Erdbeervogelspinne
ETierart – Spinnentiere > Vogelspinnen
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Caribena versicolor (Walckenaer, 1837)
- Synonyme: Avicularia versicolor (ältere Bezeichnung)
- Ordnung: Webspinnen (Araneae)
- Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
- Familie: Vogelspinnen (Theraphosidae)
- Unterfamilie: Aviculariinae
- Gattung: Caribena
- Lebensraum: Tropische Regenwälder der Kleinen Antillen
- Körperlänge: 5–6 cm (Körper), Spannweite bis ca. 14–16 cm
- Gewicht: ca. 10–30 g (je nach Geschlecht und Ernährungszustand)
- Lebenserwartung: Weibchen bis 12 Jahre, Männchen 3–4 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Erdbeervogelspinne gehört zu den farbenprächtigsten Vertretern der Familie Theraphosidae. Der deutsche Trivialname leitet sich von der auffälligen Färbung der Jungtiere ab: Frisch geschlüpfte Spiderlinge zeigen eine leuchtend blaue Grundfärbung mit einem schwarzen, baumartigen Muster auf dem Opisthosoma (Hinterleib). Diese Zeichnung erinnert entfernt an die Oberflächenstruktur einer Erdbeere – daher der Name.
Mit zunehmendem Alter verändert sich die Färbung grundlegend. Adulte Tiere besitzen ein metallisch schimmerndes Haarkleid, das je nach Lichteinfall von tiefem Rot über Violett bis hin zu Grün und Blau changiert. Der Carapax (Rückenschild des Prosomas) ist typischerweise grünlich-blau gefärbt, die Beine zeigen eine Mischung aus blaugrünen und rötlichen Tönen, während das Opisthosoma dicht mit langen, rötlichen Haaren bedeckt ist. Dieser Farbwechsel während der Ontogenese ist unter Vogelspinnen ungewöhnlich ausgeprägt.
Wie alle Vogelspinnen besitzt Caribena versicolor vier Paar Laufbeine, ein Paar Pedipalpen und Cheliceren mit nach unten gerichteten Giftklauen – ein typisches Merkmal der Mygalomorphae. Die Beine sind mit Scopula-Haaren (Hafthaaren) an den Tarsen ausgestattet, die dem Tier das Klettern auf glatten Oberflächen ermöglichen. Am Opisthosoma befinden sich Brennhaare vom Typ II, die bei Bedrohung durch Kontakt auf den Angreifer übertragen werden können. Im Gegensatz zu vielen anderen Vogelspinnenarten bombardiert Caribena versicolor ihre Brennhaare jedoch nicht aktiv.
Lebensraum & Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet der Erdbeervogelspinne beschränkt sich auf die Inseln Martinique und Guadeloupe in den Kleinen Antillen (Karibik). Dort besiedelt sie tropische Regenwälder in tiefen bis mittleren Höhenlagen. Als Biotop bevorzugt sie dicht bewachsene, feuchte Waldgebiete mit hoher Luftfeuchtigkeit von 70–90 % und ganzjährig warmen Temperaturen zwischen 24 und 28 °C.
Caribena versicolor ist eine ausgesprochen arboricole (baumbewohnende) Art. Sie hält sich bevorzugt in den mittleren und oberen Vegetationsschichten auf, wo sie Verstecke in Blattachseln, Bromelien, unter loser Rinde oder in Astgabeln anlegt. Dort spinnt sie dichte, tunnelartige Gespinstnester, die als Rückzugsort und Jagdversteck dienen. Diese Lebensweise unterscheidet sie deutlich von terrestrischen Vogelspinnenarten, die Erdröhren bewohnen.
Ernährung
Die Erdbeervogelspinne ernährt sich als Lauerjägerin überwiegend von Insekten und anderen Gliederfüßern. Zum Beutespektrum zählen Grillen, Heuschrecken, Schaben, Käfer, Motten und gelegentlich kleinere Spinnen. In freier Wildbahn werden auch kleine Baumfrösche oder Anolis-Eidechsen erbeutet, sofern sie sich dem Gespinstnest nähern.
Die Verdauung erfolgt extraintestinal: Die Spinne injiziert Verdauungssekrete in die Beute und saugt anschließend die vorverdaute Nahrung auf. Zwischen den Mahlzeiten können mehrere Tage bis Wochen vergehen, insbesondere vor einer Häutung, bei der die Nahrungsaufnahme vollständig eingestellt wird.
Verhalten & Lebensweise
Caribena versicolor ist überwiegend nachtaktiv und verbringt den Großteil des Tages in ihrem Gespinstnest. Dort sitzt sie meist regungslos und wartet auf Vibrationen, die eine herannahende Beute verraten. Die Spinnfäden am Nesteingang dienen als Stolperfäden, die Erschütterungen an die Spinne weiterleiten.
Die Art gilt im Vergleich zu vielen anderen Vogelspinnen als relativ ruhig und wenig aggressiv. Bei Bedrohung flüchtet sie in der Regel schnell in ihr Versteck, statt eine Drohgebärde einzunehmen. Dennoch kann sie bei direkter Bedrängnis beißen. Das Gift von Caribena versicolor ist für den Menschen medizinisch unbedeutend – ein Biss wird in etwa mit einem Wespenstich verglichen, kann aber bei Allergikern stärkere Reaktionen auslösen.
Wie alle Gliederfüßer muss sich die Erdbeervogelspinne regelmäßig häuten, um zu wachsen. Dieser Prozess – die Ecdysis – findet bei Jungtieren alle vier bis sechs Wochen statt, bei adulten Weibchen etwa ein- bis zweimal jährlich. Männchen stellen die Häutung nach Erreichen der Geschlechtsreife ein.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung wird vom Männchen eingeleitet, das nach der Reifehäutung ein Spermanetz spinnt und dort sein Sperma aufnimmt, um es in den Bulbi der Pedipalpen zu speichern. Anschließend begibt es sich auf die Suche nach einem Weibchen. Die Balz erfol