Baujagd
BJäger- & Weidmannssprache > Jäger- & Weidmannssprache
Definition und Überblick
Die Baujagd bezeichnet eine spezielle Form der Jagd, bei der Wild in seinem unterirdischen Bau bejagt wird. Dabei kommen in der Regel speziell ausgebildete Erdhunde zum Einsatz, die in den Bau einfahren, das darin befindliche Wild aufstöbern und es entweder zum Verlassen des Baus zwingen (Sprengen) oder es im Kessel stellen. Die Baujagd richtet sich vorwiegend gegen Fuchs und Dachs, gelegentlich auch gegen den Marderhund (Enok). Sie zählt zu den ältesten Jagdmethoden und hat in der deutschen Jagdtradition einen festen Platz, unterliegt jedoch strengen gesetzlichen Regelungen und ethischen Grundsätzen der Weidgerechtigkeit.
Geschichtlicher Hintergrund
Das Bejagen von Raubwild in unterirdischen Bauen ist seit dem Mittelalter dokumentiert. Bereits in frühen jagdlichen Schriften wird das Einsetzen von kleinen, mutigen Hunden in Fuchs- und Dachsbaue beschrieben. Die Baujagd diente ursprünglich nicht nur der Pelzgewinnung, sondern vor allem der Raubwildbejagung zum Schutz von Niederwild wie Hase, Fasan und Rebhuhn. Im Rahmen der Prädatorenkontrolle hat die Baujagd bis heute eine Bedeutung für das Niederwildmanagement in Revieren mit hohem Raubwilddruck behalten.
Ablauf der Baujagd
Vor Beginn der eigentlichen Jagd wird der Bau – auch Erdbau genannt – sorgfältig in Augenschein genommen. Der Jäger prüft, ob der Bau befahren ist, also aktuell von einem Tier bewohnt wird. Hinweise darauf geben frische Grabspuren, Losung, Beutereste oder ein deutlicher Geruch am Eingang der Röhren.
Der typische Ablauf gliedert sich in mehrere Schritte:
- Anstellen der Schützen: Die Jäger positionieren sich mit ausreichendem Sicherheitsabstand an den verschiedenen Ausgängen des Baus. Die Schussrichtung muss so gewählt werden, dass weder Hund noch andere Personen gefährdet werden.
- Einschliefen des Hundes: Der Erdhund wird an einer Röhre in den Bau gelassen. Man spricht davon, dass der Hund einschlieft oder einfährt. Er sucht nun selbstständig das unterirdische Gangsystem ab.
- Arbeit unter der Erde: Der Hund soll das Wild finden und durch Verbellen (Standlaut) oder vorsichtiges Bedrängen dazu bringen, den Bau durch eine der Röhren zu verlassen. Ein guter Erdhund arbeitet dabei hart, aber nicht griffig – er soll das Wild also nicht packen oder verletzen, sondern es lediglich zum Sprengen bewegen.
- Erlegen des Wildes: Verlässt der Fuchs oder ein anderes Stück Raubwild den Bau, wird es von den angestellten Schützen mit der Flinte erlegt. Dabei ist auf einen sicheren Schuss und die Einhaltung der Sicherheitsregeln zu achten.
Geeignete Hunderassen
Für die Baujagd werden ausschließlich kleinere, robuste Hunderassen mit ausgeprägtem Raubwildschärfe und Spurlaut eingesetzt. Zu den klassischen Bauhunden zählen:
- Deutscher Jagdterrier – die wohl am häufigsten eingesetzte Rasse bei der Baujagd in Deutschland
- Fox Terrier (Drahthaar und Glatthaar)
- Dachshund (Teckel) – insbesondere die rauhhaarige Variante, traditionell für die Arbeit im Dachsbau gezüchtet
- Border Terrier
- Parson Russell Terrier
Entscheidend ist neben der körperlichen Eignung – der Hund muss durch enge Röhren passen – vor allem die Ausbildung. Erdhunde werden systematisch an die Arbeit unter Tage herangeführt, oft zunächst in einem Kunstbau (Schliefenanlage), bevor sie im natürlichen Bau eingesetzt werden. Die Prüfung der Baueignung erfolgt über die Bauhundprüfung, die von Zucht- und Jagdverbänden abgenommen wird.
Jagdzeiten und rechtliche Rahmenbedingungen
Die Baujagd unterliegt den allgemeinen Jagdzeiten, die im jeweiligen Landesjagdgesetz festgelegt sind. Für den Fuchs ist die Jagdzeit in den meisten Bundesländern relativ großzügig bemessen, wobei die Baujagd schwerpunktmäßig in den Wintermonaten zwischen November und Februar ausgeübt wird. Der Dachs unterliegt engeren Schonzeiten; in einigen Bundesländern ist die Baujagd auf den Dachs eingeschränkt oder gänzlich untersagt.
Wesentlich ist, dass die Setz- und Aufzuchtzeiten respektiert werden. Führende Fähen (weibliche Füchse) und Dächsinnen dürfen nicht bejagt werden. Auch der Einsatz von Hunden, die das Wild im Bau greifen und verletzen, widerspricht den Grundsätzen der Weidgerechtigkeit und ist tierschutzrechtlich problematisch.
Tierschutz und Weidgerechtigkeit
Die Baujagd steht immer wieder in der Diskussion, insbesondere hinsichtlich des Tierschutzes – sowohl für das bejagte Wild als auch für den eingesetzten Hund. Unter Tage kann es zu direkten Konfrontationen zwischen Hund und Wild kommen, bei denen beide Tiere Verletzungen erleiden können. Ein verantwortungsvoller Jäger setzt daher nur gut ausgebildete und geprüfte Hunde ein, die kontrolliert und ohne übermäßige Aggressivität arbeiten.
Zur Sicherheit des