Bettwanze
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Cimex lectularius
- Ordnung: Schnabelkerfe (Hemiptera)
- Unterordnung: Wanzen (Heteroptera)
- Familie: Plattwanzen (Cimicidae)
- Gattung: Cimex
- Lebensraum: Menschliche Behausungen weltweit, bevorzugt Schlafbereiche
- Größe: 4–8 mm (Adulttiere), nach Blutmahlzeit bis 9 mm
- Gewicht: ca. 1–7 mg (je nach Sättigungszustand)
- Lebenserwartung: 6–12 Monate, unter ungünstigen Bedingungen bis zu 18 Monate
Aussehen & Merkmale
Die Bettwanze besitzt einen stark dorsoventral abgeflachten, oval-rundlichen Körper, der im nüchternen Zustand eine rotbraune Färbung zeigt. Nach einer Blutmahlzeit verändert sich die Körperform deutlich: Das Abdomen schwillt an, wird dunkler und nimmt eine eher längliche Gestalt an. Die Körperoberfläche ist mit feinen, kurzen Härchen besetzt, die dem Tier ein leicht gestreiftes Erscheinungsbild verleihen.
Wie alle Wanzen verfügt Cimex lectularius über einen Stechrüssel (Rostrum), der in Ruhestellung unter den Körper geklappt wird. Dieser besteht aus vier Stechborsten, die in einer Rinne der Unterlippe (Labium) geführt werden. Die Facettenaugen sind relativ klein, Punktaugen (Ocellen) fehlen vollständig. Die Fühler bestehen aus vier Gliedern. Ein auffälliges Merkmal ist das stark reduzierte Flügelpaar: Die Vorderflügel sind zu kleinen, schuppenförmigen Resten (Flügelstummeln) zurückgebildet, Hinterflügel fehlen gänzlich. Bettwanzen sind daher flugunfähig.
Die sechs Beine sind als Laufbeine ausgebildet und ermöglichen der Wanze eine erstaunlich schnelle Fortbewegung auf rauen Oberflächen. Auf glatten Flächen wie Glas oder poliertem Metall finden die Tiere hingegen kaum Halt.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Bettwanze erstreckt sich über nahezu alle besiedelten Regionen der Erde. Als synanthrope Art – also als Kulturfolger – ist sie eng an den Menschen und seine Behausungen gebunden. Ihr Habitat umfasst Wohnungen, Hotels, Herbergen, Krankenhäuser und Transportmittel wie Züge oder Flugzeuge. In der freien Natur kommt die Art praktisch nicht vor.
Innerhalb von Gebäuden bevorzugen Bettwanzen dunkle, enge Verstecke in unmittelbarer Nähe zum Schlafplatz des Wirts. Typische Rückzugsorte sind Matratzenfalze, Bettgestelle, Ritzen in Holzmöbeln, hinter Tapeten, Fußleisten und Steckdosenabdeckungen. Die Tiere bilden dort häufig Aggregationen, die durch ein Aggregationspheromon zusammengehalten werden.
Nach dem weitgehenden Rückgang der Art in den Industrieländern während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – bedingt durch den Einsatz von DDT und anderen Insektiziden – ist seit den 1990er-Jahren weltweit eine deutliche Zunahme des Befalls zu beobachten. Ursachen hierfür sind unter anderem zunehmende Reisetätigkeit, Resistenzbildung gegen Pyrethroide und das Verbot bestimmter Wirkstoffe.
Eine nahe verwandte Art ist die Tropische Bettwanze (Cimex hemipterus), die vorwiegend in tropischen Regionen vorkommt und sich in Biologie und Lebensweise nur geringfügig von C. lectularius unterscheidet.
Ernährung
Bettwanzen sind obligate Hämatophagen – sie ernähren sich ausschließlich von Blut warmblütiger Wirte. Bevorzugter Wirt ist der Mensch, doch auch Fledermäuse, Tauben und andere Haus- sowie Nutztiere können als Blutquelle dienen. Die Nahrungsaufnahme erfolgt über den Stechrüssel, wobei die Wanze zunächst ein Speichelsekret in die Einstichstelle injiziert. Dieses Sekret enthält gerinnungshemmende und schmerzstillende Substanzen, weshalb der Stich während der Nahrungsaufnahme vom Wirt meist nicht wahrgenommen wird.
Eine vollständige Blutmahlzeit dauert etwa 5 bis 15 Minuten, wobei das Tier das Drei- bis Sechsfache seines Körpergewichts an Blut aufnimmt. Im Normalfall saugen Bettwanzen etwa einmal pro Woche. Sie können jedoch bei Nahrungsmangel mehrere Monate – unter kühlen Bedingungen sogar bis zu einem Jahr – ohne Nahrung überleben.
Verhalten & Lebensweise
Bettwanzen sind streng nachtaktiv. Sie verlassen ihre Verstecke vorwiegend in den Stunden vor Sonnenaufgang, wenn der Wirt in tiefem Schlaf liegt. Die Orientierung erfolgt dabei über Körperwärme, ausgeatmetes Kohlendioxid und Körpergeruch des Wirts. Tagsüber verbergen sich die Tiere in ihren Rückzugsorten, wo sie in teilweise dichten Gruppen zusammensitzen. Diese Ansammlungen sind oft an den charakteristischen Kotspuren – kleinen schwarzen Punkten aus verdautem Blut – zu erkennen.
Die Ausbreitung zwischen Räumen und Gebäuden erfolgt passiv über Gepäck, Kleidung, gebrauchte Möbel und andere Gegenstände. Innerhalb eines Gebäudes können Bettwanzen allerdings auch aktiv über Kabelschächte, Rohrleitungen und Wandhohlräume in benachbarte Einheiten gelangen. Ein einzelnes eingeschlepptes befruchtetes Weibchen reicht aus, um einen neuen Befall zu begründen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung der Bettwanze weist eine unter Insekten seltene Besonderheit auf: die sogenannte traumatische Insemination. Das Männchen durchsticht dabei mit seinem dolchförmigen Kopulationsorgan (Paramere) die Körperwand des Weibchens im Bereich eines speziellen Organs, des Ribaga-Organs (auch Spermalege genannt), und gibt die Spermien direkt in die