T Tierlexikon.net
← Lexikon

Feldwespe

F

Tierart – Insekten > Hautflügler

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Polistes dominula (Europäische Feldwespe)
  • Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
  • Familie: Faltenwespen (Vespidae)
  • Unterfamilie: Feldwespen (Polistinae)
  • Gattung: Polistes
  • Lebensraum: Offene, warme Landschaften, Trockenrasen, Gärten, Siedlungsgebiete
  • Größe: Königin 13–18 mm, Arbeiterinnen 11–15 mm
  • Gewicht: ca. 60–100 mg
  • Lebenserwartung: Arbeiterinnen wenige Wochen bis Monate; begattete Königinnen bis zu einem Jahr

Aussehen & Merkmale

Feldwespen unterscheiden sich äußerlich deutlich von den bekannteren Deutschen Wespen (Vespula germanica) und Gemeinen Wespen (Vespula vulgaris). Ihr Körperbau ist insgesamt schlanker und langgestreckter. Besonders auffällig sind die langen Hinterbeine, die im Flug weit nach hinten herabhängen und der Feldwespe ein charakteristisches, etwas unbeholfen wirkendes Flugbild verleihen. Die Taille zwischen Brust (Thorax) und Hinterleib (Abdomen) ist deutlich eingeschnürt – ein typisches Merkmal der Faltenwespen.

Die Grundfärbung von Polistes dominula ist schwarz mit gelben Zeichnungselementen auf dem Hinterleib, dem Bruststück und dem Kopf. Die Fühler sind an der Basis schwarz und zur Spitze hin orange gefärbt. Im Gegensatz zu Kurzkopfwespen der Gattung Vespula besitzen Feldwespen einen spitz zulaufenden Kopfschild (Clypeus) und keine auffällige Wangenerweiterung. Die Flügel sind bräunlich getönt und werden in Ruhestellung längs gefaltet – daher der Name Faltenwespen.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Europäischen Feldwespe erstreckt sich über weite Teile Süd- und Mitteleuropas, Nordafrikas sowie Westasiens. Durch den Menschen wurde Polistes dominula auch nach Nordamerika, Südamerika und Australien verschleppt, wo sie sich als invasive Art etabliert hat.

In Mitteleuropa besiedelt die Art bevorzugt wärmebegünstigte, offene Habitate. Dazu zählen Trockenrasen, Streuobstwiesen, Weinberge, Ruderalflächen und lichte Waldränder. Auch in Siedlungsbereichen ist die Feldwespe regelmäßig anzutreffen: Hauswände, Dachüberstände, Schuppen und Mauernischen bieten geeignete Nistplätze. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Art in Deutschland nach Norden ausgebreitet, was mit der zunehmenden Erwärmung des Klimas in Zusammenhang gebracht wird. In kühleren Lagen und in Norddeutschland kommen daneben auch andere Feldwespenarten vor, etwa die Berg-Feldwespe (Polistes biglumis) oder die Zierliche Feldwespe (Polistes bischoffi).

Ernährung

Adulte Feldwespen ernähren sich überwiegend von kohlenhydratreichen Quellen. Sie lecken Nektar an Blüten, saugen an reifen Früchten oder nehmen Honigtau auf, den Blattläuse ausscheiden. Damit tragen sie in geringem Maß auch zur Bestäubung von Pflanzen bei.

Die Larven werden hingegen mit tierischer Kost versorgt. Arbeiterinnen erjagen kleine Insekten und deren Larven – vor allem Schmetterlingsraupen, Blattläuse, Fliegen und kleine Käfer. Die Beute wird mit den Mandibeln zerkleinert und als Fleischbrei an die Larven verfüttert. Im Gegenzug sondern die Larven ein zuckerhaltiges Sekret ab, das die Arbeiterinnen aufnehmen. Dieser Austausch von Nahrung wird als Trophallaxis bezeichnet. Durch ihre Jagd auf Schadinsekten gelten Feldwespen als nützliche Regulatoren in Gärten und in der Landwirtschaft.

Verhalten & Lebensweise

Feldwespen sind tagaktive Insekten. Sie gründen einjährige Staaten, die im Vergleich zu den Völkern der Kurzkopfwespen klein bleiben – typischerweise umfassen sie 10 bis 30 Individuen, selten mehr als 50. Die Nester sind offen und bestehen aus einer einzigen, unverdeckten Wabe ohne schützende Hülle. Diese Waben werden aus zerkauten Pflanzenfasern gefertigt, die mit Speichel zu einem papierartigen Material verarbeitet werden. Die Nester hängen an einem dünnen Stiel an geschützten Stellen: unter Dachvorsprüngen, an Mauern, in Hohlräumen oder an Pflanzenstängeln.

Gegenüber dem Menschen verhalten sich Feldwespen ausgesprochen friedfertig. Sie verteidigen ihr Nest nur bei direkter Bedrohung und stechen deutlich seltener als Kurzkopfwespen. Auch an Nahrungsmitteln im Freien treten sie kaum in Erscheinung, da sie im Gegensatz zu Vespula-Arten nicht gezielt menschliche Speisen anfliegen.

Innerhalb der Kolonie herrscht eine weniger strikte Hierarchie als bei anderen sozialen Wespen. Es kann vorkommen, dass mehrere begattete Weibchen gemeinsam ein Nest gründen (Pleometrose). Durch Dominanzverhalten – etwa durch Körperkontakt und Futterentzug – setzt sich eine Königin als Hauptreproduzierende durch, während die untergeordneten Weibchen zu Arbeiterinnen werden.

Fortpflanzung & Aufzucht

Der Lebenszyklus beginnt im Frühjahr, wenn überwinterte, begattete Königinnen aus ihrem Winterquartier – meist Ritzen, Hohlräume oder Laubstreu – hervortreten und mit dem Nestbau beginnen. Die Königin legt zunächst wenige Eier in die ersten Wabenzellen und versorgt die schlüpfenden Larven allein. Die Entwicklung vom Ei über mehrere Larvenstadien bis zur Verpuppung dauert etwa vier bis sechs Wochen, abhängig von der Temperatur.