T Tierlexikon.net
← Lexikon

Bisamspitzmaus

B

Tierart – Säugetiere > Insektenfresser & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Suncus murinus
  • Ordnung: Insektenfresser (Eulipotyphla)
  • Familie: Spitzmäuse (Soricidae)
  • Unterfamilie: Weißzahnspitzmäuse (Crocidurinae)
  • Gattung: Suncus
  • Lebensraum: Tropische und subtropische Regionen Süd- und Südostasiens, Ostafrika; stark synanthrop
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge 12–15 cm, Schwanzlänge 6–8 cm
  • Gewicht: 30–80 g, gelegentlich bis 100 g
  • Lebenserwartung: Etwa 1,5–2,5 Jahre in freier Wildbahn; in Gefangenschaft bis zu 3 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Bisamspitzmaus ist eine der größten Vertreterinnen der Familie der Spitzmäuse. Ihr Körperbau ist gedrungen und kräftig, der Kopf auffallend groß mit einer lang ausgezogenen, spitz zulaufenden Schnauze. Die kleinen, runden Augen liegen seitlich am Kopf und deuten auf eine eher untergeordnete Rolle des Sehsinns hin. Die Ohrmuscheln sind kurz, aber deutlich sichtbar und ragen aus dem Fell hervor – ein Unterscheidungsmerkmal gegenüber vielen kleineren Spitzmausarten.

Das Fell ist kurz, dicht und von graubrauner bis schiefergrauer Färbung. Die Unterseite ist geringfügig heller als der Rücken. An den Körperseiten, insbesondere an den Flanken, befinden sich Moschusdrüsen, die ein streng riechendes Sekret absondern. Dieses Sekret hat der Art ihren deutschen Namen „Bisamspitzmaus" eingebracht – der Begriff „Bisam" verweist auf den moschusartigen Geruch. Der Schwanz ist relativ dick, kaum behaart und mit vereinzelten langen Tasthaaren (Sinushaaren) besetzt, die eine sensorische Funktion erfüllen.

Die Zähne der Bisamspitzmaus sind wie bei allen Weißzahnspitzmäusen vollständig weiß, ohne die bei Rotzahnspitzmäusen (Soricinae) typische Rotfärbung der Zahnspitzen. Das Gebiss ist mit 30 Zähnen vollständig und zeigt eine insektivore Spezialisierung mit scharfen, spitz zulaufenden Höckern.

Lebensraum & Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Bisamspitzmaus erstreckt sich über weite Teile Südasiens – vom indischen Subkontinent über Sri Lanka bis nach Südchina, Taiwan und die Inseln Südostasiens. Darüber hinaus kommt die Art in Ostafrika und auf zahlreichen Inseln des Indischen Ozeans und des westlichen Pazifiks vor. Viele dieser Inselpopulationen gehen auf eine anthropogene Verschleppung zurück, da die Bisamspitzmaus seit Jahrhunderten als Kulturfolger menschliche Siedlungen begleitet.

Ihr bevorzugtes Habitat umfasst offene und halboffene Landschaften, darunter Grasland, Buschland, Agrarflächen und Gärten. In dichtem, geschlossenem Wald kommt sie selten vor. Eine starke Bindung besteht an menschliche Siedlungen: Die Bisamspitzmaus bewohnt Häuser, Lagerhallen, Märkte und Abfalldeponien und ist in vielen tropischen Städten ein häufiger, wenn auch oft ungebetener Mitbewohner. Dieses synanthrope Verhalten macht sie zu einer der am weitesten verbreiteten Spitzmausarten weltweit.

Ernährung

Die Bisamspitzmaus ist ein opportunistischer Allesfresser mit Schwerpunkt auf tierischer Nahrung. Den Hauptteil ihres Speiseplans machen Insekten und deren Larven, Regenwürmer, Schnecken und andere Wirbellose aus. Ergänzend frisst sie pflanzliche Kost, darunter Früchte, Samen und Getreide, sowie Küchenabfälle und Aas. In menschlichen Siedlungen nutzt sie Nahrungsquellen, die auch Ratten und Hausmäuse anziehen, und steht mit diesen teilweise in direkter Nahrungskonkurrenz.

Der Stoffwechsel der Bisamspitzmaus ist für eine Spitzmaus vergleichsweise moderat, da ihre Körpergröße ein günstigeres Verhältnis von Oberfläche zu Volumen erlaubt als bei kleineren Verwandten. Dennoch muss sie täglich Nahrung in einer Menge aufnehmen, die einem erheblichen Anteil ihres Körpergewichts entspricht. Längere Hungerperioden übersteht sie nur schlecht.

Verhalten & Lebensweise

Die Bisamspitzmaus ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, zeigt aber in menschlichen Gebäuden auch tagsüber Aktivität. Sie lebt einzelgängerisch und verteidigt ein Revier, das sie mit dem Sekret ihrer Flankendrüsen markiert. Der charakteristische Moschusgeruch dient sowohl der Reviermarkierung als auch der innerartlichen Kommunikation.

Die Fortbewegung erfolgt bodennah; die Bisamspitzmaus läuft schnell und wendig durch dichtes Gestrüpp, entlang von Wänden und durch enge Spalten. Sie kann kurze Strecken schwimmen, ist aber kein ausgeprägter Wasserbewohner. Ihr Orientierungssystem stützt sich vorrangig auf den Geruchssinn und den Tastsinn der Vibrissen. Die Lautäußerungen umfassen hohe Quiek- und Zwitscherlaute; ob die Art Echoortung nutzt, wie sie für einige andere Spitzmäuse diskutiert wird, ist nicht gesichert.

Gegenüber Fressfeinden setzt die Bisamspitzmaus auf ihr stark riechendes Drüsensekret als chemische Abwehr. Katzen, die Bisamspitzmäuse fangen, fressen sie häufig nicht, sondern lassen die Beute aufgrund des unangenehmen Geschmacks liegen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Bisamspitzmaus pflanzt sich in tropischen Gebieten ganzjährig fort; in saisonaleren Klimaten konzentriert sich die Fortpflanzung auf die warmen und feuchten Monate. Nach einer Tragzeit von etwa 30 Tagen bringt das Weibchen einen