Gemeine Wespe
GTierart – Insekten > Hautflügler
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Vespula vulgaris
- Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
- Familie: Faltenwespen (Vespidae)
- Unterfamilie: Echte Wespen (Vespinae)
- Gattung: Kurzkopfwespen (Vespula)
- Lebensraum: Wälder, Gärten, Siedlungen, Wiesen – überwiegend in der gemäßigten Zone
- Größe: Arbeiterinnen 12–14 mm, Königinnen 15–20 mm, Drohnen 13–17 mm
- Gewicht: Arbeiterinnen ca. 70–90 mg, Königinnen bis 150 mg
- Lebenserwartung: Arbeiterinnen wenige Wochen; Königinnen ca. 1 Jahr
Aussehen & Merkmale
Die Gemeine Wespe zeigt die für Faltenwespen typische schwarz-gelbe Warnfärbung (Aposematismus). Der Körper gliedert sich in drei deutlich voneinander abgesetzte Tagmata: Kopf, Brustabschnitt (Mesosoma) und Hinterleib (Metasoma). Zwischen Brust und Hinterleib sitzt die charakteristische, stark verengte Wespentaille (Petiolus), die der gesamten Unterordnung der Taillenwespen (Apocrita) ihren Namen gibt.
Auf dem Kopfschild (Clypeus) trägt die Gemeine Wespe eine ankerförmige schwarze Zeichnung – das zuverlässigste Unterscheidungsmerkmal zur sehr ähnlichen Deutschen Wespe (Vespula germanica), deren Clypeus ein bis drei schwarze Punkte aufweist. Die Fühler sind zwölfgliedrig bei Weibchen und dreizehngliedrig bei Männchen. Die Flügel werden in Ruhe der Länge nach gefaltet, was die Familie der Faltenwespen kennzeichnet. Der Körper ist kurz und spärlich behaart, die Oberfläche der Chitinpanzerung glatt und glänzend.
Nur weibliche Tiere – Arbeiterinnen und Königinnen – besitzen einen Giftstachel, der aus dem umgewandelten Legeapparat (Ovipositor) hervorgegangen ist. Anders als der Stachel der Honigbiene ist er glatt und nicht mit Widerhaken versehen, sodass eine Wespe mehrfach zustechen kann.
Lebensraum & Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet von Vespula vulgaris erstreckt sich über die gesamte Paläarktis – von Westeuropa über Mittelasien bis nach Japan. In Europa ist die Art von Skandinavien bis in den Mittelmeerraum verbreitet. Durch menschliche Verschleppung hat sie sich als invasive Art zudem in Neuseeland, Australien und Teilen Südamerikas etabliert, wo sie erheblichen ökologischen Schaden anrichtet.
Die Gemeine Wespe besiedelt ein breites Spektrum an Habitaten. Sie bevorzugt geschützte, dunkle Hohlräume für den Nestbau, darunter Erdlöcher, Mäusebauten, Dachböden, Rollladenkästen und Mauerspalten. Im Gegensatz zur Deutschen Wespe legt sie ihre Nester häufiger unterirdisch an. Die Nähe menschlicher Siedlungen wird gezielt aufgesucht, da das Nahrungsangebot dort besonders hoch ist.
Ernährung
Die Gemeine Wespe ist ein Allesfresser (Omnivore) mit deutlich unterschiedlicher Kost je nach Lebensphase. Adulte Tiere ernähren sich vorwiegend von kohlenhydratreichen Quellen: Blütennektar, Baumsäfte, Honigtau und reifen Früchten. Der hohe Zuckergehalt dient als Flugbrennstoff.
Die Larven hingegen sind auf tierisches Eiweiß angewiesen. Arbeiterinnen erjagen dazu eine Vielzahl von Arthropoden – Fliegen, Raupen, Blattläuse, Spinnen und andere Insekten. Die Beute wird mit den kräftigen Mandibeln zerkleinert, zu einem Fleischbrei verarbeitet und an die Larven verfüttert. Im Gegenzug sondern die Larven ein zuckerhaltiges Sekret ab, das von den Arbeiterinnen aufgeleckt wird (Trophallaxis). Diese gegenseitige Fütterung ist ein zentraler Mechanismus des Zusammenhalts im Wespenstaat.
Im Spätsommer, wenn kaum noch Brut zu versorgen ist und die Trophallaxis entfällt, suchen die Arbeiterinnen verstärkt nach süßen Nahrungsquellen – was zu den bekannten Konflikten mit Menschen an Kaffeetischen und Obstständen führt.
Verhalten & Lebensweise
Die Gemeine Wespe ist tagaktiv und lebt in einjährigen, staatenbildenden Kolonien mit einer streng arbeitsteiligen Kastenstruktur. Ein Volk umfasst auf dem Höhepunkt zwischen 3.000 und 10.000 Individuen, in Ausnahmefällen auch mehr. Die Königin ist das einzige fortpflanzungsfähige Weibchen; sie steuert die Kolonie über Pheromone und hemmt damit die Eierstockentwicklung der Arbeiterinnen.
Das Nest besteht aus einer papierartigen Masse, die die Arbeiterinnen aus zerkauten Holzfasern und Speichel herstellen. Es weist eine mehrschichtige, nach unten offene Wabenstruktur auf und wird von einer isolierenden Hülle umgeben. Die Nester der Gemeinen Wespe sind meist grau-beige und durch muschelartige Lufttaschen in der Hülle von jenen der Deutschen Wespe unterscheidbar.
Bei Bedrohung des Nestes reagieren die Tiere aggressiv. Alarmierte Arbeiterinnen setzen ein Alarmpheromon frei, das weitere Nestgenossinnen rekrutiert. Einzelne Tiere abseits des Nestes sind dagegen in der Regel wenig angriffslustig und stechen nur bei direktem Kontakt oder hektischen Bewegungen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Der Lebenszyklus beginnt im Frühjahr, wenn eine einzelne, begattete Jungkönigin aus der Winterruhe (Diapause) erwacht. Sie sucht einen geeigneten Nistplatz, baut die ersten Wabenzellen und legt Eier hinein. Diese erste Brut zieht sie allein auf. Nach etwa fünf Wochen schlüpfen die ersten Arbeiterinnen, die fortan sämtliche Aufgaben im