Blattzeit
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Definition und Überblick
Die Blattzeit bezeichnet in der Jäger- und Weidmannssprache die Brunftzeit des Rehwildes. Sie fällt in Mitteleuropa in der Regel auf den Zeitraum von Mitte Juli bis Mitte August, wobei der Höhepunkt meist in den letzten Julitagen und der ersten Augustwoche liegt. Der Begriff leitet sich vom sogenannten Blatten ab – einer traditionellen Jagdtechnik, bei der der Jäger mit einem speziellen Lockruf den Fieplaut der Ricke (weibliches Reh) nachahmt, um den Rehbock anzulocken. Während der Blattzeit ist der Rehbock besonders triebgesteuert und dadurch unvorsichtiger als sonst, was die Bejagung erleichtert.
Herkunft und Bedeutung des Begriffs
Das Wort „Blatten" geht auf den feinen, pfeifenden Laut zurück, den die Ricke während der Paarungszeit von sich gibt. Dieser Laut wird als Fiepen bezeichnet und dient der Kontaktaufnahme zwischen Ricke und Bock. Jäger imitieren diesen Laut seit Jahrhunderten mit verschiedenen Hilfsmitteln – etwa einem Buchenblatt, das zwischen die Lippen geklemmt und angeblasen wird, oder speziell gefertigten Blattjagdinstrumenten wie dem Rottumtaler Rehblatter oder industriell hergestellten Lockpfeifen. Die Verwendung eines Blattes als ursprüngliches Lockmittel hat der gesamten Brunftperiode und der zugehörigen Jagdmethode ihren Namen gegeben.
Biologische Grundlagen der Rehbrunft
Die Blattzeit ist unmittelbar an den Fortpflanzungszyklus des Rehwildes (Capreolus capreolus) gebunden. Im Unterschied zu anderen heimischen Cerviden wie Rot- oder Damwild brunftet das Reh bereits im Hochsommer. Dies hängt mit einer biologischen Besonderheit zusammen: der sogenannten Eiruhe (Keimruhe oder Diapause). Nach der Befruchtung im Sommer ruht die Entwicklung des Embryos über mehrere Monate. Erst im Dezember oder Januar setzt die eigentliche Embryonalentwicklung ein, sodass die Kitze dann im Mai oder Juni gesetzt werden – zu einem Zeitpunkt, an dem die Vegetation genügend Deckung und Nahrung bietet.
Während der Brunft verändert sich das Verhalten des Rehbocks grundlegend. Er wird territorial aggressiver und sucht aktiv nach paarungsbereiten Ricken. Der Bock treibt die Ricke oft über längere Strecken, wobei beide Tiere enge Kreise laufen – die sogenannten Hexenringe, die als kreisförmig niedergetretene Spuren im Gras oder Getreide sichtbar werden. Auch das Keuchen und Schnauben des Bockes während der Verfolgung ist ein typisches akustisches Brunftmerkmal.
Die Blattjagd als Jagdmethode
Die Blattjagd ist eine der reizvollsten und anspruchsvollsten Jagdarten im deutschsprachigen Raum. Sie wird ausschließlich während der Blattzeit ausgeübt und erfordert vom Jäger ein hohes Maß an Erfahrung, Geduld und Kenntnis des Rehverhaltens.
Grundsätzlich werden beim Blatten verschiedene Laute unterschieden:
- Fiepen der Ricke: Ein feiner, ziehender Ton, der den Bock über größere Entfernungen anlocken soll. Dieser Laut wird am häufigsten eingesetzt.
- Angstschrei des Kitzes (Kitzfiepen): Ein durchdringender, schriller Klageruf, der vor allem die Ricke herbeiruft, der aber auch den Bock neugierig oder territorial reagieren lässt.
- Sprengfiep: Ein kurzer, scharfer Laut, der den Ruf einer Ricke nachahmt, die von einem aufdringlichen Bock bedrängt wird. Dieser Laut kann einen rivalisierenden Bock anlocken, der den vermeintlichen Konkurrenten vertreiben will.
Die Blattjagd wird vorwiegend vom Ansitz aus betrieben – entweder von einer Kanzel, einem Hochsitz oder auch als Pirsch mit anschließendem Blatten an geeigneten Stellen. Erfahrene Jäger wählen ihren Standort sorgfältig aus, bevorzugt an Waldrändern, Lichtungen, Schneisen oder Feldgehölzen, wo der Bock gute Einstandsmöglichkeiten hat. Die besten Erfolge erzielt man in den frühen Morgen- und späten Abendstunden sowie an schwülwarmen, windstillen Tagen.
Zeitlicher Verlauf und regionale Unterschiede
Der genaue Zeitpunkt der Blattzeit variiert je nach Region, Höhenlage und Witterungsbedingungen. In tieferen, wärmeren Lagen beginnt die Brunft häufig schon Anfang bis Mitte Juli, während sie in Gebirgsregionen oder nördlicheren Breiten bis in den späten August hineinreichen kann. Auch die Kondition des Rehbestandes, die Altersstruktur und das Geschlechterverhältnis beeinflussen den Verlauf. Reviere mit einem ausgewogenen Bock-Ricken-Verhältnis weisen in der Regel eine kürzere und intensivere Brunft auf als Gebiete mit Überhang an weiblichem Wild.
Die Vorbrunft setzt etwa Ende Juni ein, wenn die Böcke beginnen, ihre Territorien intensiver zu markieren und zu verteidigen. Die eigentliche Hauptbrunft erstreckt sich über etwa zwei bis drei Wochen. Danach klingt die Brunftaktivität in der Nachbrunft langsam ab. Vereinzelt kann es bis in den September hinein zu Nachbeschlägen kommen, besonders wenn Ricken beim ersten Mal nicht erfolgreich beschlagen wurden.
Jagdrechtliche Einordnung
Die Blattzeit fällt in die Jagdzeit auf den Rehbock, die in Deutschland je nach Bundesland am 1. Mai oder 16. Mai beginnt und am 15. Oktober endet. Die Blattjagd stellt somit eine Methode innerhalb der regulären Bockjagd dar und unterliegt den allgemeinen jagdgesetzlichen Bestimmungen. In vielen Revieren wird die Blattzeit gezielt genutzt, um den Abschussplan bei den Böcken zu erfüllen, da die Jagd in dieser Phase besonders effektiv ist. Gleichzeitig mahnen erfahrene