T Tierlexikon.net
← Lexikon

Blattschneiderbiene

B

Tierart – Insekten > Hautflügler

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Megachile spp. (zahlreiche Arten)
  • Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
  • Familie: Megachilidae (Bauchsammlerbienen)
  • Gattung: Megachile
  • Lebensraum: Offene Landschaften, Waldränder, Gärten, Trockenrasen, urbane Gebiete
  • Größe: 8–18 mm (artabhängig)
  • Gewicht: ca. 50–200 mg
  • Lebenserwartung: Wenige Wochen bis Monate (adulte Tiere); eine Generation pro Jahr

Aussehen & Merkmale

Blattschneiderbienen sind robust gebaute Solitärbienen mit einem gedrungenen, meist dunkel gefärbten Körper. Je nach Art variiert die Grundfarbe von schwarz über dunkelbraun bis hin zu metallisch schimmernden Tönen. Der Kopf ist breit und trägt kräftige Mandibeln (Oberkiefer), die als wichtigstes Werkzeug zum Ausschneiden von Blattstücken dienen. Diese Mandibeln sind deutlich stärker ausgeprägt als bei vielen anderen Bienenarten und ermöglichen ein präzises, fast kreisrundes Schneiden von Pflanzenmaterial.

Das namensgebende Merkmal der Familie Megachilidae ist die sogenannte Bauchbürste – eine dichte Sammlung steifer Haare an der Unterseite des Hinterleibs. Während die meisten Bienengattungen Pollen an den Hinterbeinen in sogenannten Körbchen transportieren, sammeln Blattschneiderbienen den Blütenstaub mit dieser Bauchbürste. Bei voll beladenen Weibchen erscheint die Bauchseite dadurch auffällig gelb bis orangerot gefärbt. Die Flügel sind transparent mit feiner Aderung. Weibchen sind in der Regel etwas größer als Männchen, die sich zudem durch längere Fühler und eine schlankere Gestalt unterscheiden.

Lebensraum & Verbreitung

Die Gattung Megachile ist weltweit verbreitet und umfasst über 1.500 beschriebene Arten. In Mitteleuropa kommen rund 30 Arten vor, darunter häufige Vertreter wie die Garten-Blattschneiderbiene (Megachile willughbiella) und die Platterbsen-Mörtelbiene (Megachile ericetorum). Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von den gemäßigten Zonen Europas und Nordamerikas über die Subtropen bis in tropische Regionen.

Als Habitat bevorzugen Blattschneiderbienen strukturreiche, warme Biotope. Trockenrasen, Streuobstwiesen, sonnige Waldränder, Böschungen und naturnahe Gärten bieten ideale Bedingungen. Entscheidend für die Ansiedlung ist die Verfügbarkeit geeigneter Nistplätze und blütenreicher Nahrungsquellen in unmittelbarer Umgebung. In urbanen Gebieten besiedeln sie bereitwillig Insektenhotels, hohle Pflanzenstängel und Ritzen in Mauerwerk.

Ernährung

Blattschneiderbienen ernähren sich ausschließlich von Nektar und Pollen. Die adulten Tiere decken ihren eigenen Energiebedarf über Nektar, während Pollen als proteinreiche Nahrung für die Larvenaufzucht gesammelt wird. Die meisten Arten sind polylektisch, besuchen also ein breites Spektrum an Blütenpflanzen. Bevorzugt werden unter anderem Korbblütler (Asteraceae), Schmetterlingsblütler (Fabaceae), Lippenblütler (Lamiaceae) und Glockenblumengewächse (Campanulaceae). Einige Arten zeigen jedoch oligolektisches Verhalten und sind auf bestimmte Pflanzenfamilien spezialisiert.

Die ausgeschnittenen Blattstücke selbst dienen nicht der Ernährung, sondern ausschließlich als Baumaterial für die Brutzellen.

Verhalten & Lebensweise

Blattschneiderbienen sind tagaktive Einzelgänger. Im Gegensatz zu Honigbienen bilden sie keine Staaten und kennen weder Königinnen noch Arbeiterinnen. Jedes Weibchen versorgt seine Brut eigenständig. Die Flugzeit erstreckt sich in Mitteleuropa je nach Art von Mai bis September, wobei die meisten Arten univoltin sind – sie bringen also nur eine Generation pro Jahr hervor.

Das auffälligste Verhalten ist das namensgebende Blattschneiden. Die Weibchen fliegen gezielt Laubgehölze an – bevorzugt Rosen, Hainbuchen, Flieder oder Birken – und schneiden mit ihren Mandibeln halbmondförmige oder ovale Stücke aus den Blättern. Der Schnitt erfolgt in wenigen Sekunden und mit erstaunlicher Präzision. Das Blattstück wird im Flug mit den Beinen unter dem Körper gehalten und zur Niströhre transportiert. Gärtner erkennen die Anwesenheit von Blattschneiderbienen oft an den charakteristischen, wie mit einem Locheisen ausgestanzten Blatträndern.

Das Revier der Weibchen erstreckt sich meist über einen Radius von wenigen hundert Metern um den Nistplatz. Männchen patrouillieren Blütenstandorte und Nistplatzumgebungen auf der Suche nach paarungsbereiten Weibchen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Nach der Paarung beginnt das Weibchen mit dem Nestbau. Als Nistplätze dienen vorhandene Hohlräume: Käferfraßgänge in Totholz, hohle Pflanzenstängel, Spalten in Trockenmauern oder künstliche Nisthilfen. Einige Arten nisten auch im Erdboden.

Das Weibchen kleidet den Hohlraum mit den eingetragenen Blattstücken aus. Die ovalen Stücke werden für die Wände, die runden für die Deckel und Böden der einzelnen Brutzellen verwendet. Die Blattstücke werden überlappend angeordnet und ergeben eine zylindrische, mehrzellige Struktur, die an eine kleine Zigarre erinnert. In jede Zelle legt das Weibchen einen Vorrat aus Pollen und Nektar, den sogenannten Pollenkuchen, und setzt ein einzelnes Ei darauf ab. Anschließend verschließt es die Zelle mit weiteren Blattstücken und beginnt mit der nächsten.

Eine Niströhre kann je nach Länge drei