T Tierlexikon.net
← Lexikon

Gallwespe

G

Tierart – Insekten > Hautflügler

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Cynipidae (Familie); zahlreiche Gattungen, u. a. Cynips, Andricus, Diplolepis, Biorhiza, Neuroterus
  • Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
  • Überfamilie: Gallwespenartige (Cynipoidea)
  • Familie: Gallwespen (Cynipidae)
  • Lebensraum: Laubwälder, Hecken, Parks, Gärten – vorwiegend an Eichen und Rosengewächsen
  • Größe: 1–8 mm Körperlänge, je nach Art
  • Gewicht: wenige Milligramm (nicht systematisch erfasst)
  • Lebenserwartung: Imagines leben meist nur wenige Wochen; der gesamte Entwicklungszyklus einschließlich Larvalstadium erstreckt sich über mehrere Monate bis zwei Jahre

Aussehen & Merkmale

Gallwespen sind kleine, oft unscheinbare Insekten. Ihr Körper ist seitlich leicht zusammengedrückt und wirkt gedrungen. Die Grundfarbe variiert zwischen Schwarz, Dunkelbraun und gelegentlich Rotbraun. Der Hinterleib (Gaster) ist bei vielen Arten glatt und glänzend, bei einigen fein punktiert. Die Fühler bestehen je nach Geschlecht aus 13 bis 15 Gliedern und sind fadenförmig. Die Flügel sind häutig und durchsichtig, mit reduzierter Aderung – ein typisches Merkmal der Familie. Bei manchen Generationen oder Arten können die Flügel vollständig fehlen (Apterie). Die Beine sind schlank und unauffällig, angepasst an das Laufen auf Pflanzenoberflächen. Am Hinterleibsende der Weibchen sitzt ein feiner Legebohrer (Ovipositor), der in das Pflanzengewebe eingestochen wird.

Von anderen Hautflüglern lassen sich Gallwespen durch die Kombination aus geringer Größe, komprimiertem Hinterleib und der stark vereinfachten Flügeladerung unterscheiden. Eine Verwechslung mit parasitischen Erzwespen (Chalcidoidea) ist möglich, doch unterscheiden sich die Familien im Bau der Fühler und des Thorax.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Gallwespen umfasst die gesamte Holarktis mit Schwerpunkt in der gemäßigten Zone Europas, Nordamerikas und Westasiens. In Mitteleuropa sind rund 300 Arten nachgewiesen. Ihr bevorzugtes Habitat sind Laubmischwälder, insbesondere Eichenwälder, da die Mehrzahl der mitteleuropäischen Arten an Eichen (Gattung Quercus) gebunden ist. Daneben besiedeln Gallwespen der Gattung Diplolepis Wildrosen und einige Arten nutzen Ahorn, Buche oder krautige Pflanzen. Biotope mit alten, frei stehenden Eichen – etwa Hutewälder, Parklandschaften und Waldränder – bieten besonders günstige Bedingungen. In urbanen Gebieten finden sich Gallwespen regelmäßig an Straßenbäumen und in Gärten.

Ernährung

Die Larven der Gallwespen ernähren sich ausschließlich von pflanzlichem Gewebe, das sie selbst durch chemische Signalstoffe zur Wucherung anregen. Nach der Eiablage veranlassen die Larven – vermutlich durch die Abgabe von Phytohormonen oder deren Vorstufen – die Wirtspflanze dazu, eine Galle zu bilden. Dieses Gebilde aus nährstoffreichem Parenchymgewebe dient der Larve gleichzeitig als Nahrungsquelle und als Schutzgehäuse. Die inneren Zellschichten der Galle sind stärke- und proteinreich, sodass die Larve bis zur Verpuppung versorgt ist.

Die adulten Gallwespen nehmen kaum oder keine Nahrung auf. Gelegentlich lecken sie Pflanzensäfte oder Honigtau, doch ihre kurze Lebensspanne als Imago macht eine intensive Nahrungsaufnahme überflüssig.

Verhalten & Lebensweise

Gallwespen sind tagaktiv und in ihrem Auftreten unauffällig. Sie bilden keine sozialen Verbände, sondern leben solitär. Ihr Flugvermögen ist begrenzt; viele Individuen verbreiten sich nur über kurze Distanzen. Die Imagines erscheinen artspezifisch zu bestimmten Jahreszeiten – bei Arten mit Generationswechsel schlüpft eine Generation im Frühjahr, die andere im Sommer oder Herbst.

Die von den Larven induzierten Gallen sind das auffälligste Zeichen der Gallwespen-Aktivität. Jede Art erzeugt an bestimmten Pflanzenorganen – Blättern, Knospen, Wurzeln, Blüten oder Rinde – eine arttypische Gallenform. Die kugelförmigen, grün bis rot gefärbten Galläpfel der Gemeinen Eichengallwespe (Cynips quercusfolii) an Eichenblättern gehören zu den bekanntesten Beispielen. Andere Arten bilden linsenförmige Scheibengallen, schwammartige Knoppern oder die als Rosengallen (Bedeguare) bekannten moosartigen Gebilde an Wildrosen (Diplolepis rosae).

Innerhalb der Gallen entwickelt sich häufig eine eigene Lebensgemeinschaft: Einmieter (Inquilinen), Parasitoide und Hyperparasitoide nutzen die Gallen als Nahrungsquelle oder Entwicklungsort. Eine einzige Galle kann so Dutzende verschiedener Insektenarten beherbergen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Ein zentrales Merkmal vieler Gallwespen ist der heterogone Generationswechsel – eine Abfolge aus einer sexuellen (bisexuellen) und einer parthenogenetischen (rein weiblichen) Generation innerhalb eines Jahreszyklus. Beide Generationen unterscheiden sich häufig in Körpergröße, Gallenform und Wirtspflanzenorgan so stark, dass sie historisch als getrennte Arten beschrieben wurden.

Die Weibchen der sexuellen Generation legen ihre Eier nach der Paarung mithilfe des Legebohrers in das Pflanzengewebe. Die parthenogenetischen Weibchen produzieren ohne Befruchtung fertile Eier. Die Larve durchläuft mehr