Desman
DTierart – Säugetiere > Insektenfresser & Co
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Desmana moschata (Russischer Desman), Galemys pyrenaicus (Pyrenäen-Desman)
- Ordnung: Insektenfresser (Eulipotyphla)
- Familie: Maulwürfe (Talpidae)
- Unterfamilie: Desmaninae
- Lebensraum: Fließ- und Stillgewässer, Flussauen, Gebirgsbäche
- Größe: Russischer Desman: 18–22 cm Körperlänge (Schwanz zusätzlich 17–20 cm); Pyrenäen-Desman: 11–16 cm Körperlänge (Schwanz 12–16 cm)
- Gewicht: Russischer Desman: 400–520 g; Pyrenäen-Desman: 35–80 g
- Lebenserwartung: 3–5 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Desmane gehören zu den wenigen Vertretern der Maulwurfsfamilie, die sich an ein Leben im Wasser angepasst haben. Ihr auffälligstes Merkmal ist der lange, seitlich abgeflachte und bewegliche Rüssel, der an der Spitze mit empfindlichen Tastorganen – den sogenannten Eimerschen Organen – besetzt ist. Dieser Rüssel dient sowohl der Nahrungssuche als auch der Orientierung im trüben Wasser.
Das Fell ist dicht und wasserabweisend, bestehend aus einer feinen, lufteinschließenden Unterwolle und längeren Deckhaaren. Beim Russischen Desman (Desmana moschata) ist die Oberseite dunkelbraun bis rötlichbraun gefärbt, die Unterseite heller, oft silbergrau. Der Pyrenäen-Desman (Galemys pyrenaicus) zeigt eine ähnliche Farbgebung, ist jedoch insgesamt kleiner und kompakter gebaut.
Die Hinterfüße sind durch Schwimmhäute verbreitert und fungieren als effektive Paddel. Der seitlich abgeflachte Schwanz des Russischen Desmans dient als Steuerruder und ist an der Basis mit Moschusdrüsen ausgestattet, die ein stark riechendes Sekret absondern – daher der Artname moschata. Die Augen sind stark reduziert und nahezu funktionslos; die Tiere verlassen sich vorwiegend auf Tastsinn und Geruch.
Lebensraum & Verbreitung
Die beiden Desmanarten besiedeln grundlegend verschiedene Habitate, obwohl beide eng an Gewässer gebunden sind. Das Verbreitungsgebiet des Russischen Desmans erstreckt sich über Teile Osteuropas und Zentralrusslands. Er bewohnt langsam fließende Flüsse, Altarme, Seen und sumpfige Auenlandschaften mit dichter Ufervegetation. Besonders wichtig sind stabile, nicht zu steile Uferböschungen, in die er seine Wohnbaue gräbt. Die Eingänge dieser Baue liegen stets unter der Wasseroberfläche.
Der Pyrenäen-Desman hingegen lebt in schnell fließenden, sauerstoffreichen Gebirgsbächen der Pyrenäen sowie in Teilen des Kantabrischen Gebirges und Nordportugals. Sein Biotop umfasst klare, kalte Berggewässer in Höhenlagen zwischen 300 und 2.500 Metern. Er bevorzugt steiniges Substrat mit zahlreichen Versteckmöglichkeiten unter Felsen und Wurzelwerk.
Historisch war der Russische Desman wesentlich weiter verbreitet. Durch Lebensraumverlust, Gewässerregulierung und die Einführung gebietsfremder Arten wie Bisam und Mink hat sich sein Verbreitungsgebiet drastisch verkleinert.
Ernährung
Desmane ernähren sich überwiegend von aquatischen Wirbellosen. Zum Nahrungsspektrum zählen Insektenlarven – insbesondere Köcherfliegen-, Eintagsfliegen- und Zuckmückenlarven –, Krebstiere, Schnecken, Würmer und kleine Muscheln. Der Russische Desman nimmt gelegentlich auch kleine Fische, Amphibien und Pflanzenteile zu sich.
Die Nahrungssuche erfolgt vorwiegend taktil: Der bewegliche Rüssel wird über den Gewässergrund geführt und ertastet dabei Beutetiere unter Steinen und im Sediment. Die hohe Dichte an Nervenenden im Rüssel ermöglicht eine präzise Lokalisierung selbst kleinster Organismen. Pro Tag nehmen Desmane eine Nahrungsmenge auf, die etwa ihrem halben Körpergewicht entspricht – eine Notwendigkeit, die sich aus dem hohen Energieverbrauch der semiaquatischen Lebensweise ergibt.
Verhalten & Lebensweise
Desmane sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, können aber auch tagsüber bei der Nahrungssuche beobachtet werden. Sie leben einzelgängerisch oder in kleinen Familiengruppen. Der Russische Desman legt unterirdische Gangsysteme mit mehreren Kammern an, die als Schlaf- und Brutstätten dienen. Diese Baue besitzen typischerweise zwei bis drei Ausgänge, die unter Wasser münden.
Beide Arten sind hervorragende Schwimmer und Taucher. Der Russische Desman kann bis zu fünf Minuten unter Wasser bleiben, während der kleinere Pyrenäen-Desman eher kurze, rasche Tauchgänge unternimmt. An Land bewegen sich Desmane eher unbeholfen – ihre Körperproportionen sind auf das Wasserleben hin optimiert.
Das Moschussekret des Russischen Desmans spielt eine Rolle bei der Markierung von Revieren und der innerartlichen Kommunikation. Die Reviergrößen variieren je nach Nahrungsangebot und Gewässerstruktur erheblich.
Fortpflanzung & Aufzucht
Der Russische Desman pflanzt sich zweimal jährlich fort, wobei die Hauptpaarungszeiten im Frühjahr und Herbst liegen. Die Tragzeit beträgt rund 40 bis 50 Tage. Ein Wurf umfasst in der Regel drei bis fünf Jungtiere, die blind und nackt zur Welt kommen. Die Aufzucht findet in der geschützten Nestkammer des Baus statt. Nach etwa vier bis fünf Wochen öffnen sich die Augen, und mit rund zwei Monaten beginnen die Jungtiere, selbstständ