Meerstrandläufer
MTierart – Vögel > Vögel – heimisch (weitere)
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Calidris maritima
- Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
- Familie: Schnepfenvögel (Scolopacidae)
- Gattung: Strandläufer (Calidris)
- Lebensraum: Felsige Meeresküsten, arktische und subarktische Tundra
- Größe: 20–22 cm Körperlänge, Flügelspannweite 40–44 cm
- Gewicht: 50–110 g, je nach Jahreszeit und Ernährungszustand
- Lebenserwartung: Bis zu 20 Jahre, im Durchschnitt etwa 5–8 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Meerstrandläufer ist ein kompakt gebauter Watvogel von mittlerer Größe. Unter den europäischen Strandläufern fällt er durch sein insgesamt dunkles Gefieder auf. Im Schlichtkleid zeigt die Oberseite ein gleichmäßiges Schiefergrau mit leichtem violetten Schimmer, während Brust und Flanken graubraun gefleckt sind. Der Bauch ist weiß bis cremefarben. Im Prachtkleid, das die Vögel während der Brutzeit tragen, wirkt das Gefieder kontrastreicher: Die Federn der Oberseite zeigen dann rostbraune und schwarze Säume, die dem Vogel ein geschecktes Aussehen verleihen.
Der Schnabel ist mittellang, leicht nach unten gebogen und an der Basis gelblich-orange gefärbt, zur Spitze hin dunkel. Die Beine sind kurz und kräftig, ihre Farbe variiert zwischen gelblich und grünlich-grau. Die Augen sind dunkelbraun. Charakteristisch ist der gedrungene Körperbau mit dem relativ kurzen Hals, der dem Meerstrandläufer zusammen mit den kurzen Beinen ein gedrungenes, fast rundliches Erscheinungsbild verleiht. Im Flug zeigt sich ein schmaler weißer Flügelstreif, und der Schwanz weist dunkle Mittelfedern mit helleren Seiten auf.
Männchen und Weibchen unterscheiden sich äußerlich kaum. Weibchen sind im Durchschnitt geringfügig größer und haben einen etwas längeren Schnabel.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Meerstrandläufers erstreckt sich über die arktischen und subarktischen Regionen der Nordhalbkugel. Brutgebiete liegen in Island, Skandinavien (vor allem Norwegen), auf Spitzbergen, in Nordrussland sowie in Teilen Kanadas und Grönlands. In der Brutzeit besiedelt er offene Tundra, Geröllfelder und steinige Hochflächen, häufig in Küstennähe, aber auch im Binnenland bis in Höhenlagen von über 1.000 Metern.
Außerhalb der Brutzeit ist der Meerstrandläufer ein ausgesprochener Küstenvogel. Sein bevorzugtes Habitat sind felsige Meeresküsten, Hafenmolen, Wellenbrecher und mit Algen bewachsene Steinschüttungen. Sandstrände und Wattflächen meidet er weitgehend – darin unterscheidet er sich deutlich von verwandten Arten wie dem Alpenstrandläufer (Calidris alpina) oder dem Sanderling (Calidris alba). In Mitteleuropa, einschließlich der deutschen Nord- und Ostseeküste, tritt er als regelmäßiger, aber seltener Wintergast und Durchzügler auf. An der Nordseeküste wird er am ehesten an Steinbuhnen und Hafenmauern beobachtet, wobei die Zahlen insgesamt gering bleiben. Auf Helgoland ist er vergleichsweise regelmäßig anzutreffen.
Ernährung
Der Meerstrandläufer ernährt sich überwiegend von wirbellosen Tieren. An den Küsten nimmt er Schnecken, Muscheln, kleine Krebstiere wie Flohkrebse und Asseln, sowie Insektenlarven und Würmer auf. Er sucht seine Nahrung bevorzugt in der Gezeitenzone, wo er zwischen nassem Tang und Algen auf Felsplatten nach Beute stochert. Typisch ist seine Nahrungssuche direkt an der Brandungslinie, wo er geschickt den auflaufenden Wellen ausweicht.
Während der Brutzeit in der Tundra verschiebt sich das Nahrungsspektrum. Dort stellen Insekten und deren Larven – insbesondere Zweiflügler, Käfer und Spinnen – den Hauptanteil der Nahrung dar. Ergänzend werden pflanzliche Bestandteile wie Samen und Beeren aufgenommen, was unter Strandläufern eher ungewöhnlich ist.
Verhalten & Lebensweise
Meerstrandläufer sind überwiegend tagaktiv, suchen aber bei Bedarf auch in der Dämmerung nach Nahrung. Außerhalb der Brutzeit leben sie gesellig in kleinen Trupps von meist 5 bis 30 Individuen, gelegentlich auch in größeren Schwärmen. Sie sind erstaunlich standorttreu und kehren Winter für Winter an dieselben Küstenabschnitte zurück.
Gegenüber dem Menschen zeigen Meerstrandläufer eine auffallend geringe Scheu. An Hafenmauern und Molen lassen sie sich häufig auf wenige Meter Entfernung beobachten, ohne aufzufliegen. Dieses Verhalten hängt vermutlich damit zusammen, dass die Art in ihren arktischen Brutgebieten wenig Kontakt mit Menschen hat und entsprechend keine ausgeprägte Fluchtreaktion entwickelt hat.
Der Zug erfolgt in der Regel küstennah. Die meisten europäischen Brutvögel überwintern an den Küsten West- und Nordeuropas, von Südnorwegen über die Britischen Inseln bis nach Frankreich. Langstreckenzieher sind unter den Meerstrandläufern die Ausnahme.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Brutzeit beginnt je nach Breitengrad zwischen Mai und Juni. Meerstrandläufer führen eine monogame Saisonehe. Die Balz findet am Boden und in der Luft statt: Die Männchen führen auffällige Singflüge mit trillernden Rufen über dem Brutrevier auf. Das Nest ist eine flache, spärlich mit Pflanzenteilen ausgekleidete Mulde am Boden, oft zwischen Steinen oder niedriger Vegetation versteckt.
Das Gelege besteht in der Regel aus vier olivgrünen bis bräunlichen, dunkel gefleckten Eiern. Beide Altvögel brüten