan. Je nach Region und Nahrungsangebot kann der Anteil einzelner Beutegruppen erheblich schwanken. Durch den Verzehr von Schwämmen reguliert die Karettschildkröte deren Bestandsdichte im Riff und verhindert, dass schnell wachsende Schwammarten langsamere Korallen überwuchern. Sie spielt daher eine bedeutende ökologische Rolle für die Gesundheit tropischer Riffökosysteme.
Verhalten & Lebensweise
Karettschildkröten leben überwiegend solitär. Es gibt keine Revierbildung im klassischen Sinne, doch einzelne Individuen zeigen eine hohe Standorttreue zu bestimmten Nahrungsgebieten, in denen sie über Monate oder Jahre verbleiben. Tagsüber durchstreifen sie das Riff auf der Suche nach Nahrung, wobei sie regelmäßig in Höhlen und Überhängen ruhen. Nachts ziehen sie sich häufig in geschützte Riffbereiche zurück.
Zur Fortpflanzungszeit legen die Weibchen teils enorme Distanzen zurück – dokumentiert sind Wanderungen von über 2.000 Kilometern zwischen Nahrungsgründen und Niststränden. Die Navigation erfolgt vermutlich über das Erdmagnetfeld und chemische Signale im Wasser. Trotz ihrer relativ geringen Körpergröße können Karettschildkröten Schwimmgeschwindigkeiten von bis zu 24 km/h erreichen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Geschlechtsreife wird erst mit etwa 20 bis 35 Jahren erreicht. Die Paarung findet im Wasser statt, meist in Flachwasserzonen nahe der Niststrände. Dabei kann es zu Konkurrenzkämpfen zwischen Männchen kommen, die mitunter in gegenseitige Bisse münden. Die Balz umfasst das Verfolgen des Weibchens sowie Berührungen mit den Flossen.
Alle zwei bis vier Jahre kehren die Weibchen an ihre Geburtsstränge zurück und legen in einer Saison drei bis sechs Gelege ab. Pro Gelege werden 100 bis 160 Eier in eine selbstgegrabene, etwa 50 Zentimeter tiefe Grube im Sand abgelegt. Die Eiablage erfolgt ausschließlich nachts. Nach einer Inkubationszeit von 50 bis 70 Tagen schlüpfen die Jungtiere und graben sich eigenständig an die Oberfläche