Mexikanische Rotknie
MTierart – Spinnentiere > Vogelspinnen
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Brachypelma hamorii (früher häufig als Brachypelma smithi geführt)
- Ordnung: Webspinnen (Araneae)
- Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
- Familie: Vogelspinnen (Theraphosidae)
- Gattung: Brachypelma
- Lebensraum: Trockenwälder, Halbwüsten und Dornbuschsavannen im westlichen Mexiko
- Körperlänge: 6–8 cm (Körper ohne Beine); Beinspannweite bis 15 cm
- Gewicht: 15–20 g (adulte Weibchen bis 25 g)
- Lebenserwartung: Weibchen bis 30 Jahre; Männchen 5–7 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Mexikanische Rotknievogelspinne gehört zu den bekanntesten und optisch auffälligsten Vertretern der Familie Theraphosidae. Der Vorderkörper (Prosoma) ist von einem hellbraunen bis ockerfarbenen Carapax bedeckt, der von einem dunklen Rand eingefasst wird. Das Opisthosoma (Hinterleib) trägt eine dichte Behaarung aus dunkelbraunen bis schwarzen Haaren.
Das namensgebende Merkmal sind die leuchtend orangeroten bis roten Farbfelder an den Gelenken der Laufbeine, insbesondere an den Patellae (Kniegliedern). Diese Kontrastfärbung aus Schwarz, Orange und Rot macht die Art selbst für Laien unverwechselbar. Die Beine selbst sind überwiegend schwarz behaart, wobei die Metatarsen und Tarsen an den Spitzen heller ausfallen können.
Wie alle Vogelspinnen besitzt Brachypelma hamorii zwei Cheliceren (Kieferklauen) mit Giftdrüsen, acht Laufbeine sowie zwei Pedipalpen. Bei adulten Männchen sind die Pedipalpen zu Begattungsorganen (Bulbi) umgebildet. Männchen sind insgesamt schlanker und langbeiniger als die kompakteren Weibchen. Auf dem Opisthosoma sitzen sogenannte Brennhaare (Setae), die bei Bedrohung abgestreift werden können.
Lebensraum & Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet der Mexikanischen Rotknievogelspinne beschränkt sich auf den Westen Mexikos, insbesondere auf die Bundesstaaten Guerrero, Jalisco, Colima und Michoacán. Das Habitat umfasst laubabwerfende Trockenwälder, Dornbuschsavannen und halbtrockene Gebiete in Höhenlagen zwischen 0 und 1.500 Metern über dem Meeresspiegel.
Die Art bewohnt selbstgegrabene Erdröhren oder nutzt vorhandene Höhlungen unter Steinen, Baumwurzeln und in lockeren Böden. Die Röhren werden mit Spinnseide ausgekleidet und dienen als Rückzugsort, Jagdversteck sowie als Schutz vor Temperaturextremen. Der Boden im Biotop ist in der Regel lehmig bis sandig und ermöglicht das Anlegen von Wohnröhren mit einer Tiefe von 30 bis 50 Zentimetern.
Die taxonomische Zuordnung der Art sorgte lange für Verwirrung. Viele Exemplare, die über Jahrzehnte als Brachypelma smithi im Handel und in wissenschaftlichen Sammlungen geführt wurden, gehören tatsächlich zur 1997 beschriebenen Art Brachypelma hamorii. Die echte Brachypelma smithi unterscheidet sich unter anderem durch eine abweichende Farbverteilung an den Beinen und ein kleineres Verbreitungsgebiet.
Ernährung
Die Mexikanische Rotknievogelspinne ist ein opportunistischer Lauerjäger. Sie ernährt sich vorwiegend von Insekten wie Grillen, Heuschrecken, Schaben und Käfern. Gelegentlich werden auch kleine Wirbeltiere wie junge Eidechsen oder nestjunge Mäuse erbeutet. Die Beute wird vor dem Eingang der Wohnröhre oder in unmittelbarer Nähe überwältigt.
Der Beutefang erfolgt ohne Fangnetz. Stattdessen registriert die Spinne Vibrationen des Bodens über hochempfindliche Sinneshaare (Trichobothrien) an den Beinen. Nähert sich ein potenzielles Beutetier, schnellt die Spinne hervor, packt es mit den Cheliceren und injiziert ein Giftgemisch. Das Gift wirkt neurotoxisch auf Wirbellose und enthält Verdauungsenzyme, die das Gewebe der Beute vorverdauen. Die Spinne saugt anschließend die verflüssigte Nahrung auf – eine extraintestinale Verdauung, die für Spinnen typisch ist.
Verhalten & Lebensweise
Brachypelma hamorii ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber hält sich die Spinne in ihrer Wohnröhre auf und verlässt diese erst bei einsetzender Dunkelheit zur Nahrungssuche. Die Art lebt streng solitär; ein Revier wird nicht aktiv gegen Artgenossen verteidigt, doch die Spinne bleibt über lange Zeiträume standorttreu in ihrem Bau.
Bei Bedrohung zeigt die Mexikanische Rotknievogelspinne ein gestuftes Abwehrverhalten. Als erste Reaktion streift sie mit den Hinterbeinen Brennhaare vom Opisthosoma ab und schleudert diese dem Angreifer entgegen. Diese feinen Haare besitzen Widerhaken und verursachen bei Kontakt mit Haut oder Schleimhäuten starke Reizungen. Erst bei weiterer Bedrängung nimmt die Spinne eine Drohstellung ein, bei der sie den Vorderkörper aufrichtet und die Cheliceren spreizt. Ein tatsächlicher Giftbiss gegenüber Menschen ist selten und in seiner Wirkung mit einem Wespenstich vergleichbar.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung findet in der Regel während der Regenzeit statt. Geschlechtsreife Männchen verlassen nach der letzten Häutung (Reifehäutung) ihre Wohnröhre und begeben sich auf die Suche nach Weibchen. Sie erkennen paarungsbere