Goldmull
GTierart – Säugetiere > Insektenfresser & Co
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Chrysochloridae (Familie)
- Ordnung: Tenrekartige (Afrosoricida)
- Familie: Goldmulle (Chrysochloridae)
- Anzahl der Arten: 21 rezente Arten in 10 Gattungen
- Lebensraum: Sandböden, Grasland, Buschland und Waldgebiete im südlichen Afrika
- Größe: 7–24 cm Kopf-Rumpf-Länge, je nach Art
- Gewicht: 15–500 g
- Lebenserwartung: geschätzt 5–10 Jahre (in freier Wildbahn kaum erforscht)
Aussehen & Merkmale
Goldmulle verdanken ihren Namen dem metallisch schimmernden Fell, das je nach Art und Lichteinfall in Gold-, Kupfer-, Bronze- oder Violetttönen glänzt. Dieser iridisierende Effekt entsteht durch die besondere Struktur der abgeflachten Haarschäfte, die Licht in unterschiedlichen Wellenlängen reflektieren. Das Fell ist zudem extrem dicht und wasserabweisend, was ein Verkleben mit feuchtem Erdreich verhindert.
Der Körperbau ist stromlinienförmig und kompakt – eine typische Anpassung an das unterirdische Leben. Die Augen sind vollständig von einer behaarten Haut überwachsen und funktionslos. Äußere Ohrmuscheln fehlen; die Gehöröffnungen liegen unter dem Fell verborgen. Die kurze, lederartige Schnauze dient als Grabwerkzeug und Tastorgan. An den Vorderpfoten tragen Goldmulle kräftige Grabklauen, wobei die dritte Klaue besonders vergrößert und als Hauptgrabinstrument ausgebildet ist. Ein Schwanz fehlt oder ist nur als rudimentärer Stummel vorhanden.
Trotz der äußerlichen Ähnlichkeit mit dem europäischen Maulwurf (Talpa europaea) sind Goldmulle mit diesem nicht näher verwandt. Die Übereinstimmungen im Körperbau sind ein klassisches Beispiel für konvergente Evolution – die unabhängige Entwicklung ähnlicher Merkmale bei nicht verwandten Arten als Antwort auf vergleichbare ökologische Anforderungen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Goldmulle beschränkt sich auf das subsaharische Afrika, mit einem klaren Schwerpunkt im südlichen Teil des Kontinents. Die meisten Arten kommen in Südafrika vor, einzelne Gattungen besiedeln auch Teile von Mosambik, Simbabwe, Tansania, Kamerun und der Demokratischen Republik Kongo.
Als Habitat bevorzugen viele Arten sandige oder lockere Böden, die das Graben erleichtern. Der Kapgoldmull (Chrysochloris asiatica) besiedelt sowohl Gärten als auch Küstendünen der südafrikanischen Kapregion. Der Hottentottengoldmull (Amblysomus hottentotus) ist in Grasland und Buschsavannen verbreitet. Der Riesengoldmull (Chrysospalax trevelyani), die größte Art der Familie, lebt hingegen in feuchten Bergwäldern der Ostkap-Provinz. Einige Arten wie der Grants-Wüstengoldmull (Eremitalpa granti) haben sich an extrem aride Biotope in der Namib-Wüste angepasst und „schwimmen" buchstäblich durch den losen Sand der Dünen, ohne permanente Tunnelsysteme anzulegen.
Ernährung
Goldmulle ernähren sich vorwiegend von wirbellosen Tieren. Auf dem Speiseplan stehen Regenwürmer, Insektenlarven, Käfer, Termiten und andere Bodenbewohner. Größere Arten wie der Riesengoldmull nehmen gelegentlich auch kleine Echsen oder Jungmäuse zu sich. Der Grants-Wüstengoldmull hat sich darauf spezialisiert, Termiten und andere Insekten unter der Sandoberfläche aufzuspüren.
Zur Ortung der Beute nutzen Goldmulle vor allem ihren ausgezeichneten Gehörsinn und die Fähigkeit, Vibrationen im Boden wahrzunehmen. Die vergrößerten Gehörknöchelchen im Mittelohr – insbesondere ein hypertrophierter Malleus – ermöglichen die Detektion niederfrequenter Bodenerschütterungen, die von sich bewegender Beute erzeugt werden. Diese seismische Wahrnehmung kompensiert den vollständigen Verlust des Sehvermögens.
Verhalten & Lebensweise
Goldmulle leben überwiegend einzelgängerisch und territorial. Die meisten Arten sind vorwiegend nachtaktiv oder dämmerungsaktiv, wobei die unterirdische Lebensweise eine klare Zuordnung erschwert. Tagsüber ruhen sie in ihren Bauten, die aus einem Netz von flachen und tiefen Tunneln bestehen. Flache Oberflächentunnel dienen der Nahrungssuche, tiefere Gänge bieten Schutz vor Fressfeinden und extremen Temperaturen.
Der Grants-Wüstengoldmull bildet eine Ausnahme unter den grabenden Arten: Er gräbt keine festen Tunnel, sondern bewegt sich knapp unter der Sandoberfläche fort, wobei der Sand hinter ihm sofort wieder zusammenfällt. Nachts kommt er gelegentlich an die Oberfläche und legt dabei erstaunliche Distanzen von mehreren Kilometern zurück.
Goldmulle können ihre Körpertemperatur in Ruhephasen deutlich absenken und fallen in einen Torpor – einen kurzfristigen Starrezustand, der den Energieverbrauch drastisch reduziert. Diese Fähigkeit ist besonders bei Arten in Wüstenhabitaten ausgeprägt, wo die Nahrungsverfügbarkeit stark schwankt.
Fortpflanzung & Aufzucht
Über die Fortpflanzungsbiologie der Goldmulle ist vergleichsweise wenig bekannt, da ihre unterirdische Lebensweise Beobachtungen erheblich erschwert. Die Weibchen bringen in der Regel ein bis zwei nackte und blinde Jungtiere pro Wurf zur Welt. Die Tragzeit beträgt, soweit untersucht, etwa 40 bis 50 Tage. Die Aufzucht findet in einer gepolsterten Nestkammer statt, die tiefer im Tunnelsystem liegt. Die Jungtiere werden gesäugt und verlassen nach einigen Wochen das mütterliche Revier, um eigene Territorien zu etablieren. Eine Beteiligung des Männchens an der Jungenaufzu