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Grammostola

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Tierart – Spinnentiere > Vogelspinnen

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Grammostola Simon, 1892
  • Ordnung: Webspinnen (Araneae)
  • Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
  • Familie: Vogelspinnen (Theraphosidae)
  • Unterfamilie: Theraphosinae
  • Verbreitung: Südamerika (Argentinien, Brasilien, Chile, Paraguay, Uruguay)
  • Körperlänge: 5–9 cm (ohne Beinspannweite); Beinspannweite bis 22 cm
  • Gewicht: 20–60 g, je nach Art
  • Lebenserwartung: Weibchen bis 25 Jahre, Männchen 5–8 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Gattung Grammostola umfasst mittelgroße bis große Vogelspinnen mit einem robusten, gedrungenen Körperbau. Der Vorderkörper (Prosoma) ist schildförmig, leicht abgeflacht und trägt acht Augen, die in einer kompakten Gruppe auf einem leicht erhabenen Augenhügel angeordnet sind. Das Sehvermögen ist – wie bei den meisten Vogelspinnen – nur schwach ausgeprägt. Die Sinneswahrnehmung erfolgt hauptsächlich über empfindliche Tasthaare (Trichobothrien) an den Beinen und Pedipalpen.

Der gesamte Körper ist dicht mit Haaren bedeckt. Die Grundfärbung variiert je nach Art erheblich: Grammostola pulchra zeigt ein samtiges Tiefschwarz, während Grammostola rosea (die Rote Chile-Vogelspinne) eine bräunliche bis kupferrote Behaarung aufweist. Grammostola pulchripes fällt durch auffällig gelb-golden geringelte Beine auf. Am Hinterleib (Opisthosoma) besitzen alle Grammostola-Arten sogenannte Brennhaare, die bei Bedrohung durch Reiben der Hinterbeine abgestreift werden können und bei potentiellen Angreifern Hautreizungen verursachen.

Die Cheliceren (Kieferklauen) sind kräftig und nach unten gerichtet – ein typisches Merkmal der Mygalomorphae, das sie von den Echten Webspinnen (Araneomorphae) unterscheidet. Am Ende der Beine befinden sich jeweils zwei Klauen und dichte Haarbüschel (Scopulae), die das Klettern auf glatten Oberflächen ermöglichen.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Gattung Grammostola erstreckt sich über weite Teile des südlichen Südamerikas. Die verschiedenen Arten besiedeln unterschiedliche Biotope: Grammostola rosea bewohnt die trockenen Halbwüsten und Dornbuschsteppen Nordchiles, während Grammostola anthracina in den gemäßigten Graslandschaften der argentinischen Pampa vorkommt. Grammostola iheringi lebt in den subtropischen Wäldern Südbrasiliens und Uruguays.

Die meisten Arten bevorzugen Habitate mit lockerem, grabfähigem Boden. Sie legen selbst gegrabene Erdhöhlen an oder nutzen vorhandene Unterschlupfe unter Steinen, Rindenstücken und in verlassenen Nagerbauten. Ihre Höhlen kleiden sie teilweise mit Spinnseide aus. Grammostola-Arten gelten als bodenbewohnend (terrestrisch); sie klettern nur selten und leben in der Regel auf oder knapp unter der Erdoberfläche.

Ernährung

Wie alle Vogelspinnen sind Grammostola-Arten Lauerjäger, die keine Fangnetze bauen. Sie warten am Eingang ihrer Wohnröhre oder in deren Nähe auf Beute, die sie durch Bodenvibrationen wahrnehmen. Das Beutespektrum umfasst vorwiegend Insekten wie Grillen, Heuschrecken und Schaben, darüber hinaus auch andere Gliederfüßer, kleine Echsen und gelegentlich nestjunge Mäuse.

Die Beute wird mit einem schnellen Vorstoß gepackt, mit den Cheliceren gebissen und durch ein Giftgemisch immobilisiert. Das Gift von Grammostola gilt für den Menschen als weitgehend ungefährlich – vergleichbar mit einem Bienen- oder Wespenstich. Nach dem Biss wird Verdauungssekret in die Beute injiziert, sodass die vorverdaute Nahrung anschließend in flüssiger Form aufgesaugt werden kann (extraintestinale Verdauung).

Verhalten & Lebensweise

Grammostola-Arten sind überwiegend nachtaktiv. Tagsüber verbleiben sie in ihren Wohnröhren und verlassen diese erst in der Dämmerung oder bei Dunkelheit zur Nahrungssuche. Sie leben strikt einzelgängerisch; jedes Tier bewohnt sein eigenes Revier. Treffen zwei Individuen außerhalb der Paarungszeit aufeinander, kommt es häufig zu Kannibalismus.

Gegenüber Störungen reagieren Grammostola-Arten vergleichsweise ruhig. Bei Bedrohung nehmen sie zunächst eine Drohstellung ein, bei der der Vorderkörper aufgerichtet und die Cheliceren gespreizt werden. Erst bei anhaltender Belästigung setzen sie ihre Brennhaare ein oder beißen zu. Diese vergleichsweise geringe Aggressivität ist ein Grund, weshalb mehrere Grammostola-Arten zu den beliebtesten Vogelspinnen in der Terraristik zählen.

Wie alle Gliederfüßer müssen sich Grammostola-Arten regelmäßig häuten (Ecdysis), um zu wachsen. Junge Tiere häuten sich mehrmals pro Jahr, adulte Weibchen in der Regel einmal jährlich. Männchen häuten sich nach Erreichen der Geschlechtsreife (Reifehäutung) nicht mehr.

Fortpflanzung & Aufzucht

Geschlechtsreife Männchen begeben sich aktiv auf Wanderschaft, um paarungsbereite Weibchen zu finden. Sie erkennen deren Anwesenheit anhand von Pheromonen im Gespinst. Die Balz besteht aus artspezifischen Vibrationsmustern, die das Männchen mit den Vorderbeinen und Pedipalpen erzeugt. Akzeptiert das Weibchen den Partner, hebt es den Vorderkörper an. Das Männchen hakt sich mit speziellen Tibiahaken an den Cheliceren des Weibchens ein und überträgt sein Sperma mithilfe der zu Begattungsorganen umgebildeten