T Tierlexikon.net
← Lexikon

Gänsesäger

G

Tierart – Vögel > Vögel – heimisch (weitere)

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Mergus merganser
  • Ordnung: Gänsevögel (Anseriformes)
  • Familie: Entenvögel (Anatidae)
  • Unterfamilie: Säger (Merginae)
  • Gattung: Mergus
  • Lebensraum: Klare Flüsse, Seen, Stauseen; im Winter auch Küstengewässer
  • Größe: 58–72 cm Körperlänge, Flügelspannweite 78–97 cm
  • Gewicht: 1.000–2.100 g (Männchen schwerer als Weibchen)
  • Lebenserwartung: 12–15 Jahre, in Ausnahmefällen über 20 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Gänsesäger ist die größte der drei in Mitteleuropa vorkommenden Sägerarten und zugleich einer der größten Vertreter der Entenvögel. Sein Gefieder zeigt einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus. Das Männchen im Prachtkleid trägt einen dunkelgrünen, metallisch glänzenden Kopf, der je nach Lichteinfall fast schwarz wirken kann. Brust und Unterseite sind weiß mit einem zarten lachsfarbenen Schimmer, der vor allem im Frühjahr sichtbar wird. Der Rücken ist schwarz, die Flanken und der Bürzel hellgrau. Im Schlichtkleid ähnelt das Männchen stärker dem Weibchen.

Das Weibchen besitzt einen rostbraunen Kopf mit einer auffälligen, zottigen Haube am Hinterkopf. Die Oberseite ist schiefergrau, die Unterseite weißlich. Eine scharfe Grenze zwischen der braunen Kopf- und der weißen Halszeichnung unterscheidet das Weibchen vom ähnlichen Mittelsäger (Mergus serrator), bei dem dieser Übergang fließend verläuft.

Beiden Geschlechtern gemeinsam ist der lange, schlanke, rote Schnabel mit einem deutlichen Hakennagel an der Spitze. Die Schnabelkanten sind mit feinen, nach hinten gerichteten Hornzähnchen (Lamellen) besetzt – eine Anpassung an das Ergreifen und Festhalten glitschiger Beute. Die Beine und Schwimmfüße sind ebenfalls rot bis orangerot. Im Flug fallen die großen weißen Flügelfelder auf, die besonders beim Männchen ausgedehnt sind.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Gänsesägers erstreckt sich über die gesamte Holarktis. In Europa brütet die Art von Skandinavien und Island über das Baltikum bis in die Alpenregion. In Deutschland liegen die Brutgebiete vor allem an den Voralpenflüssen wie Isar, Lech und Inn, an oberschwäbischen Seen sowie vereinzelt in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. In der Schweiz und in Österreich besiedelt der Gänsesäger klare Flüsse und Seen der Voralpen- und Alpenzone.

Als Habitat bevorzugt die Art fischreiche, klare Gewässer mit guter Sichttiefe. Langsam fließende bis mäßig schnell strömende Flüsse, Altwässer und tiefe Seen bilden das typische Biotop. Zur Brut ist die Art auf Baumhöhlen angewiesen, weshalb sie gewässernahe Altholzbestände benötigt. Ersatzweise werden auch Felsnischen, Mauerlöcher und künstliche Nistkästen angenommen.

Mitteleuropäische Brutvögel sind überwiegend Stand- oder Strichvögel, die im Winter innerhalb der Region umherziehen. Nordische Populationen ziehen dagegen als Zugvögel in südlichere Breiten. An großen Seen und Küstenabschnitten der Nord- und Ostsee bilden sich im Winter teils große Ansammlungen von mehreren Tausend Individuen.

Ernährung

Der Gänsesäger ist ein spezialisierter Fischjäger. Seine Nahrung besteht zum überwiegenden Teil aus kleinen bis mittelgroßen Fischen von 5 bis 20 cm Länge. Zu den häufig erbeuteten Arten zählen Groppen, Elritzen, Äschen, junge Forellen und Barsche. Gelegentlich ergänzen Wasserinsekten, Krebstiere und kleine Amphibien den Speiseplan.

Die Jagdtechnik ist charakteristisch: Der Gänsesäger schwimmt mit eingetauchtem Kopf und sucht die Gewässersohle nach Beute ab. Hat er einen Fisch erspäht, taucht er blitzschnell ab und verfolgt ihn unter Wasser. Der gezähnte Schnabel ermöglicht ein sicheres Zupacken. Die Tauchgänge dauern meist 15 bis 30 Sekunden und erreichen Tiefen von mehreren Metern. Gelegentlich jagen Gänsesäger in koordinierten Gruppen, wobei sie Fischschwärme gemeinsam in Ufernähe treiben.

Verhalten & Lebensweise

Der Gänsesäger ist überwiegend tagaktiv und verbringt einen großen Teil des Tages mit Nahrungssuche auf dem Wasser. Außerhalb der Brutzeit ist die Art gesellig und bildet Trupps von einigen Dutzend bis mehreren Hundert Vögeln. An traditionellen Schlafplätzen sammeln sich die Tiere oft schon am späten Nachmittag. Gegenüber Artgenossen zeigt die Art wenig territoriales Verhalten außerhalb der Brutzeit.

Die Balz beginnt bereits im Winter und setzt sich bis ins zeitige Frühjahr fort. Die Männchen führen dabei auffällige Balzrituale auf: Sie strecken den Hals nach vorn, werfen den Kopf ruckartig in den Nacken und stoßen dabei raue, krächzende Rufe aus. Weibchen antworten mit heiseren, nasalen Lauten.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Brutzeit erstreckt sich von April bis Juni. Das Weibchen wählt eine geeignete Baumhöhle, oft in Schwarzpappeln, Buchen oder alten Eichen, mitunter in beachtlicher Höhe von 10 bis 15 Metern über dem Boden. Das Gelege umfasst 7 bis 14 cremeweiße bis gelbliche Eier, die das Weibchen allein über einen Zeitraum von etwa 30 bis 35 Tagen bebrütet. Das Männchen verlässt das Weibchen in der Regel kurz nach Beginn der Bebrütung und zieht sich zur Mauser in sichere