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Blume

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Jäger- & Weidmannssprache > Jäger- & Weidmannssprache

Definition und Überblick

Der Begriff Blume gehört zum festen Vokabular der Jägersprache (auch Weidmannssprache oder Waidmannssprache genannt) und bezeichnet je nach Kontext zwei völlig unterschiedliche Dinge: zum einen den Schwanz des Hasen oder Kaninchens, zum anderen den Geruch des Wildes, den der Jagdhund mit der Nase wahrnimmt. Diese doppelte Bedeutung macht den Ausdruck zu einem der vielseitigsten Begriffe im jagdlichen Sprachgebrauch. Die korrekte Verwendung solcher weidmännischen Fachausdrücke gilt unter Jägern als Ausdruck von Tradition, Respekt gegenüber dem Wild und handwerklichem Können.

Die Blume als Schwanz von Hase und Kaninchen

In der häufigsten Verwendung meint Blume den kurzen, buschigen Schwanz des Feldhasen (Lepus europaeus) sowie des Wildkaninchens (Oryctolagus cuniculus). Der Schwanz dieser Tiere ist oberseits dunkel – meist schwarz oder schwarzbraun – und unterseits auffallend weiß gefärbt. Diese kontrastreiche Zeichnung ist für die Ansprache des Wildes im Feld von praktischer Bedeutung: Beim flüchtigen Hasen wippt die helle Unterseite der Blume deutlich sichtbar auf und ab, was dem erfahrenen Jäger bei der Identifikation hilft.

Anatomisch betrachtet handelt es sich bei der Blume um einen kurzen, mit dichtem Fell bedeckten Stummelschwanz, der aus mehreren kleinen Schwanzwirbeln besteht. Beim Feldhasen erreicht die Blume eine Länge von etwa vier bis acht Zentimetern, beim Wildkaninchen ist sie ähnlich proportioniert, jedoch etwas kürzer. Biologisch erfüllt die Blume mehrere Funktionen:

  • Kommunikation: Durch das Aufstellen der Blume wird die weiße Unterseite sichtbar und dient als optisches Signal für Artgenossen – etwa als Warnsignal bei Gefahr oder zur Orientierung der Jungtiere bei der flüchtenden Häsin.
  • Balzverhalten: Während der Rammelzeit spielt die Blume eine Rolle im Paarungsverhalten. Rammler zeigen sie bei der Verfolgung der Häsin auffällig.
  • Artansprache: Für den Jäger ist die Blume ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zwischen Hase und Kaninchen sowie zwischen verschiedenen Wildarten.

Ausschließlich bei Hase und Kaninchen wird der Schwanz als Blume bezeichnet. Bei anderen Wildarten gelten jeweils eigene Begriffe: Der Schwanz des Fuchses heißt Lunte (auch Standarte bei besonders buschigen Exemplaren), beim Rehwild spricht man vom Wedel (bei weiblichem Wild: Schürze), beim Schwarzwild vom Pürzel, und beim Rotwild ebenfalls vom Wedel. Diese präzise Differenzierung ist ein Kernmerkmal der Weidmannssprache.

Die Blume als Geruch des Wildes

In einer zweiten, ebenso gebräuchlichen Bedeutung bezeichnet Blume den Eigengeruch des Wildes, den ein Jagdhund bei der Arbeit mit der Nase aufnimmt. Man sagt, der Hund nehme die Blume auf oder arbeite auf der Blume. In diesem Zusammenhang ist der Begriff eng verwandt mit den Ausdrücken Witterung und Wind. Die Blume umfasst dabei die gesamte Geruchsspur, die ein Stück Wild hinterlässt – sei es als Bodenfährte, als in der Luft stehende Duftspur oder als Geruchsmarkierung an Vegetation und Boden.

Für die Jagdhundeausbildung und die praktische Jagd mit dem Hund ist die Fähigkeit, die Blume sicher zu halten und zu verfolgen, von zentraler Bedeutung. Verschiedene Faktoren beeinflussen die Intensität der Blume:

  • Witterungsbedingungen: Feuchtigkeit und moderate Temperaturen begünstigen die Haltbarkeit der Geruchsspur, während Trockenheit, Frost und starker Wind die Blume schnell verfliegen lassen.
  • Bodenbeschaffenheit: Feuchte, bewachsene Böden speichern den Wildgeruch besser als trockener Sand oder Gestein.
  • Wildart und Alter der Spur: Unterschiedliche Wildarten hinterlassen unterschiedlich intensive Geruchsspuren. Eine frische Fährte trägt eine stärkere Blume als eine ältere.
  • Individualgeruch: Jedes Stück Wild besitzt einen eigenen, charakteristischen Geruch, den erfahrene Jagdhunde unterscheiden können.

Besonders bei der Nachsuche auf krankes (verletztes) Wild und bei der Schweißarbeit – dem Verfolgen einer Blutspur – muss der Hund die Blume des gesuchten Stückes von anderen Wildgerüchen unterscheiden können. Hunde mit besonders feiner Nase, wie der Hannoversche Schweißhund oder der Bayerische Gebirgsschweißhund, gelten als Spezialisten auf diesem Gebiet.

Sprachgeschichtlicher Hintergrund

Die Herkunft des Begriffs lässt sich auf die bildhafte Sprache der Jäger zurückführen. Der buschige, rundliche Hasenschwanz erinnert in seiner Form an eine kleine Blüte – eine Assoziation, die zur Namensgebung geführt haben dürfte. Die Übertragung auf den Wildgeruch folgt vermutlich der Metapher des Duftes: So wie eine Blume duftet, verströmt auch das Wild seinen charakteristischen Geruch. Beide Bedeutungen sind seit Jahrhunderten in der deutschsprachigen Jagdliteratur belegt und gehören zum Grundwortschatz jeder Jägerprüfung.

Verwendung in der jagdlichen Praxis

Im Alltag des Jägers begegnet die Blume in vielfältigen Zusammenhängen. Bei der Streckenlegung – dem traditionellen Auslegen des erlegten Wildes nach einer Gesellschaftsjagd – wird darauf geachtet, dass Hasen und Kaninchen so gelegt werden, dass die Blume sichtbar ist. Beim Versorgen (Aufbrechen) des erlegten Hasen bleibt die Blume als Teil