Erdhummel
ETierart – Insekten > Hautflügler
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Bombus terrestris (Linnaeus, 1758)
- Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
- Familie: Echte Bienen (Apidae)
- Gattung: Hummeln (Bombus)
- Lebensraum: Wiesen, Gärten, Waldränder, Parks, landwirtschaftliche Flächen
- Größe: Königin 20–23 mm, Arbeiterinnen 11–17 mm, Drohnen 14–16 mm
- Gewicht: Königin ca. 0,5–0,8 g, Arbeiterinnen ca. 0,1–0,4 g
- Lebenserwartung: Königin ca. 12 Monate, Arbeiterinnen ca. 4–6 Wochen
Aussehen & Merkmale
Die Dunkle Erdhummel gehört zu den größten und häufigsten Hummelarten Mitteleuropas. Ihr Körperbau ist gedrungen und kräftig, dicht behaart und dadurch gut gegen Kälte isoliert. Die Grundfärbung des Pelzes ist überwiegend schwarz. Charakteristisch ist eine goldgelbe Querbinde am vorderen Rand des Brustabschnitts (Thorax) sowie eine zweite gelbe Binde am zweiten Hinterleibssegment. Das Hinterleibsende (Abdomen) zeigt eine auffällige weiße Behaarung, was die Art gut von der sehr ähnlichen Hellen Erdhummel (Bombus lucorum) unterscheidet – bei letzterer ist das Weiß am Hinterleib meist reiner und ausgedehnter, die gelben Binden heller.
Die Königin ist deutlich größer als Arbeiterinnen und Drohnen. Die Flügel sind leicht bräunlich getönt und überragen in Ruhestellung den Hinterleib. Wie alle Hummelarten besitzt die Erdhummel einen Saugrüssel, der bei dieser Art mit 8–10 mm Länge mittellang ausfällt. Die Hinterbeine der Weibchen tragen sogenannte Körbchen (Corbiculae) – glatte, von langen Haaren umrandete Vertiefungen, in denen Pollen transportiert wird. Drohnen sind an den längeren Fühlern und dem Fehlen des Stachelapparats zu erkennen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Bombus terrestris erstreckt sich über weite Teile der Westpaläarktis. Die Art kommt von Nordafrika über ganz Europa bis nach Kleinasien und in den westlichen Iran vor. In Skandinavien reicht das Areal bis etwa zum 64. Breitengrad. Durch gezielte Einfuhr für die Gewächshausbestäubung hat sich die Dunkle Erdhummel inzwischen auch in Teilen Südamerikas, Japans, Tasmaniens und Neuseelands etabliert, wo sie als invasive Art gilt.
Als Habitat bevorzugt die Erdhummel offene bis halboffene Landschaften. Typische Biotope sind Streuobstwiesen, Gärten, Parkanlagen, Feldraine, Ruderalflächen und lichte Waldränder. Entscheidend für die Ansiedlung ist das Vorhandensein geeigneter Nistplätze im Boden – häufig werden verlassene Mauselöcher oder andere unterirdische Hohlräume genutzt. In urbanen Gebieten besiedelt die Art auch Komposthaufen, Hohlräume unter Terrassen oder Gartenschuppen.
Ernährung
Die Dunkle Erdhummel ernährt sich von Nektar und Pollen. Nektar dient als Energielieferant, Pollen als Eiweißquelle, die vor allem für die Aufzucht der Larven benötigt wird. Die Art ist polylektisch, das heißt, sie nutzt ein breites Spektrum an Blütenpflanzen und ist nicht auf bestimmte Pflanzenfamilien spezialisiert. Zu den bevorzugten Trachtpflanzen zählen Klee, Taubnessel, Lavendel, Obstbäume, Phacelia und verschiedene Lippenblütler.
Bei Blüten mit tiefen Kronröhren, die der vergleichsweise kurze Rüssel nicht erreicht, zeigt die Erdhummel ein typisches Verhalten: den sogenannten Nektarraub. Dabei beißt sie seitlich ein Loch in die Blütenbasis und gelangt so an den Nektar, ohne die Blüte regulär zu bestäuben. Dieses Verhalten wurde unter anderem an Beinwell und Fingerhut dokumentiert.
Verhalten & Lebensweise
Erdhummeln leben eusozial in Staaten, die jeweils nur eine Saison überdauern. Ein Volk umfasst auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung zwischen 100 und 600 Individuen. Die Tiere sind tagaktiv, beginnen ihre Sammelflüge jedoch bereits bei niedrigen Temperaturen ab etwa 6 °C – deutlich früher als Honigbienen. An kühlen Morgen können Hummeln durch Vibration der Flugmuskulatur ihre Körpertemperatur auf die zum Fliegen nötige Betriebstemperatur von rund 30 °C bringen.
Arbeiterinnen verteidigen das Nest bei Störung durch Stiche, verhalten sich außerhalb des Nestes jedoch wenig aggressiv. Im Gegensatz zu Honigbienen können Hummeln mehrfach stechen, da ihr Stachel keine Widerhaken trägt. Die Flugdistanz beim Sammeln beträgt in der Regel 500–1.500 Meter, in Ausnahmefällen bis zu mehreren Kilometern.
Fortpflanzung & Aufzucht
Der Jahreszyklus beginnt im zeitigen Frühjahr, oft schon im Februar oder März, wenn die im Vorjahr begattete Königin aus der Winterruhe erwacht. Sie sucht einen geeigneten unterirdischen Nistplatz, legt dort ein Pollenbrot an und errichtet daraus eine erste Brutzelle, in die sie etwa 8–16 Eier ablegt. Zusätzlich formt sie einen kleinen Wachstopf, den sie mit Nektar füllt, um sich während der Brutpflege ernähren zu können.
Die Eier entwickeln sich über ein Larvenstadium und ein Puppenstadium innerhalb von etwa vier Wochen zu den ersten Arbeiterinnen. Diese übernehmen fortan Nahrungssuche, Nestbau und Brutpflege, während sich die Königin auf die Eiablage konzentriert. Im Spätsommer produziert das Volk Geschlechtstiere: Jungköniginnen (Gynen) und Drohnen. Die Drohnen verlassen das Nest und patrouillieren entl