Rüsselspringer
RTierart – Säugetiere > Insektenfresser & Co
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Macroscelidea (Ordnung); diverse Gattungen und Arten, z. B. Elephantulus, Petrodromus, Rhynchocyon
- Ordnung: Rüsselspringer (Macroscelidea)
- Familie: Macroscelididae
- Lebensraum: Trockensavannen, Halbwüsten, Buschland, tropische Wälder – ausschließlich in Afrika
- Größe: 10–31 cm Kopf-Rumpf-Länge (je nach Art), Schwanz zusätzlich 8–26 cm
- Gewicht: 25–700 g
- Lebenserwartung: 2–4 Jahre in freier Wildbahn, bis etwa 7 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Rüsselspringer verdanken ihren deutschen Namen der auffällig verlängerten, rüsselartigen Nase, die sie ständig tastend bewegen. Dieses hochbewegliche Riechorgan dient der Nahrungssuche und der Orientierung in dichter Vegetation. Die Tiere besitzen große, rundliche Augen, die auf eine gute Sehfähigkeit hindeuten, sowie relativ große, dünne Ohren.
Das Fell ist je nach Art und Lebensraum unterschiedlich gefärbt – von sandgelb und graubraun bei Arten der offenen Steppen bis hin zu kräftigem Rotbraun oder Schwarz bei den waldbewohnenden Riessenrüsselspringern der Gattung Rhynchocyon. Die Unterseite ist in der Regel heller. Das Haarkleid ist kurz, dicht und weich.
Ein charakteristisches Merkmal sind die stark verlängerten Hinterbeine, die deutlich länger als die Vorderbeine ausfallen. Diese Proportionen erlauben den Tieren eine hüpfende, an Kängurus erinnernde Fortbewegung in hohem Tempo. Die Hinterfüße besitzen – artabhängig – vier oder fünf Zehen. Der Schwanz ist lang, dünn und kaum behaart; er dient beim Laufen als Balancierhilfe.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Rüsselspringer erstreckt sich ausschließlich über den afrikanischen Kontinent. Die verschiedenen Arten besiedeln dabei ein breites Spektrum an Habitaten: Die kleineren Vertreter der Gattung Elephantulus bewohnen bevorzugt trockene, offene Landschaften wie Savannen, Halbwüsten und felsiges Buschland in Ost- und Südafrika. Die Kurzohrrüsselspringer (Macroscelides) kommen in der Namib und anderen ariden Biotopen des südwestlichen Afrika vor.
Die größten Vertreter, die Riesenrüsselspringer (Rhynchocyon), leben dagegen in den tropischen und subtropischen Wäldern Ost- und Zentralafrikas, darunter die Küstenwälder Kenias und Tansanias. Der Vierfarb-Rüsselspringer (Rhynchocyon cirnei) ist in den Bergwäldern Mosambiks und Malawis zu finden. Einige Arten haben ein eng begrenztes Verbreitungsgebiet und gelten daher als endemisch für bestimmte Regionen.
Ernährung
Rüsselspringer sind überwiegend Insektenfresser. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Ameisen, Termiten, Käfern, Spinnen und anderen wirbellosen Tieren, die sie mit der beweglichen Rüsselnase im Laub, unter Steinen und in der oberen Bodenschicht aufspüren. Ergänzend fressen manche Arten auch Samen, Beeren und junge Pflanzenteile, sodass sie als omnivor mit starker Tendenz zur Insektivorie einzustufen sind.
Die Nahrungssuche erfolgt meist in schnellen, systematischen Bewegungen entlang eingespielter Pfade. Rüsselspringer legen in ihrem Revier ein Netz aus kleinen Trampelpfaden an, das sie regelmäßig von Laub und Ästen freihalten. Über diese Pfade bewegen sie sich schnell und effizient zu ihren Futterstellen und können bei Gefahr blitzschnell fliehen.
Verhalten & Lebensweise
Die meisten Rüsselspringerarten sind tagaktiv, einige kleinere Arten zeigen jedoch auch dämmerungs- oder nachtaktive Phasen. Rüsselspringer leben typischerweise als monogame Paare, die ein gemeinsames Revier bewohnen und dieses gegen Artgenossen verteidigen. Trotz der Paarbindung verbringen die Partner den Großteil des Tages getrennt voneinander und treffen sich nur zur Paarung oder an gemeinsamen Ruheplätzen.
Die Reviermarkierung erfolgt über Duftdrüsen an der Brustunterseite und durch Urin. Gegenüber Eindringlingen zeigen die Tiere Drohverhalten wie Stampfen mit den Hinterbeinen und lautes Trommeln auf den Boden. Bei akuter Gefahr durch Raubfeinde – darunter Schlangen, Greifvögel und kleine Raubtiere – setzen Rüsselspringer auf ihre Schnelligkeit. Einzelne Arten erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 28 km/h, was sie gemessen an ihrer Körpergröße zu den schnellsten kleinen Säugetieren Afrikas macht.
Als Unterschlupf nutzen die Tiere je nach Art Felsspalten, selbst gegrabene flache Mulden, Laubhaufen oder verlassene Bauten anderer Tiere. Eigentliche Baue graben sie in der Regel nicht.
Fortpflanzung & Aufzucht
Rüsselspringer pflanzen sich je nach Art ein- bis mehrmals pro Jahr fort. Die Tragzeit ist für Tiere dieser Größe ungewöhnlich lang und beträgt 45 bis 60 Tage. Pro Wurf kommen meist ein bis zwei Jungtiere zur Welt, selten drei. Die Neugeborenen sind im Vergleich zu anderen kleinen Säugetieren weit entwickelt: Sie besitzen bei der Geburt bereits ein vollständiges Fell, offene Augen und können nach kurzer Zeit selbstständig laufen.
Die Mutter säugt die Jungen nur wenige Male am Tag und hält sich ansonsten fern vom Nest – eine Strategie, die vermutlich dazu dient, Raubfeinde nicht auf den Nachwuchs aufmerksam zu machen. Nach etwa zwei bis drei Wochen nehmen die Jungtiere feste Nahrung zu sich. Die Geschlechtsreife wird