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Blattlaus

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Tierart – Insekten > Wanzen, Zikaden & Läuse

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Aphidoidea (Überfamilie)
  • Ordnung: Schnabelkerfe (Hemiptera)
  • Unterordnung: Pflanzenläuse (Sternorrhyncha)
  • Familien (Auswahl): Röhrenblattläuse (Aphididae), Zwergläuse (Adelgidae), Blasenläuse (Pemphigidae)
  • Lebensraum: Nahezu alle terrestrischen Habitate mit Pflanzenbewuchs; Gärten, Wälder, Wiesen, Kulturland
  • Größe: 1–7 mm (je nach Art)
  • Gewicht: Wenige Mikrogramm bis etwa 1 mg
  • Lebenserwartung: Einzeltiere wenige Wochen bis Monate; Kolonien können über mehrere Generationen ganzjährig bestehen
  • Anzahl bekannter Arten: Weltweit ca. 5.000, in Mitteleuropa rund 850

Aussehen & Merkmale

Blattläuse sind kleine, weichhäutige Insekten mit einem birnen- bis ovalförmigen Körper. Die Körperfarbe variiert stark zwischen den Arten und reicht von grün, gelb und rosa bis zu braun und schwarz. Manche Arten tragen eine wachsartige oder wollige Behaarung, die ihnen ein mehliges Aussehen verleiht – etwa die Wollige Apfelblattlaus (Eriosoma lanigerum).

Charakteristisch für viele Vertreter der Familie Aphididae sind die sogenannten Siphonen (auch Corniculi oder Röhrenblattlaus-Röhrchen), zwei röhrenartige Fortsätze am Hinterleib, über die Abwehrsekrete und Alarmpheromone abgesondert werden. Der Kopf trägt zwei mehrgliedrige Fühler sowie stechend-saugende Mundwerkzeuge, die zu einem feinen Stechrüssel (Rostrum) umgebildet sind. Mit diesem durchdringen die Tiere pflanzliche Gewebe, um an den Phloemsaft zu gelangen.

Blattläuse treten in geflügelten und ungeflügelten Formen auf. Die geflügelten Morphen (Alatae) besitzen zwei Paar häutige, transparente Flügel, die in Ruhestellung dachartig über dem Hinterleib liegen. Diese Flügelpolymorphie ist keine Artunterscheidung, sondern eine innerartliche Formenvariabilität, die durch Umweltbedingungen wie Koloniedichte oder Nahrungsqualität gesteuert wird.

Lebensraum & Verbreitung

Blattläuse sind weltweit verbreitet, mit Schwerpunkt in den gemäßigten Breiten der Nordhalbkugel. In tropischen Regionen ist ihre Artenzahl geringer, dafür treten dort einzelne Arten ganzjährig in hohen Populationsdichten auf. Ihr Verbreitungsgebiet umfasst praktisch jedes Biotop, in dem höhere Pflanzen vorkommen – von Tiefland-Wiesen über montane Waldgebiete bis hin zu arktischen Tundren.

Viele Arten zeigen eine enge Wirtspflanzenbindung. So lebt die Schwarze Bohnenlaus (Aphis fabae) bevorzugt an Bohnen, Rüben und Pfaffenhütchen, während die Grüne Pfirsichblattlaus (Myzus persicae) ein breites Wirtsspektrum von über 400 Pflanzenarten besiedelt. Einige Gattungen wie Adelges oder Dreyfusia sind als Forstschädlinge an Nadelbäumen von Bedeutung.

Ernährung

Blattläuse ernähren sich ausschließlich phytophag vom Phloemsaft ihrer Wirtspflanzen. Der Stechrüssel wird zwischen die Pflanzenzellen vorgeschoben, bis er ein Siebröhrenglied erreicht. Da Phloemsaft reich an Zucker, aber arm an Aminosäuren ist, müssen die Tiere große Mengen Saft aufnehmen. Den Zuckerüberschuss scheiden sie als klebrige Lösung aus – den sogenannten Honigtau. Dieser Honigtau dient wiederum Ameisen, bestimmten Wespen und Pilzen (Rußtaupilze) als Nahrungsquelle.

Zur Verbesserung der Stickstoffversorgung beherbergen nahezu alle Blattlausarten obligat-symbiontische Bakterien der Gattung Buchnera aphidicola in spezialisierten Zellen, den Bacteriozyten. Diese Endosymbionten synthetisieren essenzielle Aminosäuren, die im Phloemsaft fehlen. Die Symbiose besteht seit mindestens 160 Millionen Jahren und ist für beide Partner obligat – weder die Bakterien noch die Blattläuse sind ohne den jeweils anderen lebensfähig.

Verhalten & Lebensweise

Blattläuse leben gesellig in dichten Kolonien auf Blättern, Trieben, Stängeln oder Wurzeln ihrer Wirtspflanzen. Ein ausgeprägtes Revierverhalten existiert nicht. Die Tiere sind überwiegend tagaktiv und bewegen sich nur wenig, solange die Nahrungsquelle ergiebig ist. Bei Bedrohung durch Fressfeinde – etwa Marienkäfer, Florfliegen oder Schwebfliegenlarven – setzen einige Individuen Alarmpheromone aus den Siphonen frei, woraufhin sich Koloniemitglieder fallenlassen oder zerstreuen.

Eine ökologisch bedeutsame Beziehung besteht zwischen Blattläusen und verschiedenen Ameisenarten. Die Ameisen betreiben regelrechte „Blattlauspflege" (Trophobiose): Sie beschützen die Läuse vor Fressfeinden, transportieren sie auf neue Pflanzenteile und nehmen im Gegenzug den abgesonderten Honigtau auf. Bei manchen Arten, etwa der Wurzellaus Forda formicaria, leben die Blattläuse dauerhaft in Ameisennestern.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzungsbiologie der Blattläuse gehört zu den komplexesten im gesamten Insektenreich. Viele Arten zeigen einen zyklischen Wechsel zwischen geschlechtlicher und ungeschlechtlicher Vermehrung (Heterogonie). Im Frühjahr und Sommer vermehren sich die Weibchen parthenogenetisch – also ohne Befruchtung – und bringen lebende Jungtiere zur Welt (Viviparie). Die Embryonen beginnen bereits im Mutterleib mit der eigenen Embryonalentwicklung, sodass ein Weibchen gewisserma