Goliath-Vogelspinne
GTierart – Spinnentiere > Vogelspinnen
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Theraphosa blondi
- Ordnung: Webspinnen (Araneae)
- Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
- Familie: Vogelspinnen (Theraphosidae)
- Gattung: Theraphosa
- Lebensraum: Tropischer Regenwald Südamerikas
- Körperlänge: bis 12 cm (ohne Beine); Beinspannweite bis 30 cm
- Gewicht: bis 170 g, in Einzelfällen über 200 g
- Lebenserwartung: Weibchen bis 25 Jahre, Männchen 3–6 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Goliath-Vogelspinne gilt als die schwerste Spinne der Welt und zählt zu den größten überhaupt. Ihr massiger Körper besteht aus dem vorderen Prosoma (Vorderkörper) und dem deutlich größeren Opisthosoma (Hinterleib). Beide Körperabschnitte sind dicht mit bräunlichen bis rotbraunen Haaren bedeckt, die je nach Lichteinfall einen leicht kupferfarbenen Schimmer aufweisen. Die acht Laufbeine sind kräftig gebaut, ebenfalls stark behaart und enden in kleinen Klauen, mit denen sich das Tier auf unterschiedlichem Untergrund sicher fortbewegen kann.
Die Cheliceren (Kieferklauen) sind nach unten gerichtet – ein typisches Merkmal der Vogelspinnenartigen – und können eine Länge von bis zu 2,5 cm erreichen. Sie dienen sowohl dem Beutefang als auch der Verteidigung. Die Pedipalpen, die mundwerkzeugartigen Taster neben den Cheliceren, sind bei Männchen zu Begattungsorganen umgebildet und erscheinen kolbenförmig verdickt. Auf dem Prosoma sitzen acht kleine Punktaugen in zwei Gruppen, deren Sehleistung allerdings gering ist. Die Goliath-Vogelspinne orientiert sich primär über Vibrationen und taktile Reize ihrer empfindlichen Körperhaare.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Theraphosa blondi erstreckt sich über den nördlichen Teil Südamerikas. Die Art kommt in Venezuela, Guyana, Suriname, Französisch-Guayana und im Norden Brasiliens vor. Ihr bevorzugtes Habitat sind feuchte, tropische Tieflandregenwälder mit hoher Luftfeuchtigkeit und konstant warmen Temperaturen zwischen 24 und 28 °C.
Innerhalb dieses Biotops bewohnt die Goliath-Vogelspinne selbst gegrabene Erdhöhlen oder übernimmt verlassene Baue von Nagetieren. Die Eingänge dieser Wohnröhren werden häufig mit Spinnseide ausgekleidet. Die Tiere leben bodennah und klettern im Gegensatz zu einigen baumbewohnenden Vogelspinnenarten nicht auf Vegetation. Die Höhlen bieten Schutz vor Fressfeinden und sorgen für ein gleichmäßig feuchtes Mikroklima, das für die Häutung unerlässlich ist.
Ernährung
Die Goliath-Vogelspinne ist ein opportunistischer Räuber mit einem breiten Nahrungsspektrum. Entgegen ihrem deutschen Namen ernährt sie sich nur in Ausnahmefällen von Vögeln. Die Hauptnahrung besteht aus Wirbellosen wie Insekten, anderen Spinnen und Tausendfüßern. Ergänzend erbeutet sie kleinere Wirbeltiere – darunter Frösche, Eidechsen, Mäuse und gelegentlich kleine Schlangen.
Die Jagdstrategie basiert auf dem Lauerjäger-Prinzip. Die Spinne wartet in der Nähe ihres Höhleneingangs oder auf dem Waldboden, bis sie über Bodenvibrationen Beute wahrnimmt. Dann stößt sie blitzschnell vor, packt die Beute mit den Cheliceren und injiziert ein Gift, das die Beute lähmt. Anschließend wird Verdauungssekret in das Beutetier gepumpt, das dessen Gewebe auflöst. Die Spinne saugt die vorverdaute Nahrung dann auf – eine extraintestinale Verdauung, wie sie für Spinnen typisch ist.
Verhalten & Lebensweise
Theraphosa blondi ist überwiegend nachtaktiv und verbringt den Großteil des Tages verborgen in ihrer Erdhöhle. Die Art lebt einzelgängerisch; Artgenossen werden außerhalb der Paarungszeit gemieden oder angegriffen. Ein festes Revier im engeren Sinne verteidigt die Goliath-Vogelspinne nicht, sie zeigt jedoch eine hohe Standorttreue gegenüber ihrer Wohnhöhle.
Bei Bedrohung verfügt die Art über ein charakteristisches Abwehrverhalten: Sie reibt mit den Hinterbeinen über das Opisthosoma und schleudert dabei Brennhaare (Setae) in Richtung des Angreifers. Diese Brennhaare dringen in Haut und Schleimhäute ein und verursachen starken Juckreiz sowie Entzündungen. Zusätzlich kann die Spinne mit ihren Cheliceren stridulieren – ein zischendes Geräusch erzeugen, indem sie die Basalglieder der Pedipalpen gegen die Cheliceren reibt. Dieses Warngeräusch ist mehrere Meter weit hörbar und soll potenzielle Fressfeinde abschrecken.
Zu den natürlichen Feinden zählen größere Schlangen, bestimmte Raubvögel sowie Wegwespen der Familie Pompilidae, die ihre Eier in gelähmte Vogelspinnen ablegen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Geschlechtsreife Männchen begeben sich aktiv auf die Suche nach paarungsbereiten Weibchen und legen dabei teils erhebliche Strecken zurück. Hat ein Männchen eine bewohnte Höhle gefunden, trommelt es mit den Pedipalpen auf den Boden, um das Weibchen aus dem Bau zu locken. Ist das Weibchen paarungsbereit, kommt es zur Kopulation, bei der das Männchen mit seinen zu Begattungsorganen (Bulbi) umgebildeten Pedipalpentarsus Sperma in die Geschlechtsöffnung (Epigyne) des Weibchens überträgt. Das Männchen versucht unmittelbar nach der Paarung zu fliehen, da es sonst Gefahr läuft, vom größeren Weibchen erbeutet