Baumvogelspinne
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Avicularia spp. (Gattung mit mehreren Arten, z. B. Avicularia avicularia)
- Ordnung: Webspinnen (Araneae)
- Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
- Familie: Vogelspinnen (Theraphosidae)
- Unterfamilie: Aviculariinae
- Lebensraum: Tropische Regenwälder Mittel- und Südamerikas, Karibik
- Körperlänge: 4–6 cm (Körper ohne Beine), Beinspannweite bis 18 cm
- Gewicht: ca. 10–30 g
- Lebenserwartung: Weibchen 10–15 Jahre, Männchen 3–5 Jahre
Aussehen & Merkmale
Baumvogelspinnen der Gattung Avicularia gehören zu den mittelgroßen Vertretern der Familie Theraphosidae. Ihr Körper gliedert sich wie bei allen Spinnen in zwei Hauptabschnitte: das Prosoma (Vorderkörper) und das Opisthosoma (Hinterleib). Die acht Laufbeine sind vergleichsweise lang und schlank gebaut – eine Anpassung an die arboreale, also baumbewohnende Lebensweise. An den Tarsen (Fußgliedern) befinden sich dichte Hafthaarbüschel, sogenannte Scopulae, die es der Spinne ermöglichen, selbst auf glatten Blattoberflächen und senkrechten Baumstämmen sicheren Halt zu finden.
Die Körperoberfläche ist dicht mit Haaren bedeckt, die je nach Art und Lichteinfall metallisch blau, violett oder grünlich schimmern können. Avicularia avicularia, die als Typusart der Gattung gilt und häufig als Rotfußvogelspinne oder Pinktoe-Vogelspinne bezeichnet wird, zeigt an den Tarsenspitzen eine charakteristische rosa bis orangerote Färbung. Die Jungtiere vieler Avicularia-Arten unterscheiden sich in der Färbung deutlich von den adulten Tieren – ein Phänomen, das in der Arachnologie als ontogenetischer Farbwechsel bekannt ist. Bei A. avicularia sind die Jungspinnen überwiegend blau mit weißen Streifen an den Beinen, während die Erwachsenen eine dunkle, samtige Grundfärbung entwickeln.
Die Cheliceren (Kieferklauen) sind kräftig und nach unten gerichtet, wie es für Vogelspinnenartige typisch ist. Baumvogelspinnen besitzen Giftdrüsen, deren Sekret zur Überwältigung von Beutetieren dient. Für den Menschen ist der Biss in der Regel nicht gefährlich, vergleichbar etwa mit einem Bienen- oder Wespenstich.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Gattung Avicularia erstreckt sich über die tropischen Regionen Mittel- und Südamerikas sowie Teile der Karibik. Der Verbreitungsschwerpunkt liegt im Amazonasbecken, insbesondere in Brasilien, Venezuela, Kolumbien, Peru, Guyana, Suriname und Französisch-Guayana. Einzelne Arten kommen auch auf Trinidad und anderen karibischen Inseln vor.
Ihr bevorzugtes Habitat sind tropische und subtropische Regenwälder, wo sie die mittlere und obere Vegetationsschicht besiedeln. Als arboreale Spinnen leben sie in Baumhöhlen, zwischen Bromelien, in aufgerollten Blättern oder in Spalten der Borke. Dort spinnen sie röhrenförmige Wohngespinste aus dichter Seide, die ihnen als Rückzugsort und Schutz vor Fressfeinden dienen. Gelegentlich werden Baumvogelspinnen auch in menschlichen Siedlungen angetroffen, etwa in Dachsparren oder Mauerritzen, sofern das Mikroklima ausreichend warm und feucht ist.
Ernährung
Baumvogelspinnen sind Lauerjäger und ernähren sich vorwiegend von Insekten und anderen Gliederfüßern. Zu ihrem Beutespektrum zählen Grillen, Schaben, Heuschrecken, Käfer und Nachtfalter. Gelegentlich werden auch kleinere Echsen oder Frösche erbeutet. Trotz des Namens „Vogelspinne" gehören Vögel nicht zum regulären Nahrungsspektrum – die Bezeichnung geht auf eine historische Darstellung der Naturforscherin Maria Sibylla Merian aus dem Jahr 1705 zurück, die eine Spinne beim Verzehr eines Kolibris zeigte.
Die Verdauung erfolgt extraintestinal: Die Spinne injiziert Verdauungssekrete in die Beute und saugt anschließend die verflüssigte Nahrung auf. Baumvogelspinnen können mehrere Wochen ohne Nahrungsaufnahme überleben, was insbesondere vor Häutungen oder während ungünstiger Bedingungen von Bedeutung ist.
Verhalten & Lebensweise
Baumvogelspinnen sind überwiegend nachtaktiv und dämmerungsaktiv. Tagsüber verbergen sie sich in ihren Wohngespinsten, die sie bei Störungen nur ungern verlassen. Bei Bedrohung zeigen sie ein für Vogelspinnen ungewöhnliches Fluchtverhalten: Sie springen oder lassen sich von Ästen fallen und nutzen ihre gespreizten Beine als eine Art Bremsfallschirm. Im Gegensatz zu vielen bodenbewohnenden Vogelspinnenarten bombardieren Avicularia-Arten potenzielle Angreifer nicht mit Brennhaaren. Sie besitzen zwar Setae (Körperhaare), die bei einigen Verwandten als Abwehrwaffe eingesetzt werden, zeigen dieses Verhalten jedoch nur sehr selten oder gar nicht.
Die Tiere leben solitär und beanspruchen individuelle Reviere. Begegnungen zwischen Artgenossen außerhalb der Paarungszeit führen häufig zu Aggressionen. Die Fortbewegung in der Vegetation ist geschickt und erstaunlich schnell – Baumvogelspinnen können abrupt die Richtung wechseln und kurze Sprünge zwischen Ästen vollführen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung wird vom Männchen eingeleitet, das nach der Reifehäutung aktiv auf die Suche nach einem Weibchen geht. Männchen erkennt man an den verdickten Bulbi