Kleiderlaus
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Pediculus humanus corporis (auch: Pediculus humanus humanus)
- Ordnung: Tierläuse (Phthiraptera)
- Unterordnung: Echte Tierläuse (Anoplura)
- Familie: Menschenläuse (Pediculidae)
- Gattung: Pediculus
- Lebensraum: Obligater Ektoparasit des Menschen, lebt in Kleidung und Textilien
- Größe: 2,5–4,5 mm (Weibchen etwas größer als Männchen)
- Gewicht: ca. 1–2 mg
- Lebenserwartung: ca. 30–40 Tage; ohne Blutzufuhr maximal 3–7 Tage
Aussehen & Merkmale
Die Kleiderlaus besitzt einen dorsoventral abgeflachten, langgestreckt-ovalen Körper. Wie alle Insekten gliedert sich dieser in Kopf (Caput), Brust (Thorax) und Hinterleib (Abdomen). Die Körperfarbe ist weißlich bis gräulich; nach einer Blutmahlzeit schimmert das Abdomen rötlich-braun durch die dünne, teils durchscheinende Chitinhülle. Flügel fehlen vollständig – ein typisches Merkmal aller Tierläuse, die im Laufe der Evolution als Parasiten ihre Flugfähigkeit verloren haben.
Am Kopf sitzen zwei kurze, fünfgliedrige Antennen sowie stechend-saugende Mundwerkzeuge, die im Ruhezustand in den Kopf zurückgezogen werden. Die drei Beinpaare am Thorax enden jeweils in einer kräftigen Klaue, die zusammen mit einem daumenartigen Fortsatz des vorletzten Beinglieds eine Greifzange bildet. Diese ist bei der Kleiderlaus weniger stark gekrümmt als bei der nah verwandten Kopflaus (Pediculus humanus capitis), da sie primär an Textilfasern und nicht an Haaren Halt finden muss.
Die Augen sind stark reduziert und bestehen lediglich aus einfachen Punktaugen (Ocellen), die nur Hell-Dunkel-Unterschiede wahrnehmen können. Die Orientierung erfolgt überwiegend über thermische und olfaktorische Reize.
Lebensraum & Verbreitung
Die Kleiderlaus ist weltweit verbreitet, kommt jedoch vorwiegend dort vor, wo Menschen unter beengten Verhältnissen leben und ihre Kleidung selten wechseln oder waschen. Ihr Habitat sind Nähte, Falten und Fasern getragener Kleidungsstücke – insbesondere Unterwäsche und körpernah getragene Textilien. Anders als die Kopflaus hält sie sich nicht dauerhaft auf dem menschlichen Körper auf, sondern sucht die Haut nur zur Nahrungsaufnahme auf.
Historisch war die Kleiderlaus in Mitteleuropa weit verbreitet, besonders in Zeiten von Krieg, Hungersnot und Massenmigration. Heute ist ihr Verbreitungsgebiet in Industrieländern stark eingeschränkt; sie findet sich vor allem unter Obdachlosen und in Flüchtlingslagern. In Teilen Afrikas, Asiens und Südamerikas stellt sie nach wie vor ein erhebliches hygienisches und medizinisches Problem dar.
Ernährung
Die Kleiderlaus ist ein obligater Hämatophage – sie ernährt sich ausschließlich von menschlichem Blut. Beide Geschlechter sowie alle Nymphenstadien sind auf Blutmahlzeiten angewiesen. Die Nahrungsaufnahme erfolgt durch Einstechen der stilettartigen Mundwerkzeuge in die Haut, wobei Speichel injiziert wird, der gerinnungshemmende und gefäßerweiternde Substanzen enthält. Dieser Speichel verursacht die typische allergische Reaktion mit Juckreiz und Quaddelbildung.
Eine einzelne Blutmahlzeit dauert etwa 15–30 Minuten. Die Kleiderlaus nimmt pro Tag mehrere Mahlzeiten zu sich, typischerweise zwei bis fünf. Ohne Zugang zu einem Wirt verhungert sie innerhalb weniger Tage, wobei die Überlebensdauer stark temperaturabhängig ist – bei niedrigen Temperaturen kann sie bis zu einer Woche überdauern.
Verhalten & Lebensweise
Die Kleiderlaus zeigt keine ausgeprägte Tag-Nacht-Rhythmik, ist jedoch tendenziell aktiver, wenn der Wirt ruht und die Körperwärme gleichmäßig an die Kleidung abgegeben wird. Sie bewegt sich relativ langsam und kann weder springen noch fliegen. Die Übertragung zwischen Menschen erfolgt durch direkten Körperkontakt, gemeinsam genutzte Kleidung oder Bettwäsche.
Kleiderläuse leben gesellig und bilden in den Nähten und Falten der Kleidung dichte Ansammlungen, die mehrere Hundert Individuen umfassen können. Sie orientieren sich stark an Temperaturen zwischen 29 und 32 °C, was der Hautoberfläche des Menschen entspricht. Bei Fieber des Wirts oder nach dessen Tod verlassen sie den Kleidungsstoff aktiv und suchen einen neuen Wirt.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Weibchen legen nach der Begattung täglich etwa 5–10 Eier (Nissen), die sie mit einem wasserunlöslichen Klebstoff an den Fasern der Kleidung befestigen. Insgesamt kann ein Weibchen in seinem Leben rund 200–300 Eier ablegen. Die Eier sind oval, weißlich und etwa 0,8 mm lang.
Die Embryonalentwicklung dauert bei optimaler Temperatur (30–32 °C) etwa 7–10 Tage. Die schlüpfenden Larven durchlaufen drei Nymphenstadien, die sich jeweils durch eine Häutung voneinander abgrenzen. Jedes Nymphenstadium dauert 3–5 Tage. Die Gesamtentwicklung vom Ei zum geschlechtsreifen Adulttier beträgt somit etwa 16–25 Tage. Bereits die erste Nymphe ist auf Blutmahlzeiten angewiesen und ähnelt in ihrer Körperform dem adulten Tier, ist jedoch kleiner und noch nicht fortpflanzungsfähig.
Bedrohung & Schutzstatus
Als obligater Humanparasit unterliegt die Kleiderlaus keinem Schutzstatus. Sie wird von der IUCN nicht gelistet. Im Gegenteil: Die Bekämpfung der Kleiderlaus ist ein zentrales Anliegen der öffentlichen Gesundheitsvorsorge, da sie als