T Tierlexikon.net
← Lexikon

Blaumerle

B

Tierart – Vögel > Vögel – heimisch (weitere)

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Monticola solitarius
  • Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
  • Familie: Fliegenschnäpper (Muscicapidae)
  • Gattung: Steinmerlen (Monticola)
  • Größe: 20–23 cm (Körperlänge)
  • Gewicht: 30–55 g
  • Lebensraum: Felsige Gebirgslandschaften, Steilküsten, Ruinen und Siedlungen im mediterranen Raum
  • Lebenserwartung: ca. 5–8 Jahre in freier Wildbahn

Aussehen & Merkmale

Die Blaumerle ist ein mittelgroßer, kräftig gebauter Singvogel, der in etwa die Größe einer Amsel erreicht, jedoch etwas gedrungener wirkt. Namensgebendes Merkmal ist das auffällige Gefieder der Männchen: Es zeigt ein tiefes Schieferblau bis Kobaltblau, das bei günstigem Lichteinfall metallisch schimmert. Im frisch vermauserten Zustand im Herbst erscheinen die Federn durch helle Säume etwas matter; diese nutzen sich im Laufe des Winters ab, sodass das leuchtende Blau zur Brutzeit am intensivsten zur Geltung kommt.

Die Weibchen sind deutlich unauffälliger gefärbt. Ihr Gefieder ist überwiegend graubraun mit einer feinen, dunkleren Schuppung auf Brust und Bauch. Diese kryptische Färbung dient als Tarnung während der Brut. Der Schnabel ist dunkel, relativ kräftig und leicht gebogen – ein Merkmal, das auf die vielseitige Ernährungsweise hindeutet. Die Beine sind dunkelbraun bis schwärzlich. Jungvögel ähneln in ihrer Gefiederzeichnung den Weibchen und zeigen erst nach der ersten vollständigen Mauser im zweiten Lebensjahr die arttypische Färbung.

Von der nah verwandten Steinrötel (Monticola saxatilis), die zur selben Gattung gehört, unterscheidet sich das Blaumerle-Männchen durch das Fehlen jeglicher rostroten Anteile im Gefieder. Die Steinrötel zeigt eine kontrastreiche Kombination aus blauem Kopf, weißem Rückenfleck und orange-rotem Bauch und Schwanz.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Blaumerle erstreckt sich über weite Teile des Mittelmeerraums, von der Iberischen Halbinsel über Südfrankreich, Italien, den Balkan und die Türkei bis nach Zentralasien, China und Japan. In Afrika besiedelt sie Teile Nordwestafrikas. Die Unterart M. s. philippensis aus Ostasien zeigt eine abweichende Gefiederfärbung mit kastanienbraunem Bauch.

In Mitteleuropa ist die Blaumerle ein extrem seltener Brutvogel. In Deutschland galt sie historisch als gelegentlicher Brutvogel im südlichen Schwarzwald, am Oberrhein und in der Schwäbischen Alb. Seit dem 20. Jahrhundert sind Brutnachweise in Deutschland jedoch Ausnahmeerscheinungen. In der Schweiz brüten vereinzelte Paare im Wallis und im Tessin, in Österreich in den südlichen Alpen. Die Art gilt daher in Mitteleuropa als Grenzpopulation ihres mediterranen Hauptverbreitungsgebiets.

Das bevorzugte Habitat der Blaumerle sind felsige, sonnige Hänge, Schluchten, Klippen und Steilküsten von Meereshöhe bis in Gebirgslagen um 2.500 Meter. Auch alte Burgruinen, Steinbrüche und städtische Bauwerke im Mittelmeerraum werden als Brutbiotop genutzt. Entscheidend sind das Vorhandensein von Felsspalten und Nischen als Niststätten sowie offene, insektenreiche Flächen zur Nahrungssuche.

Ernährung

Die Blaumerle ist ein Allesfresser mit deutlich tierischer Tendenz. Den Hauptteil der Nahrung bilden Insekten und deren Larven, darunter Käfer, Heuschrecken, Grillen, Ameisen und Schmetterlingsraupen. Ergänzend erbeutet sie Spinnen, kleine Eidechsen, Schnecken und gelegentlich kleine Frösche. In Küstennähe werden auch kleine Krebstiere und andere Wirbellose aufgenommen.

Ab dem Spätsommer und im Herbst gewinnen pflanzliche Bestandteile an Bedeutung. Beeren, Früchte und Samen – etwa von Feigen, Oliven und Maulbeeren – ergänzen dann den Speiseplan. Die Nahrungssuche erfolgt überwiegend am Boden, auf Felsvorsprüngen und in niedriger Vegetation. Typisch ist das Ansitzjagen von einem erhöhten Punkt aus, von dem der Vogel kurze Sturzflüge auf am Boden entdeckte Beutetiere unternimmt.

Verhalten & Lebensweise

Die Blaumerle ist tagaktiv und lebt überwiegend einzelgängerisch oder paarweise. Außerhalb der Brutzeit verhält sie sich territorial, wobei beide Geschlechter eigene Reviere verteidigen können. Die Art ist standorttreu in den wärmeren Teilen ihres Verbreitungsgebiets, während Populationen aus höheren Lagen und nördlicheren Regionen als Kurzstreckenzieher oder Teilzieher im Winter in tiefere, mildere Gebiete ausweichen.

Der Gesang des Männchens ist melodisch, laut und abwechslungsreich. Er erinnert entfernt an den Amselgesang, ist aber kürzer und wird häufig von exponierten Felsvorsprüngen oder Dächern vorgetragen. Die Strophen bestehen aus klaren, flötenden Motiven und werden vor allem in den frühen Morgenstunden und während der Dämmerung vorgetragen. Der Gesang dient sowohl der Reviermarkierung als auch der Balz.

In ihrem Verhalten wirkt die Blaumerle scheu und wachsam. Sie hält sich bevorzugt in schwer zugänglichem Felsgelände auf und fliegt bei Störungen rasch in Deckung. In urbanisierten Gebieten des Mittelmeerraums – etwa in Hafenstädten – kann sie jedoch erstaunlich wenig scheu gegenüber Menschen sein.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Brutzeit erstreckt sich von April bis Juni. Während der Balz singt das Männchen intensiv von erhöhten Warten aus und führt kurze Singflüge auf, bei denen es mit gespreiztem Schw