Doppelschnepfe
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Gallinago media
- Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
- Familie: Schnepfenvögel (Scolopacidae)
- Gattung: Bekassinen (Gallinago)
- Lebensraum: Feuchte Graslandschaften, Moore, Sümpfe, alpine Feuchtwiesen
- Größe: 27–31 cm Körperlänge
- Gewicht: 150–260 g
- Lebenserwartung: Bis etwa 8 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Die Doppelschnepfe ist die größte und kräftigste Vertreterin der Gattung Gallinago in Europa. Im Vergleich zur nahe verwandten Bekassine (Gallinago gallinago) wirkt sie gedrungener, mit kürzerem Schnabel und einem insgesamt kompakteren Körperbau. Der gerade, kräftige Schnabel misst etwa 6–7 cm und ist damit deutlich kürzer als der der Bekassine.
Das Gefieder zeigt auf der Oberseite ein komplexes Muster aus schwarzen, braunen und ockerfarbenen Streifen und Flecken, das eine hervorragende Tarnung in der Vegetation bietet. Charakteristisch sind die hellen Längsstreifen auf dem Rücken. Die Unterseite ist heller und weist eine deutliche dunkle Bänderung auf Brust und Flanken auf – ein Merkmal, das die Doppelschnepfe klar von der Bekassine unterscheidet, deren Flanken weniger stark gebändert sind. Die äußeren Steuerfedern sind überwiegend weiß, was im Flug sichtbar wird. Die Beine sind grünlich-grau gefärbt. Beide Geschlechter sehen äußerlich gleich aus, ein Geschlechtsdimorphismus im Gefieder fehlt.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Doppelschnepfe erstreckt sich als Brutvogel von Skandinavien über das Baltikum bis nach Westsibirien. Die Hauptbrutgebiete liegen in Norwegen, Schweden, Finnland sowie in den baltischen Staaten und Russland. In Mitteleuropa ist die Art als Brutvogel seit dem 19. Jahrhundert weitgehend verschwunden. In Deutschland galt sie bereits um 1900 als ausgestorbener Brutvogel, tritt aber regelmäßig als seltener Durchzügler während des Herbstzugs auf.
Als Habitat bevorzugt die Doppelschnepfe feuchte, offene Landschaften. In Skandinavien brütet sie vor allem in Gebirgsmooren und alpinen Feuchtwiesen oberhalb der Baumgrenze, in tieferen Lagen nutzt sie Flussauen, Niedermoore und extensiv bewirtschaftetes Feuchtgrünland. Die Biotope zeichnen sich durch eine kurze bis mittlere Vegetationshöhe und einen dauerhaft feuchten, weichen Boden aus, in dem die Vögel mit dem Schnabel nach Nahrung stochern können.
Die Art ist ein Langstreckenzieher. Die Überwinterungsgebiete liegen im tropischen Afrika, hauptsächlich in den Feuchtgebieten südlich der Sahara, von Westafrika bis nach Mosambik und Tansania. Der Zug erfolgt überwiegend in der Nacht.
Ernährung
Die Doppelschnepfe ernährt sich vorwiegend von Wirbellosen, die sie mit ihrem empfindlichen Schnabel im weichen Boden ertastet. Regenwürmer bilden den Hauptbestandteil der Nahrung, ergänzt durch Insektenlarven, Käfer, Schnecken und andere Bodentiere. Vor dem Herbstzug nimmt die Art erheblich an Gewicht zu und legt Fettreserven an, die für den Nonstop-Flug über mehrere tausend Kilometer notwendig sind. Gelegentlich werden auch pflanzliche Bestandteile wie Samen aufgenommen, diese spielen jedoch eine untergeordnete Rolle.
Verhalten & Lebensweise
Außerhalb der Brutzeit lebt die Doppelschnepfe einzelgängerisch oder in kleinen, lockeren Gruppen. Die Art ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv und verbringt den Tag gut getarnt in der Vegetation. Bei Störung drückt sie sich zunächst flach auf den Boden und fliegt erst bei unmittelbarer Annäherung auf – im Gegensatz zur Bekassine ohne den typischen Zickzackflug, sondern geradlinig und schwerfälliger wirkend.
Während des Zuges legen Doppelschnepfen außergewöhnliche Distanzen in erstaunlich kurzer Zeit zurück. Telemetriestudien haben gezeigt, dass einzelne Individuen die Strecke von Skandinavien nach Zentralafrika – über 6.000 Kilometer – in einem einzigen Nonstop-Flug bewältigen, der etwa 48 bis 90 Stunden dauert. Die dabei erreichten Durchschnittsgeschwindigkeiten von rund 80 km/h gehören zu den höchsten, die bei Zugvögeln dokumentiert wurden.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Doppelschnepfe ist eine der wenigen Watvogelarten, die ein Balzarenaprinzip (Lek-System) nutzen. Die Männchen versammeln sich ab Mai auf traditionellen Balzplätzen, sogenannten Leks, die oft über Jahrzehnte hinweg am selben Standort bestehen. Dort führen sie in den Abend- und Nachtstunden komplexe Balzvorführungen auf: Sie stellen das Gefieder auf, spreizen den Schwanz und erzeugen dabei klickende, trillernde und schwirrende Lautäußerungen. An einem Lek können sich bis zu 20 Männchen versammeln, wobei die zentral positionierten Männchen den größten Paarungserfolg haben.
Die Weibchen besuchen die Balzarena, wählen ein Männchen zur Paarung und ziehen sich anschließend allein zur Brut zurück. Das Nest ist eine einfache, mit trockenem Pflanzenmaterial ausgelegte Bodenmulde, gut versteckt in der Vegetation. Das Gelege besteht typischerweise aus vier birnenförmigen, olivbraun gefleckten Eiern. Die Brutdauer beträgt 23–24 Tage. Die Küken sind Nestflüchter und verlassen das Nest kurz nach dem Schlupf. Das Weibchen führt die Jungen allein; die Männchen beteiligen sich weder an Brut noch an Jungenaufzucht. Nach etwa 25 Tagen sind die Jungvögel flugfähig.